Gastbeitrag Drachme als zweite Landeswährung einführen

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Umstellung der Löhne wird wirksam sein

Die Geschäftsbanken beschaffen ND durch Aufnahme von Refinanzierungskredit bei der griechischen Zentralbank. Hält sie ihre Sätze unter denen der EZB, schafft sie zusätzlichen Anreiz, ND-Kredit bei ihr aufzunehmen. Trotz der Umstellung des Zahlungsverkehrs auf anteilige Zahlung in ND verbleibt Griechenland im Euro-Verbund. Dies wird auch durch die Vorschrift unterstützt, dass jeder Preis zur einen Hälfte in ND gilt, zur anderen Hälfte in Euro.

Entsprechendes gilt für die Löhne und Gehälter. Dem Ziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands zu stärken, käme es natürlich entgegen, wenn die Lohnverhandlungen und Anstellungsverträge vollständig auf die zweite Landeswährung umgestellt werden könnten. Aber das ließe sich politisch kaum durchsetzen. Tatsächlich wird die Umstellung der Löhne zu 50 Prozent schon sehr wirksam sein

Zur Einführung der ND gehört an und für sich auch eine generelle Teilumstellung der Schulden im Inland. Konkret wären zum Stichtag der ND-Einführung alle monetären Forderungen und Verbindlichkeiten inländischer Finanzierungsinstitute zur Hälfte zum Kurs 1:1 auf ND umzustellen. Würde man aus Gründen einer höheren politischen Akzeptanz etwa die Bankeinlagen der Bevölkerung davon ausnehmen, so müsste man den Banken einen Ausgleich dafür verschaffen, dass ihre inländischen Verbindlichkeiten in höherem Ausmaß als ihre inländischen Aktiva in Euro erhalten werden.

Es versteht sich, dass der Übergang zu einer zweiten Landeswährung eine Reihe technischer Probleme mit sich bringt, wie etwa die Führung paralleler Euro- und ND-Bankkonten für jeden Bürger. Die dafür zu veranschlagenden Transaktionskosten sind aber im Zeitalter computerisierter Kontenverwaltung nicht als hoch zu veranschlagen.

Unser Vorschlag, die ND als eine zweite, gleichberechtigte Landeswährung einzuführen, soll es Griechenland erleichtern, durch einen Kurs größerer Flexibilität den wirtschaftlichen Wiederaufstieg zu erreichen. Aber es geht auch um den politisch-psychologischen Aspekt, dem Land die Rückkehr zur vollen Mitgliedschaft in der Euro-Union sichtbar offenzuhalten. Diese wird allerdings erst möglich werden, wenn das Land einen soliden Wachstumspfad bei annähernd ausgeglichener Zahlungsbilanz erreicht und der flexible ND/Euro-Wechselkurs sich auf stabilem Niveau bewegt.

Die Autoren lehren in Hamburg (Lucke) und Bonn (Neumann) VWL.

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14 Kommentare zu "Gastbeitrag: Drachme als zweite Landeswährung einführen"

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  • Die Fundamentalisten beider Lager - Euro-Untergangspropheten sowie Euro-Fanatiker - können natürlich nichts mit Alternativen anfangen, wie der Author schon richtig schreibt, die Entweder-Oder-Streithähne behindern konstruktive Lösungsvorschläge.

    @Hellas, bei so einem bankrotten Bankenwesen wie Sie es beschreiben, sollten die Griechen vielleicht gleich gänzlich auf Währungen verzichten und mit Fetakäse und Hammelkeulen bezahlen?


    Danke, Herr Thomas Mayer u.a. - ich hoffe Sie finden noch mehr Unterstützung aus der Fachwelt für Ihren Vorschlag.

  • Ja, läuft irre gut in Cuba...

  • Auf dem Papier sieht das alles nett aus, nur wird hier die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht. Die pupt einen Haufen und schert sich einen Dreck drum. Das gibt in den Südländern die Mutter aller Bankruns.

  • Endlich mal ein brauchbarer Ansatz. Auch Dr. Hankel hat sich für eine Parallewährung ausgesprochen. Dieter Graumann hat 1979 zu dem Thema "Die Parallelwährung als europäische Integrationsalternative" seine Dissertation verfasst.

  • Ganz so daneben ist die Idee nicht.
    In Kuba läuft es schon seit Jahren so.

  • Durch eine Parallelwährung könnte sich Griechenland im Euro halten, ohne erdrückt zu werden. Das ist ein sehr konstruktiver Ansatz.
    Noch besser wäre es, wenn der ND an den Euro gekoppelt wäre und mit einer Nutzungsgebühr versehen wäre, wie es in der Studien "Expressgeld statt Euroaustritt" beschrieben ist, die hier zur finden ist: http://www.eurorettung.org
    Thomas Mayer

  • @w666
    Sinn der Übung ist ja das die Gr Währung abwertet. Natürlich werden sie erstmal Drachmen drucken, das Recht Euros zu drucken haben Sie ja nicht.

    Der Euro ist verloren, politischer Wille allein genügt nicht, die inflationären Folgen der Europolitik sind ja jetzt schon desaströs und nur noch finanzierbar über eine "Lost Generation" die eselsgleich bereit ist die Zeche zu zahlen. Das wird nicht funktionieren!!

    Deutschland wird weder die Welt, noch Europa retten können.

  • Ums mal genau zu sagen:
    Da sehe ich 2 Möglichkeiten:
    1. Die Drachme würde sofort abstürzen. Die Hedgefonds shorten die sofort.
    2. Wir 1 irgendwie dauerhaft verhindert druckt Griechenland fleissig Drachmen und tauscht diese 1:1 in Euro (Da der Kurs ja nicht fallen kann, weil sonst 1. eingetroffen wäre) da können die auch gleich Euros drucken...

  • In die richtige Richtung, aber nicht zu Ende gedacht. Marc Faber hat´s richtig formuliert. Alle, bis auf Deutschland gehen aus dem Euro `raus und haben Ihre eigene Währung, aber der Euro ist überall in Europa, wie der US Dollar in Südamerika, als Zahlungsmittel und für den Warenverkehr gültig.
    Was hat Clausewitz gesagt? Nichts ist schwerer aufzugeben als eine unhaltbare Position!
    Das sehen wir gerade an unseren verstrahlten, romantisierenden Politikern.
    Es gibt 2 Dinge die toter nicht sein können, 1. der Glaube an den Euro, 2. der Euro.

  • Deutschland sollte als Parallelwährung die DM wieder einführen. Die Deppen in Euroland bezahlen wir dann mit Euro, sparen können wir mit der DM.

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