Gastbeitrag

Was Europa aus der Krise lernen kann - und muss

Wollen wir die Akzeptanz für Europa erhöhen, müssen wir die bisherige Kompetenzverteilung kritisch hinterfragen. Die Euro-Krise weist den Weg, an welchen Stellen es mehr und an welchen es weniger Europa braucht.
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Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker. Quelle: picture alliance/dpa

Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker.

(Foto: picture alliance/dpa)

Europa scheint weit weg, auch wenn es eigentlich ganz nah ist. Bei einer Abendveranstaltung in Nordrhein-Westfalen fragte einer der Zuhörer einen Europaabgeordneten, woher er denn angereist sei, der Weg aus Brüssel sei ja schließlich sehr weit. Auf die Antwort, dass der Abgeordnete vorher einen Termin in Berlin wahrgenommen hätte, kam die Erwiderung: „Ach, dann hatten Sie es ja heute nicht so weit.“ Gefühlt sind knapp zwei Stunden im ICE von Brüssel nach Köln also länger als die knapp fünf Stunden im ICE von Berlin.

Oft wird nicht wahrgenommen, dass die Europäische Union bereits heute in vielen Bereichen in der Realität mehr Einfluss hat, als der Deutsche Bundestag. Auch wenn es manchem nationalen Abgeordneten nicht schmeckt: In Berlin wird häufig nur noch über die Ausgestaltung einer Vorlage aus Brüssel diskutiert. Bei der Umsetzung wird leider vielfach nicht der schlankeste Weg gewählt, sondern nur noch Extra-Bürokratie oben drauf gepackt .
Gleichzeitig sind wir uns aber einig: Wenn wir als Europäer mit den USA, China, Indien und dem aufstrebenden Pazifik-Raum mithalten wollen, werden wir dies nur gemeinsam können. Selbst Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas ist winzig verglichen mit Indonesien oder gar China. Ein gemeinsames Wir-Gefühl als Europäer muss dabei langsam entstehen.

Trifft man auf einem anderen Kontinent auf andere Europäer, wird ein solches Wir-Gefühl schon heute spürbar. Um diese europäische Identifikation zu stärken, brauchen wir ein Ziel, wohin uns unser europäischer Weg führen soll. Wir sollten gerade in der Krise nicht einfach immer weiter in Richtung eines unentdeckten Punktes stolpern, wie es leider auch meine Partei teilweise tut. Sinn der Diskussion um die Zukunft unseres Europas kann es nicht sein, ausschließlich einen Masterplan für die akuten Probleme der Gegenwart zu entwickeln. Die Debatte ist genauso wenig eine Blaupause für die nächsten zehn Jahre. Das Ziel eines Europäischen Bundesstaats ist für junge Liberale in Europa vielmehr eine Triebfeder für die nächsten fünfzig Jahre. Denn Europa ist für die heranwachsende Generation die gern gelebte Realität und die Fortentwicklung unseres gemeinsamen Europäischen Traums.

Ich möchte irgendwann in fünfzig Jahren sagen können, dass es der Traum föderalen Europas war, der den Weg aus der Krise der Schuldenberge heraus eröffnet hat und gemeinsam für anhaltenden Wohlstand in Europa gesorgt hat. Der Traum Europas, der dafür gesorgt hat, dass man vom Bosporus bis zur Meerenge von Gibraltar reisen kann, ohne einen Pass zu benötigen. Dazu gehört aber auch der Mut, im Rahmen einer subsidiären Ordnung manche Kompetenzen, wie die gemeinsame Agrarpolitik, wieder zurück auf die nationale oder regionale Ebene zu übertragen. Es ist eben nicht die Aufgabe von Politik und schon gar nicht die zentrale Frage Europas zu klären, wie bissfest eine Karotte oder wie gelb eine Ananas zu sein hat.

Voraussetzungen für ein Europäisches "Wir"
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40 Kommentare zu "Gastbeitrag: Was Europa aus der Krise lernen kann - und muss"

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  • Das Problem dieser "Jungpolitiker" ist doch, dass sie in den Schulen schon auf links gedreht werden.
    Also mit liberal oder christlich-demokratisch ist da eben nichts mehr
    Stramm links, multikulti auch zum Nachteil des eigenen Landes, z. T. antideutsch, daher ja auch der Wahn Deutschland zu opfern für einen sozialistischen Zentralstaat Europa
    Dann kommt hinzu, dass wir mehr und mehr "Politiker" bekommen im Bundestag, die nie einer Arbeit nachgegangen sind, somit keinerlei Lebenserfahrung haben, denn sie sind ja völlig fern vom wahren Leben
    Sie betrachten den Bundestag in ihrem jungen Alter als den "Job" wo man am besten verdient. Denn welcher junge Mensch auch mit bestem Studium verdient 14.000 € im Monat.
    Und genau dies muß wieder abgeschafft werden
    Wir brauchen wieder Politiker mit Verstand, mit Sachwissen und Lebenserfahrung.
    Denn genau durch diese Berufspolitikr die wir heute haben, läuft ja so vieles schief.
    So ein Lasse Becker, wenn er denn jetzt in den Bundestag kommt, hat ausgesorgt bis sich der Sargdeckel schließt mit fetter Pension für die er nie einen Cent eingezahlt hat. Vom Studium weg ein Kosten auf Steuerzahler-Kosten, Rösler ist das beste Beispiel
    Es wird Zeit, dass diese Kerle mal selber darüber nachdeken, wie unanständig das ist dem normalen Bürger gegenüber

