Gastbeitrag
Sind Frauen in der Türkei Menschen zweiter Klasse?

Immer wieder fällt der türkische Premier Erdogan durch seine diskriminierenden Äußerungen gegen Frauen auf. Das beunruhigt viele Frauen in der Türkei. Wie eine Istanbulerin die Geschehnisse vor der Wahl erlebt.
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Schaut man genau hin, schränkt das Erdogan-Regime Frauenrechte nicht ein. Auch hat sich das Leben der Frauen, seitdem Recep Tayyip Erdogan an der Macht ist, durch geschriebene Regeln und Gesetze nicht negativ verändert. Aber manche Aussagen der Regime-Politiker geben uns zu verstehen, dass eine Frau ein Mensch zweiter Klasse ist und sie einen Schritt im Hintergrund bleiben muss.

Das beunruhigt mich und die Frauen in meinem Bekanntenkreis: Vor allem die Vorurteile gegenüber Frauen, die kein Kopftuch tragen; die Ausgrenzung der 50 Prozent Frauen, die Ministerpräsident Erdogan nicht gewählt haben; dass Staatsschulen, die kostenlos und ohne Vorprüfungen sind, zu religiös geführten Schulen umfunktioniert werden sollen. Laizisten, Kemalisten und Republikaner sind besorgt um die Zukunft.

Indem Erdogan an die Hälfte der Türken nicht denkt, die ihn nicht gewählt hat, und vielmehr auf die Stimmen der anderen Wähler setzt, die ihn gewählt haben, also nur auf sein Klientel eingeht und die türkische Republik uneingeschränkt einnimmt, polarisiert er die türkische Bevölkerung.

Ebru I. ist 35 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Sie ist Wirtschaftswissenschaftlerin und arbeitet bei der Börse in Istanbul.

Übersetzung aus dem Türkischen: Hilal Kalafat

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