Gastbeiträge

_

Gastbeitrag: Von der Entzauberung unserer Volkshelden

Michael Schumacher war der unantastbare Formel 1-Held, Thomas Gottschalk eine Moderatoren-Ikone. In einem Gastbeitrag erklärt Marken-Berater Christopher Spall, warum die beiden keine Marken mehr sind.

Als Fahrer hat Michael Schumacher seine beste Zeit hinter sich – als Marke auch. Quelle: Reuters
Als Fahrer hat Michael Schumacher seine beste Zeit hinter sich – als Marke auch. Quelle: Reuters

„Armer Schumi“, raschelte es im italienischen Blätterwald nach der Bekanntgabe seines nicht verlängerten Vertrags mit Mercedes und des darauf folgenden Rücktritts. „Armer Schumi“ ist womöglich die vernichtendste Schlagzeile für eine fleischgewordene Marke wie Schumacher. Denn es ist Mitleid. Mitleid gegenüber dem einst unantastbaren, dem mit sieben WM-Titeln erfolgreichsten Rennfahrer aller Zeiten.

Anzeige

Doch was ist in der Zwischenzeit passiert, so dass das Markenprofil eines Helden zerkratzt wurde? Auch weitere einstige Volkshelden wie Gottschalk und Harald Schmidt versinken in der Bedeutungslosigkeit. Warum verlieren diese Helden an Strahlkraft? Eine Markenanalyse der besonderen Art zur Entzauberung unserer Helden deckt die Ursachen auf.

TV-Experte über „Wetten, dass..?“ „Die Samstagabendshow wird sterben“

Grimme-Preisträger Holger Kreymeier zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft der großen Fernsehshows. „Wetten, dass..?“ ist da trotz Markus Lanz nur der größte Dominostein, der umfallen wird. Ein Interview.

TV-Experte über „Wetten, dass..?“: „Die Samstagabendshow wird sterben“

Waghalsige Markenhochzeit: Schumacher und Mercedes
Gehen Marken Kooperationen ein, so sollten die Partnermarken eines mitbringen: Wertepassung. Doch die Überlegenheit, die Schumacher jahrelang prägte, konnte das durchschnittliche Mercedes Motorsport Team nie zurückgeben. Der Wert der Marke Schumacher litt, weil er nicht das Auto hatte, um schnell genug zu sein.

An der Marke Schumacher haftete bis dahin der Nimbus des Einzigartigen, Unantastbaren sowie einer schier übermenschlichen Präzision. Diese Markenwerte wuchsen über all die Jahre, weil Schumacher diese gleich einem Akku immer wieder aufgeladen hatte. Und zwar mit Spitzenleistungen. Doch genau diese Präzision führte er schier ad absurdum, so oft wie er in den drei Jahren seit seiner Rückkehr in den Motorsport Fahrfehler und Unfälle produzierte. Schumacher entzauberte sich damit auch selbst.

  • 09.10.2012, 13:46 UhrColin09

    Geehrte Kommentatoren,
    durch ihre Kritik an den vom Autor betitelten "Helden" bestätigen Sie eigentlich nur den Autor, der besonders im letzten Abschnitt beschreibt wie schwierig wir uns ins Deutschland damit tun, Menschen zu ehren, die in verschiedenen Disziplinen Spitzenleistungen vollbracht haben.
    Zu erst einmal sollten Sie sich dazu auch noch einmal mit dem Begriff "Held" auseinandersetzen, welcher im Normalfall Personen beschreibt, die über herausragende Fähigkeiten besitzen und dadurch eine besondere Reputation erlangen - also "Heldenstatus". Ungeachtet dessen möchte ich sie allerdings vielmehr auf die anderen Inhalte des Artikels hinweisen. Dort geht es nämlich um Marken. Die Herren Schumacher und Gottschalk haben nehmen ihrer eigenen Marke, nämlich eine weitere geschärft. Und diese Marke geht uns alle an, nämlich die Marke Deutschland. Schumacher hat den Mythos der Rennsportnation weitergetragen, den Mythos der erfolgreichen Sportlernation. Etwas auf das wir alle stolz sind und was Deutschland ausmacht. Hinzu kommt, dass auch praktisch alle erfolgreichen deutschen Automobilmarken (BMW, Mercedes, Porsche) von den Erfolgen des Motorsports zehren.

