Gastbeitrag
Österreich fiebert mit den Deutschen

Wir Österreicher wählen nicht am 22. September. Doch auch sie stellen sich einige Fragen und fiebern mit. Denn diese Wahl geht alle Europäer an. Ein Gastkommentar aus dem Nachbarland.
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Für Leser, die Umfragen trauen, ist dieser Kommentar obsolet. Alle Fragen scheinen beantwortet, bevor sie jemand, noch dazu aus der Ferne, überhaupt stellen kann. Doch diese Wahl geht alle Europäer etwas an.

Deutschland wählt, nur wen? Welche Politiker braucht es, um den Weg zurück in die Mitte zu finden, die Euro-Krise zu überwinden, den Menschen Mut zu machen?

Die Führungsfähigkeit limitiert die erzielbaren Ergebnisse. Ein guter Leader agiert nach der Devise „primus inter pares“, ist somit „Erster unter Gleichen“. Dem Selbstverständnis einer Bundeskanzlerin oder dem eines Bundeskanzlers täte es gut, sich daran zu orientieren. Deutschland braucht eine mutige und loyale Leader-Persönlichkeit, die Entscheidungen trifft, der die Menschen vertrauen und folgen.

Sie oder er muss Einfluss nehmen, gleichzeitig es allen recht zu machen. Von Berlins Ja oder Nein hängt das wirtschaftliche Überleben kriselnder Staaten ab. Und niemand weiß so genau, ob nicht manchmal ein Nein besser gewesen wäre ... An den Lippen einer deutschen Regierungschefin oder eines Regierungschefs hängt halb, manchmal ganz, Europa. Wer das bezweifelt, blicke in die internationale Presse.

Politiker müssen erkennen, dass wir Menschen definitiv Hoffnung und kein Krisengeschrei wollen. Nur wem das gelingt, darf einen Anspruch stellen gewählt zu werden. Wer führen will, muss in allererster Linie Mut machen. Sozialer Friede und Stabilität müssen die ureigensten Interessen sein. Daran sind Merkel und Steinbrück zu messen.

Merkels Atomausstieg wurde in Österreich nicht nur in Zwentendorf (nie in Betrieb genommenes AKW) begeistert aufgenommen. Weniger als 10 Prozent aller Staaten werden von Frauen geführt, somit macht Merkel anderen als mächtigste Frau, abseits von „Emma“ Mut.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Österreich fiebert mit den Deutschen"

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  • Die Aussitzerei wird häufig Merkel und Kohl angelastet. Man sollte aber bedenken,das in einer Mediokratie jedes Wort Munition ist für den Gegner. sogar eine eigentlich als gut anzusehende Sache, wie der stop eine Projektes, wird ins Gegenteil verkehrt, weil man den Anspruch einfach maximiert und dem Minister vorwirft, er hätte es nicht früh genug getan.
    Unter solchen Voraussetzungen ist es geradezu dumm, sich überhaupt zu äußern. Der Druck gegenüber Merkel kommt ja auch nicht primär vom Wähler, sondern von den medialen Hyänen die halt ständig Futter zum skandalisieren brauchen, ebenso wie von der Opposition, um sich positionieren zu können.
    Mit Information hat das nicht das geringste zu tun, eher mit einem mittelalterlichen Pranger, bei dem der Mob enttäuscht ist, wenn der Delinquent nicht mitspielt.

    H.

  • Der Autor unterliegt dem gleichen Fehler, der wohl das Menetekel unserer Zeit ist. Die vordergründige Wahrnehmung!
    Und in der Tat, was nützt die beste Politik, wenn niemand sie als solche wahrnimmt?
    Nun wäre es sicher vermessen Merkel die beste Politik zuzuschreiben, aber die bessere, das fällt sachlich eigentlich nicht schwer, trotz vieler Ärgernisse.
    Nur wer schaut schon auf die Sache, wenn sie sich nicht in einem einfachen Satz darstellen lässt? Tragischerweise nicht mal die Journaille, die bequemerweise von DPA abschreibt oder ebenfalls nur auf Schlagzeilen aus ist, besonders, da wirtschaftlicher Druck besteht und Auflage alles ist.
    So machen Bild und Co die Meinung, weil die bringen, was in jedes Spatzenhirn geht, was aber nicht unbedingt der Realität gerecht wird.
    so arbeiten wir uns an Affären ab (Plagiate, Kredite), die zwar unschön aber bedeutungslos sind Angesichts der Fehlsteuerungen im Land an anderer stelle, die niemals personalisiert wurden. Gut persönliche Vorteilsnahme war wohl nicht das Motiv, jedenfalls nicht nachweisbar. Aber Dummheit und Opportunität wohl schon. Wie setzt man das in vernünftige Relation zueinander?
    Über eines sollten sich alle klar sein, ein Wahlsieg der Opposition bedeutet zwingend mehr Subvention, mehr Umverteilung nach staatlicher Vorgabe und äußerem Anschein, nicht unbedingt nach tatsächlichem Bedarf, mit dem argumentiert wird. Ich persönlich empfinde das als die deutlich schlechtere Alternative weil alle zentralistischen Umverteilungen am Ende nicht den Empfänger zu gute kommen, die es bräuchten. Was wir brauchen sind weniger kleinteilige Regelungen für Trickser und nicht mehr. weniger Staat, dafür aber konsequente und faire Regeln.
    Weniger Scheinsicherheit und mehr Selbstverantwortung und zwar nicht nur beim Risiko sondern der Freiheit selbst zu gestalten.
    Das alles ist zur Zeit mit keiner Partei zu bekommen, aber jeder Wechsel wird uns noch weiter davon entfernen.

    H.

  • Es ist schon seltsam, dass ein herausragender Verdienst von Frau Merkel scheinbar der Atomausstieg ist. Das wird im Kommentar ja ausdrücklich erwähnt. Es scheint vergessen zu sein, dass die Koalition den Atomausstieg von Rot-Grün zurückgenommen und die Laufzeiten der AKW sogar verlängert hat. Erst der Unfall in Japan und die anschliessende öffentliche Diskussion brachte die Koalitionäre zur Entscheidung ihre Entscheidung neu zu entscheiden.

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