Gastbeitrag
Vorsicht Propaganda - was uns Fonds einflüstern

Immer noch können deutsche Banken Auflagen der BaFin umgehen und überhöhte Fondsgebühren kassieren. Dem muss das Europaparlament am Mittwoch einen Riegel vorschieben – und den Widerstand aus CDU und FDP brechen.
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Deutschlands Fondsindustrie hat in den letzten Jahren eine neue Einnahmequelle entdeckt: Performance Fees – erfolgsabhängige Gebühren. An sich eine lobenswerte Innovation. Institutionelle Investoren haben diese mit ihrer Einkaufsmacht schon seit langer Zeit für sich durchgesetzt. Allerdings als Ersatz für zu hohe Fixkosten und nicht als Belohnung für kurzfristige Pseudoperformance wie dies im Publikumsbereich üblich ist.

Performance Fees sind ausgesprochen lukrativ für die Anbieter von Publikumsfonds. Studien von Stiftung Warentest sowie jüngst von der Rating Agentur Scope haben gezeigt, dass erfolgsabhängige Gebühren keineswegs zu höherem Erfolg führen. Im Gegenteil: Die Performance Fees belasten den Kunden massiv. Bei weltweit investierenden Aktienfonds zum Beispiel wurde laut Scope über die drei Jahre von 2009 bis 2011 im Durchschnitt 2,15 Prozent Performance Fee zusätzlich zu den fixen Verwaltungsgebühren aufgeschlagen. Das heißt, Kunden haben in diesem Zeitraum fast vier Prozent Gebühren pro Jahr an die Gesellschaften gezahlt!

Es ist bemerkenswert, wie ein Oligopol von vier großen Anbietern - Deutsche Bank, Commerzbank/Allianz, Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken - neue Gebühren erfindet und am Markt durchzusetzt, die komplett zu Lasten der Kunden gehen und pro Jahr mehrere Hundert Millionen Euro zusätzliche Gewinne in ihre Kassen spülen, ohne mit dem Kartellrecht in Konflikt zu kommen.

Seit dem 1. Juli 2013 müssen Fondsgesellschaften ihre Gebührenstruktur von der BaFin genehmigen lassen. Dies wird einigen Wildwuchs eindämmen. Insbesondere wurde ein erster Schritt in Richtung Anleger gemacht, indem ein Performance Gedächtnis eingeführt wurde. Wenn ein Fonds eine Underperformance erwirtschaftet hat, darf der Fonds so lange keine Performance Fee bezahlen, bis die Underperformance aufgeholt wurde. Diese Regel gilt für fünf Jahre, danach wird das Gedächtnis gelöscht.

Diese Regelung ist zwar besser als die momentane Praxis aber sie springt immer noch zu kurz. Zum einen kann ein Fonds, der über eine Anlageperiode von fünf bis sieben Jahren eine extrem schlechte Performance hat immer noch , eine hohe Performance Fee kassieren, wenn er z.B. durch eine besonders riskante Anlagestrategie ein glückliches Jahr hatte. Außerdem können die deutschen Anbieter problemlos in Zukunft ihre Luxemburger Fonds vertreiben. Der Kunde kauft z.B. bei seiner örtlichen Sparkasse einen Fonds mit Sparkassen Logo, der über eine Luxemburger Holding in deutsche Aktien investiert. Kein Kunde wird verstehen, dass dieser deka Fonds nicht von der BaFin reguliert ist.

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Kommentare zu " Gastbeitrag: Vorsicht Propaganda - was uns Fonds einflüstern"

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  • Wenn dieser Mann wirklich besorgt um das ersparte Vermögen der Bürger wäre, würde er wohl als erstes seinen Kanzlerkandidaten zurück pfeifen und die Grünen Steuerpläne einkassieren.
    Aber so ist der Artikel ein weiterer Beleg für die bigotte Verlogenheit von Person und Partei!

  • Bei den Banken habe ich keine Angst vor Überregulierung.
    Die Bankenlobby hat bis jetzt immer verstanden die Politik passend zu beeinflussen. Selbst in Krisenzeiten und auch wenn noch so großer Mist gebaut wurde.
    Ausserdem ist da ja auch noch der Hosenanzug vor.

    Schönen Tag noch.

  • Jau!
    Alles regulieren. Total. Genau und detailliert.
    Bitte auch noch regulieren, wer in welchen Fonds wieviel einzahlen darf und muss.
    Markt findet in Grünland noch nicht mal mehr auf dem Wochenmarkt statt - auch da ist schon alles reguliert.
    Was der Politiker selbst nicht versteht - das reguliert er.
    Kein Wunder gibt es so viele Regularien.
    Man möchte gerne so viel essen und trinken können, wie man ... möchte. Geht aber nicht. Müsste man vielleicht regulieren?

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