Gastbeitrag
Was Europa aus der Krise lernen kann - und muss

Wollen wir die Akzeptanz für Europa erhöhen, müssen wir die bisherige Kompetenzverteilung kritisch hinterfragen. Die Euro-Krise weist den Weg, an welchen Stellen es mehr und an welchen es weniger Europa braucht.
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Europa scheint weit weg, auch wenn es eigentlich ganz nah ist. Bei einer Abendveranstaltung in Nordrhein-Westfalen fragte einer der Zuhörer einen Europaabgeordneten, woher er denn angereist sei, der Weg aus Brüssel sei ja schließlich sehr weit. Auf die Antwort, dass der Abgeordnete vorher einen Termin in Berlin wahrgenommen hätte, kam die Erwiderung: „Ach, dann hatten Sie es ja heute nicht so weit.“ Gefühlt sind knapp zwei Stunden im ICE von Brüssel nach Köln also länger als die knapp fünf Stunden im ICE von Berlin.

Oft wird nicht wahrgenommen, dass die Europäische Union bereits heute in vielen Bereichen in der Realität mehr Einfluss hat, als der Deutsche Bundestag. Auch wenn es manchem nationalen Abgeordneten nicht schmeckt: In Berlin wird häufig nur noch über die Ausgestaltung einer Vorlage aus Brüssel diskutiert. Bei der Umsetzung wird leider vielfach nicht der schlankeste Weg gewählt, sondern nur noch Extra-Bürokratie oben drauf gepackt .
Gleichzeitig sind wir uns aber einig: Wenn wir als Europäer mit den USA, China, Indien und dem aufstrebenden Pazifik-Raum mithalten wollen, werden wir dies nur gemeinsam können. Selbst Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas ist winzig verglichen mit Indonesien oder gar China. Ein gemeinsames Wir-Gefühl als Europäer muss dabei langsam entstehen.

Trifft man auf einem anderen Kontinent auf andere Europäer, wird ein solches Wir-Gefühl schon heute spürbar. Um diese europäische Identifikation zu stärken, brauchen wir ein Ziel, wohin uns unser europäischer Weg führen soll. Wir sollten gerade in der Krise nicht einfach immer weiter in Richtung eines unentdeckten Punktes stolpern, wie es leider auch meine Partei teilweise tut. Sinn der Diskussion um die Zukunft unseres Europas kann es nicht sein, ausschließlich einen Masterplan für die akuten Probleme der Gegenwart zu entwickeln. Die Debatte ist genauso wenig eine Blaupause für die nächsten zehn Jahre. Das Ziel eines Europäischen Bundesstaats ist für junge Liberale in Europa vielmehr eine Triebfeder für die nächsten fünfzig Jahre. Denn Europa ist für die heranwachsende Generation die gern gelebte Realität und die Fortentwicklung unseres gemeinsamen Europäischen Traums.

Ich möchte irgendwann in fünfzig Jahren sagen können, dass es der Traum föderalen Europas war, der den Weg aus der Krise der Schuldenberge heraus eröffnet hat und gemeinsam für anhaltenden Wohlstand in Europa gesorgt hat. Der Traum Europas, der dafür gesorgt hat, dass man vom Bosporus bis zur Meerenge von Gibraltar reisen kann, ohne einen Pass zu benötigen. Dazu gehört aber auch der Mut, im Rahmen einer subsidiären Ordnung manche Kompetenzen, wie die gemeinsame Agrarpolitik, wieder zurück auf die nationale oder regionale Ebene zu übertragen. Es ist eben nicht die Aufgabe von Politik und schon gar nicht die zentrale Frage Europas zu klären, wie bissfest eine Karotte oder wie gelb eine Ananas zu sein hat.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Was Europa aus der Krise lernen kann - und muss"

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  • Das Problem dieser "Jungpolitiker" ist doch, dass sie in den Schulen schon auf links gedreht werden.
    Also mit liberal oder christlich-demokratisch ist da eben nichts mehr
    Stramm links, multikulti auch zum Nachteil des eigenen Landes, z. T. antideutsch, daher ja auch der Wahn Deutschland zu opfern für einen sozialistischen Zentralstaat Europa
    Dann kommt hinzu, dass wir mehr und mehr "Politiker" bekommen im Bundestag, die nie einer Arbeit nachgegangen sind, somit keinerlei Lebenserfahrung haben, denn sie sind ja völlig fern vom wahren Leben
    Sie betrachten den Bundestag in ihrem jungen Alter als den "Job" wo man am besten verdient. Denn welcher junge Mensch auch mit bestem Studium verdient 14.000 € im Monat.
    Und genau dies muß wieder abgeschafft werden
    Wir brauchen wieder Politiker mit Verstand, mit Sachwissen und Lebenserfahrung.
    Denn genau durch diese Berufspolitikr die wir heute haben, läuft ja so vieles schief.
    So ein Lasse Becker, wenn er denn jetzt in den Bundestag kommt, hat ausgesorgt bis sich der Sargdeckel schließt mit fetter Pension für die er nie einen Cent eingezahlt hat. Vom Studium weg ein Kosten auf Steuerzahler-Kosten, Rösler ist das beste Beispiel
    Es wird Zeit, dass diese Kerle mal selber darüber nachdeken, wie unanständig das ist dem normalen Bürger gegenüber

  • Das war Helmut Schmidt

  • netshadow
    ja leider werden solche grünen Jungs in 10 Jahren sagen wo es lang geht. Wie ja jetzt auch schon. Und genau da liegt das Problem. Diese Leute haben zwar ein Studium abgeschlossen, das ist gut, aber welche Erfahrung haben sie denn nun schon gesammelt?
    Ein Studium ist dazu da mir theoretisches Wissen zu vermitteln, im Beruf muß ich das umsetzen und mir prakt. Erfahrung aneignen.
    Aber unsre Politikr sind mittlerweile alle berufslos. Sie haben noch nicht einen einzigen Tag gearbeitet.
    Ich empfinde es mittlerweile als Frechheit wenn solche Typen meinen, sie müßten uns sagen wie das Leben ist.
    Die sollen alle erst einmal arbeiten gehen und dann könenn wir in 10 Jahren mal reden
    Diese Unsitte vom Hörsaal in den Plenarsaal muß wieder aufhören

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