Gastbeitrag von Ferdinand Dudenhöffer Der Mythos vom klimafreundlichen Diesel

Horst Seehofer plädiert für eine Kaufprämie, die den Absatz von Diesel-Pkw mit Euro-6-Motor fördern soll. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer entgegnet: Der Diesel ist schmutziger als ein Benzinmotor. Ein Gastbeitrag.
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Der Autoexperte leitet das CAR Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Quelle: dpa
Ferdinand Dudenhöffer

Der Autoexperte leitet das CAR Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen.

(Foto: dpa)

Es klingt wie ein Märchen aus 1000 und einer Nacht. Während sich Tesla mit dem Batterie-elektrischen Auto abmüht, Toyota in Hybride und Brennstoffzellenautos investiert, wollten die deutschen Autobauer mit dem „Clean-Diesel“ in die Zukunft. Denn, so die Behauptung, der Diesel-Pkw sei CO2-Musterknabe. Power-To-Liquid, also die Gewinnung von Diesel aus grünem Strom und Palmenölplantagen wurden angedacht, um gar die völlige Klimaneutralität nachzuweisen. Wozu Elektroautos, wozu Brennstoffzellen, wenn mit dem Diesel die CO2-Ziele der Autoindustrie lösbar sind?

Zu dumm, dass die US-Umweltbehörden gezeigt haben, dass Clean-Diesel eine Mogelpackung ist und das gleich aus mehreren Gründen. Erstens, die schlechten Stickoxid-Werte im Fahrbetrieb. Die Flotte der neuen Euro 6 Diesel stößt im normalen Fahrbetrieb gut fünfmal so viel Stickoxid aus, wie erlaubt. Erst vor kurzen haben dies auch umfangreiche Tests des Umweltbundesamtes bestätigt.

Zweitens, der schöngerechnete Treibstoffverbrauch. Will man etwa den Stickoxid-Ausstoß auf das gesetzliche Maß reduzieren, steigt der Treibstoffverbrauch. Die Katze beißt sich in den Schwanz. Dabei ist der Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoß in der Realität – und eben nicht mit den schönen Labortests - gut 40 Prozent höher.

Das schwergewichtigste Argument fiel allerdings bei allen Diskussionen um den Diesel unter den Tisch. Bei seiner Energieerzeugung – und unsere Autos werden durch Energie angetrieben und nicht durch Benzin, Diesel oder Alkohol – fallen beim Verbrennungsprozess beim Diesel pro erzeugter Energieeinheit mehr CO2-Emissionen an, als etwa beim Benzin. Ein Liter Dieselkraftstoff produziert bei seiner Verbrennung 2,64 kg CO2. Beim klassischen Benzin sind dies pro Liter nur 2,33 kg CO2, also pro Liter 13 Prozent weniger.

Gleichzeitig besitzt Diesel mit 9,905 kWh pro Liter einen 9,9 Prozent höheren Energieinhalt als der Liter Benzin. Fazit: Pro Energieeinheit (kWh) werden beim Diesel 0,27 kg CO2 produziert und bei Benzin lediglich 0,26 kg CO2. Also setzt der Dieselkraftstoff pro eingesetzter Energieeinheit mehr CO2 frei, als Ottokraftstoff. Der klimafreundliche Diesel ist ein Mythos.

Die Gewinner und Verlierer am deutschen Automarkt
Verlierer: Volkswagen
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Der Marktführer zeigt auf seinem Heimatmarkt ungewohnte Schwächen. In den ersten drei Monaten sank der VW-Absatz in Deutschland um 4,3 Prozent – und das in einem wachsenden Markt. Mit 18,4 Prozent oder rund verkauften 155.000 Fahrzeugen beherrschen die Wolfsburger weiter den Markt, büßen aber Anteile ein.

Verlierer: Audi
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Auch die Premiummarke aus dem VW-Konzern hat ein Problem. In den ersten drei Monaten hat sie weniger Fahrzeuge verkauft als Konkurrent Mercedes. Insgesamt wuchs der Absatz um 0,3 Prozent auf rund 75.000 Fahrzeuge und damit deutlich schwächer als der Markt. Hat weiter schwelende Dieselskandal das Vertrauen der Deutschen erschüttert?