    Thomas Gottschalk ist inzwischen so bekannt, dass praktisch jede Hollywoodgröße den Weg in seine Show fanden. Promotion Touren für Kinofilme, Sportereignisse oder ähnliches - Gottschalk hat die Plattform geboten und damit auch die Bekanntheit und Attraktivität des Standorts Deutschlands gesteigert. Wenn Sie auf dieses Heldentum verzichten können - ich kann und will es nicht und bin daher gerne einverstanden mit der Glorifizierung.

    Gruss CF

  • 08.10.2012, 14:18 Uhrmargrit117888

    Wolfsfreund
    volle Zustimmung.

  • 07.10.2012, 16:45 UhrWolfsfreund

    "Auf mich haben diese sogenannten Helden noch nie Eindruck gemacht."
    ---------------------
    Amen! Unter "Held" verstehe ich garantiert keinen, der ganz schnell im Kreis rumfahren kann oder eine Volksverblödungsshow moderiert. Unter Heldentum verstehe ich z.B. die Aktionen von Menschen, die sich in Lebensgefahr begeben, um eine verunglückte Wölfin aus einem reißenden, winterkalten Fluß zu retten, die bei einer Ölpest tagelang bis zur Erschöpfung verölte Vögel säubern und aufpäppeln oder die sich, wie die Sea Shepherds, unter Einsatz des eigenen Lebens für die Wale einsetzen und... und... und...

  • Kommentare
Kommentar: Rote Karte mit Risiko

Rote Karte mit Risiko

Die EU wehrt sich gegen Chinas Exporteure und erhebt Schutzzölle auf Solarmodule. Diese Politik der klaren Kante ist überfällig – selbst wenn Vergeltung aus Peking wohl nicht lange auf sich warten lassen wird.

Hartz-IV-Aufstocker: Falsche Hiobsbotschaften

Falsche Hiobsbotschaften

Die Agenda 2010 ist nicht unsozial. Im Gegenteil: Den nun wieder als Ungerechtigkeit gescholtenen 323.000 „Aufstocker-Stellen“ steht ein beinahe Hundertfaches an neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen gegenüber.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Autisten an die Tastaturen

Autisten an die Tastaturen

SAP sucht autistische Programmierer. De Maizière wird seinen Fehler politisch überleben. Apple ist auch beim Steuersparen kreativ. Ein Tornado hinterlässt Optimisten. Das Aus der Lottofee. Der Tagesbericht.

Walter direkt: Blasenangst

Blasenangst

Der deutsche Markt für Wohnimmobilien ist attraktiv und lockt Investoren. Einiges spricht dafür, dass sich das nicht abrupt ändern wird und uns spekulative Übertreibungen erspart bleiben.

Handelsblog Pekings gefälschtes Ikea-Möbelhaus

Am meisten haben es mir die blau-gelben Polohemden der Möbelberaterinnen angetan. Der Schriftzug links auf der Brust lautet zwar „Joyme“, nicht „Ikea“, doch ansonsten wirken sie so schweden-mäßig, wie das überhaupt nur sein kann. Doch... Von Finn Mayer-Kuckuk. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: Der Apfel, der das Fass zum Überlaufen bringt?

Der Apfel, der das Fass zum Überlaufen bringt?

Apple hat in Sachen Steuergestaltung eigene Ideen. Dafür muss Tim Cook vor den Untersuchungsausschuss des Senats. Vielleicht ist das der Weckruf, dass Steuerschlupflöcher für Unternehmen gestopft werden.

Gastkommentar: Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Je stärker das europaskeptische Lager im Vereinigten Königreich wird, desto wahrscheinlicher wird eine Abspaltung Schottlands. Um separatistische Bestrebungen einzudämmen, sollte sich die EU um die Briten bemühen.

Angelina Jolie und die Folgen: „Eine barbarische Operation“

„Eine barbarische Operation“

„Ich kann Angelinas Angst gut verstehen, auch mir haben sie eine Brust amputiert.“ Über ihren Umgang mit dem Thema Brustkrebs und ihr Leben nach der Operation berichtet die New Yorker Künstlerin Matuschka.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.