Gastbeitrag Professor Tacheles Sigmar Gabriels Bilanz als Außenminister ist desaströs

Seite 2 von 2:
Gabriel als „Posterboy der Hamas“

Seine Streicheleinheiten verstand das Mullah-Regime als Freifahrschein für die Fortsetzung innenpolitischer Unterdrückungen und außenpolitischer Kriegsabenteuer im Irak, Jemen, Libanon und in Syrien. Nach Ausbruch der Massenproteste gegen das Mullah-Regime hatte Gabriel nichts Eiligeres zu tun, als beide Seiten dazu aufzurufen, keine Gewalt einzusetzen.

Im Klartext: Gabriel setzte Unterdrückte und Unterdrücker gleich. Zur selben Zeit wurde in einem Luxuskrankenhaus Hannovers Irans ehemaliger Todesrichter gehegt, gepflegt und vor Rechtsverfolgung geschützt. Mit Wissen und Wirken des Auswärtigen Amtes, also sicher auch Gabriels.

Nicht den Iran, sondern Saudi-Arabien sollten wir, laut Gabriel, als Hauptverantwortliche für Nahostkonflikte und -kriege betrachten. Dass deutsche Firmen jüngst dem Iran Raketenbauteile lieferten, stieß nicht aufs Veto des Gabriel-Amtes. Bereitete er sich für eine Zweitkarriere als Iran-Lobbyist vor?

Gabriels Vorgehen widersprach nicht nur dem ethischen Selbstverständnis und der Staatsräson Deutschlands. Zu dieser gehört das unbedingte Eintreten für die Existenz des jüdischen Staates, Israel. Lippenbekenntnisse dazu kennen wir auch von Gabriel. Zugleich bezeichnete er Israel mehrfach als „Apartheid-Staat“.

Israel ist kein Apartheitstaat. Drittstärkste Partei im Parlament ist die Arabische Liste. Alle israelischen Araber genießen volle Bürgerrechte. Davon können Minderheiten im Iran und anderen islamischen Staaten nur träumen. Abgesehen davon kann, darf und soll Deutschland Apartheitstaaten nicht verteidigen. Gabriel stellte somit die Existenz Israels infrage.

Er gefährdete sie, denn er unterstützte Israels Todfeind: die iranischen Mullahs. Deren Schützlinge und Geldempfänger, die palästinensischen Hamas-Terroristen, priesen Gabriel darob. Als „Posterboy der Hamas“ verspotten ihn deshalb „Jerusalem Post“ und „Huffington Post“.

Die neue Koalitionsvereinbarung von Union und SPD verheißt – sei es aus Ideologie oder Ahnungslosigkeit – nahostpolitisch keine Besserung. Gabriel geht, Maas kommt, die deutsche Nahostpolitik bleibt, was und wie sie war: wortreich und erfolglos.

Für „mehr Europa“ wollte sich Gabriel zuletzt einsetzen. Das hätte Martin Schulz, europapolitisches Urgestein, wirklich besser gekonnt. Das dürfte auch der Saarländer Maas schon aufgrund seiner lebenslangen Alltagsnähe zu Frankreich besser können als Gabriel aus der alten Kaiserstadt Goslar.

Was meinte Gabriel genau mit „mehr Europa“? Das wird er diesen Sommer Studenten der Politikwissenschaft an der Universität Bonn verraten. Dort will man seine außenpolitische Erfahrung beim Ausbau der Europa-Studien nutzen. Das ist löblich. Immerhin konnte er in seiner ein ganzes Jahr währenden (Außen-)Amtszeit manches lernen, was Forschung und Lehre weiterentwickelt.

Vielleicht will die Uni Bonn auch zeigen, was Studienzeitverkürzung und Hochschulqualifikation bedeutet? Vor seiner Politikkarriere war Gabriel, der im Hauptfach Germanistik studiert hatte, zuletzt als Dozent beim Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen befristet tätig.

Von der Volkshochschule über politische Hochleistungen zur Hochschule – ich meine, Gabriel hat sich diesen krönenden Höhepunkt seiner Karriere redlich verdient und sollte sich auf diesen Job beschränken. Ein von den iranischen Mullahs oder Präsident Erdogan gut dotierter Beratervertrag nach Schröder’schem Muster könnte den Lohnausfall sozial gerecht abfedern.

Der Historiker und Publizist Prof. Dr. Michael Wolffsohn veröffentlichte zuletzt den Bestseller „Zum Weltfrieden“ und „Deutschjüdische Glückskinder, Eine Weltgeschichte meiner Familie“.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gastbeitrag Professor Tacheles - Sigmar Gabriels Bilanz als Außenminister ist desaströs

5 Kommentare zu "Gastbeitrag Professor Tacheles: Sigmar Gabriels Bilanz als Außenminister ist desaströs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich darf nochmal an das wahre Wort von Herrn Steingart erinnern:

    Merkels Rettungspolitik rettet nicht!

    Deutsche Außenpolitik muss auch mal ganz klar gesehen werden: kein einziges außenpolitisches Problem ist in den letzten 10 Jahren gelöst worden. Und ein Garant dafür ist der Moloch Auswärtiges Amt!!! Das Ding muss mal vollkommen neu durchorganisiert werden. Gegen den Laden ist von der Leyens Organistation brilliant (und das will was heissen....)

  • Da die SPD alles, was Türken betrifft, wegen ihrer schief nach links hängenden "Weltoffenheit" schon immer schönredet, konnte wohl auch Gabriel nicht aus seiner roten Haut.

  • Das Schlimme ist nicht das Beschimpfen Deutschlands. Was stört es eine deutsche Eiche . . .. . .! Viel gefährlicher ist der ständige Versuch von Erdogan durch seine Anhänger in Deutschland Einfluß zu nehmen, was ihm ja auch immer wieder gelingt. Die Niederlande lassen sich das nicht bieten. Das Problem ist, dass Europa sich nicht auf seine Interessen einigen kann. Wir haben seit Jahren eine EU-Außenbeauftragte, die aber kaum jemand kennt. Deutschland wird immer weniger als Macht wahrgenommen. Gabriel hat D in den Jahren als Außenminister einen Bärendienst erwiesen. Ob aber Herr Maas besser ist, da habe ich meine Zweifel. Seine bisherigen Tätigkeiten lassen es eher nicht erwarten. Wenn Herr Gabriel beliebt ist, kann das nicht an seinen Leistungen als Außenminister oder vorher als Wirtschaftsminister liegen. Danke Herr Wolffsohn für den wieder mal hervorragenden Beitrag.

  • Sie werden Ihre Meinung noch ändern, wenn Sie den moralinsaueren Heiko Maas agieren sehen.
    Weder Trump noch Putin werden ihm zuhören. Es ist fraglich ob sie überhaupt kostbare Zeit für ihn haben.

  • Gratulation, MICHAEL WOLFFSOHN, Sie haben es gemerkt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%