  • Das war Helmut Schmidt

  • netshadow
    ja leider werden solche grünen Jungs in 10 Jahren sagen wo es lang geht. Wie ja jetzt auch schon. Und genau da liegt das Problem. Diese Leute haben zwar ein Studium abgeschlossen, das ist gut, aber welche Erfahrung haben sie denn nun schon gesammelt?
    Ein Studium ist dazu da mir theoretisches Wissen zu vermitteln, im Beruf muß ich das umsetzen und mir prakt. Erfahrung aneignen.
    Aber unsre Politikr sind mittlerweile alle berufslos. Sie haben noch nicht einen einzigen Tag gearbeitet.
    Ich empfinde es mittlerweile als Frechheit wenn solche Typen meinen, sie müßten uns sagen wie das Leben ist.
    Die sollen alle erst einmal arbeiten gehen und dann könenn wir in 10 Jahren mal reden
    Diese Unsitte vom Hörsaal in den Plenarsaal muß wieder aufhören

  • Die Wahrheit ist doch, dass die Menschen in Deutschland zu 3/4 sich nicht in erster Linie als Europäer fühlen und das
    von liberalen Minderheiten gewünschte Einheitseuropa ablehnen. Die letzten Krisen haben dieses Gefühl noch verstärkt. Auch ist unklar, warum Deutschland sich nicht allein in der Welt behaupten können sollte. Bevölkerungsmäßig viel kleinere Nationen wie Australien,Kanada oder gar die Schweiz schaffen das ja auch. Herr Becker wird es nicht gerne hören: Aber die grosse Mehrheit der Deutschen, mich eingeschlossen, will seine Form von Europa nicht. Auch nicht in 50 Jahren.

  • Alle Kritiker dieses Artikels setzen voraus, dass eine vernünftige Lösung der Probleme ausgeschlossen sei. Dabei ist genau dieser zynisch enttäuschte Idealismus die Ursache für das aktuelle Scheitern Europas.
    Europa ist doch nur ein Verwaltungsmoloch und eine blutsaugende freiheitsraubende Veranstaltung, weil gerade wir Deutschen das so wollten.
    Zuviele faule Komprommisse, die Vorteilsnahme und eigene Bequemlichkeiten schützen sind Grundlage dieses Bildes.
    Glaubt jemand im Ernst, das würde ohne EU als Sündenbock besser?
    Der Irrtum hierzulande scheint darauf zu beruhen, dass wir die Schuldigen vor allem in den Defiziten der anderen Staaten verorten, doch ist das wirklich realistisch?

    Nicht die Vision Beckers ist naiv, sondern eben jene Haltung, die sich enttäuscht dem Ideal abwendet, weil das Alltagsgeschäft dzu zwingt sich die Hände schmtzig zu machen.
    Solange in Deutschland das Bewusstsein fehlt, dass auch illegitime Interessen nicht einfach durch Kategorisierung in falsch oder richtig begegnet werden kann, solange sind wir zu dämlich um ein wirklich großes Ziel erreichen zu können.
    Mit Scheckbüchern, wie in der Vergangenheit beseitigt man keine strukturellen Probleme, das schaffen wir ja nicht mal im eigenen Land.
    Wer das Bessere will, muss denjenigen, die vom Schlechteren abhängen, in Verantwortung oder als Abhängige, eine Perspektive anbieten. Kein Mafiachef gibt seinen Posten auf, weil es so moralisch oder richtig wäre, ebenso wenig wie korrupte Beamte oder Regierungen.
    Und mit Kriminalisierung ändert man schon gar nichts, wenn den Betroffenen keine Alternative bleibt, die halbwegs ihren Status sichert.
    All das wird bei den Vorwürfen gegenüber den Süstaaten völlig ausgeklammert. Dabei erweist sich doch immer mehr, das es bei uns gar nicht wirklich anders läuft. Wir haben nur das Glück, das unsere Vorgängergeneration ausnahmsweise mal was richtig gemacht hat, davon zehren wir immer noch.

    H.

  • Volkswirtschaft ist nicht gleich nur BIP, sondern ein Parameter. Wenn ein Land 3 mal soviele Einwohner hat, ist das momentane BIP zwar richtig als Aussage an sich, kann sich aber eben sehr schnell verdreifachen. Der junge Mann redet von der Zukunft.

  • "vor alem wie sagte da damals Strauß wer visionen hatte sollte zum artz gehn..."
    Freiheit statt Sozialismus :)
    Übersetzt: Laß mich in Ruhe meine Millionen verschieben.

    Visionen != (nicht gleich) Halluzinationen

  • vor alem wie sagte da damals Strauß wer visionen hatte sollte zum artz gehn...

  • die nächste reihe der Sessel kleber rückt an...

    nennt sich liberal aber steht auf ESM..

    was für ein trauerspiel

  • Aussage Becker: "Selbst Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas ist winzig verglichen mit Indonesien oder gar China"
    Deutschland hatte 2011 ein BIP von ca. 3,6 Billionen US$ Indonesien 845 Mrd. US$.

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