Deshalb unterstützt das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) Modellversuche mit anonymisierten Bewerbungen als ein sinnvolles Instrument der Personalauswahl. Schon jetzt zeigt sich, dass ursprüngliche Befürchtungen aus der Wirtschaft, solche Verfahren führten zu unnötiger Bürokratie, unbegründet sind. Das Instrument fördert viel eher die nötige Sensibilität in der betrieblichen Praxis, ist allerdings für sich allein kein Allheilmittel.
Gefordert ist auch der Staat, der bei der Arbeitsmarktintegration schlecht aussieht: Von den Kindern Einheimischer arbeitet gut ein Viertel in staatlichen Einrichtungen; bei Migranten-Kindern sind es nur halb so viele.
Integrationsarbeit ist Zukunftssicherung. Integration und Selektion müssen deshalb künftig in unserer Zuwanderungsstrategie Hand in Hand gehen. Um dies zu erreichen, brauchen wir „Integrationsverträge“ zwischen Zuwanderern und der Gesellschaft, in denen Verpflichtungen und Gegenleistungen definiert werden. Dazu gehört voran die Bereitschaft zum Lernen der deutschen Sprache als wichtigstem Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Dazu gehört aber ebenso selbstverständlich die Bereitschaft, unsere Grundwerte anzuerkennen, die Identifikation mit der geistigen und demokratischen Kultur unseres Landes.
Wir haben am heutigen Dienstag zwar bereits den 6. Nationalen Integrationsgipfel, aber bei allen Fortschritten noch immer kein schlüssiges Gesamtkonzept, das der Zukunftsdimension des Themas gerecht wird. Das Champions-Finale in London am vergangenen Samstag hat die Welt mit seinem Spitzenfußball beeindruckt und nach der BBC-Umfrage weitere Sympathie geweckt. Wie schon in der deutschen Nationalmannschaft bestimmen multi-ethnische Teams das Geschehen, die zusammen den neuen deutschen Fußball gestalten. Alle drei Tore kamen von Spielern mit ethnischem Hintergrund. Die Klubs wie das deutsche Nationalteam sind Beispiele für die Früchte erfolgreicher Integration.
Wir haben jetzt die große Chance, eine nachhaltige Integration zu gestalten. Integrationsgipfel sind dafür nur Gesprächsangebote; konkrete Ergebnisse dürfen nicht erwartet werden. Eines wäre die Forderung, nach den Bundestagswahlen alle erforderlichen Maßnahmen und Kompetenzen mit der Schaffung eines Zuwanderungs- und Integrationsministerium zu bündeln.