Verlierer: Smart
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Die Neuauflage des kleinen Stadtflitzers ist noch gar nicht so alt. Doch das Kaufinteresse der Deutschen hat schon spürbar nachgelassen. Nicht nur das Auto, auch der Absatz ist mittlerweile mickrig. Im ersten Quartal sank der er um 1,9 Prozent auf rund 7.800 Fahrzeuge.

Verlierer: Honda
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Die Japaner waren in Deutschland schon immer etwas schwächer als in anderen Weltregionen. Doch das erste Halbjahr war eines zum Vergessen. Um satte 25 Prozent schmierte der Honda-Absatz ab. In den ersten drei Monaten verkauften die Japaner damit rund 6.400 Fahrzeuge, was einem Marktanteil von 0,8 Prozent entspricht.

Verlierer: Nissan
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Weil Bestseller vor einer Neuauflage stehen, ist den Japanern ihr Wachstum in den ersten drei Monaten abhandengekommen. Zwar legte der Absatz immer noch um 2,1 Prozent auf 19.800 Fahrzeuge zu. Doch damit ist Nissan deutlich schlechter als der Markt und verliert Anteile.

Gewinner: Mercedes
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Der Stern glänzt wieder – auch in Deutschland. Mit rund 77.300 verkauften Fahrzeugen sind die Schwaben nicht nur der führende Premiumhersteller im Heimatmarkt, sondern konnten den Absatz um 9,2 Prozent steigern. Das reicht, um an Audi vorbeizuziehen.

Gewinner: Renault/Dacia
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Das französisch-rumänische Duo legt im Volumenmarkt Tempo vor. Renault verbucht ein Plus von 28,8 Prozent auf fast 32.000 verkaufte Fahrzeuge. Dacia legt um 35,2 Prozent auf rund 14.000 Fahrzeuge zu. Gemeinsam ziehen die beiden damit sogar wieder an VW-Tochter Skoda vorbei und sind damit der größte Importeur in Deutschland.

Und dieser Mythos wird gepflegt und steuerlich „subventioniert“, da Diesel in Deutschland mit 18 Cent weniger Energiesteuer pro Liter belastet wird als Benzin. Kein Mensch käme auf die Idee, ein Liter Schnaps mit dem gleichen Steuersatz wie ein Liter Bier zu besteuern. Der Alkoholgehalt macht den Steuerunterschied aus, nicht das willkürliche Volumenmaß Liter. Wenn in einem Liter Dieselkraftstoff also mehr Kohlenstoff enthalten ist, der bei seiner Verbrennung mit Luftsauerstoff zu CO2 in die Umwelt gepustet wird, ist Diesel eben weniger klimafreundlich als Ottokraftstoff.

Es gibt zu viele Mythen um den Diesel. Er ist eben weniger klimafreundlich als gedacht, ganz abgesehen von seiner vollständigen Umweltbilanz. Wenn jetzt aus blinder Wahltaktik vom bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer vorgeschlagen wird, zusätzlich noch eine Dieselprämie einzuführen, schlägt das jedem Fass den Boden aus. Wir lassen uns den Mythos um den klimafreundlichen Diesel pro Jahr sieben Milliarden Steuereinnahmen kosten – plus die Gesundheitsgefahren durch hohe Stickdioxidbelastungen in unseren Großstädten. Zwar wird mit der Kfz-Steuer leicht gegengesteuert, aber auch das ist willkürlich. Es ist Zeit, den Mythos um den Diesel zu beenden.

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1 Kommentar zu "Gastbeitrag von Ferdinand Dudenhöffer: Der Mythos vom klimafreundlichen Diesel"

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  • Danke, Herr Dudenhöffer! Im Allgemeinen schätze ich die Beiträge auf dieser Seite nicht besonders, aber Ihr Beitrag ist ein Lichtblick!
    Der Diesel gehört für den Individualverkehr abgeschafft und nicht noch steuerlich gefördert! Das sage ich schon seit den 80er Jahren.
    Unerträglich, wie einige stolze Dieselfahrer (insb. Grüne) immer wieder daraufhinwiesen, im "umweltfreundlicheren" Fahrzeug zu sitzen. Ich würde allen von ihnen den kompletten Wertverlust ihrer Dreckswagen wünschen.

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