Gastbeitrag
Wie Notenbanken eine Währungskrise provozieren

Wirtschaftliche Probleme mit der Notenpresse zu lösen, ist genauso falsch, wie pleitebedrohte Staaten auf diese Weise zu retten. Weltweite Turbulenzen könnten die Folge sein, warnt der Degussa-Chefökonom.
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Nach Jahren der „Krise“ stellen nun viele Forschungsinstitute und Ökonomen eine Besserung der weltweiten Wirtschaftsaktivität in Aussicht. Diese Einschätzung scheint untermauert zu werden von stark steigenden Aktienkursen und deutlich sinkenden Risikoprämien in den Zinsen, welche Staats- und Bankschuldner zahlen müssen, die kürzlich noch als wenig solide angesehen wurden. Doch all das sollte mit Vorsicht interpretiert werden. Denn bekanntlich verspricht nicht jedes Licht am Ende des Tunnels etwas Gutes – das Licht, das sich am Ende des Tunnels zeigt, kann schließlich auch von einem entgegenkommenden Zug stammen.

Und in der Tat spricht einiges dafür, dass die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise, die seit Mitte 2007 die Welt in Atem hält, noch nicht überwunden ist. Vielmehr scheint sich die Krise, die anfänglich eine „Kreditkrise“ war, nun in eine „Währungskrise“ zu wandeln.

Im Zuge der amerikanischen „Subprime-Krise“ zweifelten Investoren daran, dass Banken – und nachfolgend vor allem auch Staaten – ihren Zahlungsverbindlichkeiten nachkommen könnten. Die Kreditzinsen zogen daraufhin drastisch an.

Viele Banken- und Staatsdauerschuldner waren darauf nicht eingestellt. Entweder waren sie nicht in der Lage oder zuweilen auch nicht willens, dauerhaft höhere Zinsen für ihre Schulden zu bezahlen, geschweige denn mit der Rückzahlung ihrer Schulden zu beginnen.

Für viele Banken blieb der Kreditmarkt ganz und gar verschlossen, sie hätten weder fällige Verbindlichkeiten bedienen noch neue Kredite aufnehmen können. Besonders prekär entwickelte sich die Kreditkrise im Euroraum der 17 Nationalstaaten.

Im Versuch, die Kreditkrise zu entschärfen, sprangen die strauchelnden Staaten ihren Geldhäusern bei – mit der Folge, dass nun die Staaten in das Fadenkreuz skeptischer Investoren gerieten. Und das zu Recht: Schließlich überstiegen die Garantien, die die Regierungen für Banken aussprachen, die Leistungsfähigkeit der Staatsfinanzen beziehungsweise die Steuerkraft ihrer Bürger.

Man bedenke nur einmal, dass die Bilanz des Euro-Bankenapparates sich auf 33.344 Milliarden Euro beläuft (bei einem Eigenkapital von nur 2.336 Milliarden Euro), das entspricht etwa 356 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Währungsraum der 17 Staaten! Zum Vergleich: Die Bankbilanz in den Vereinigten Staaten von Amerika beläuft sich lediglich auf 81 Prozent des BIP, in Japan auf „nur“ 182 des BIP.

Es kam, wie es kommen musste: Die immensen Zahlungsausfallrisiken der Euro-Banken weckten Zweifel an der Rückzahlbarkeit vieler Staatsschulden. Man versuchte dem heraufziehenden Debakel Herr zu werden, indem eine Haftungsgemeinschaft ins Leben gerufen wurde – die heute den Namen „Europäischer Stabilitätsmechanismus“ (ESM)“ trägt: Staaten, die finanziell noch relativ gut dastehen, sollen jetzt die Zahlungsverpflichtungen von anderen Ländern und deren Banken absichern, die missgewirtschaftet und sich finanziell übernommen haben.

Doch auch diese Strategie hätte wohl ihr Ziel verfehlt, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, hätte die Europäische Zentralbank (EZB) nicht eingegriffen.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Wie Notenbanken eine Währungskrise provozieren"

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  • 19.2.13 Wahrhaftig, Notenbanken können eine Währungskrise provozieren. Wenn eine Währung, wie der Euro zu stark, sprich zu teuer wird, verzerrt dessen Aufwertung den Wettbewerb im globalen Warenhandel. Das Gleichgewicht im Handel zwischen zwei verschiedenen Währungsgebieten gerät in Unordnung, wenn die Waren in einem der beiden Währungsgebiete über die Politik künstlich verteuert werden. Raubeinkapitalismus pur. Die Güter in Ländern wie Deutschland oder in den südeuropäischen Olivenländern, die mit dem aufgewerteten Euro plötzlich teurer bezahlt werden müssen, geraten preislich in Nachteil. So kann ein künstlich zu stark gehaltener Euro den Menschen im eigenen Währungsgebiet schaden. So stellt sich die Eurokrise einmal aus einer anderen Sicht, denn nicht nur ein zu schwacher, sondern auch ein zu starker Euro kann eine Krise auslösen, wenn sich das Gleichgewicht destabilisiert. Wir haben es derzeit mit einem Währungskrieg zu tun, in dem sich jene Länder künstlich Vorteile verschaffen, die ihre Notenpresse trotz der inflationären Gefahren stärker in Gang halten, als andere. Allen voran Japan und die USA. Kann ein Währungsgebiet wie Euroland, in dem mit dem teurer gewordenen Euro bezahlt werden muss, aufgrund seiner starken Währung preislich mit den Mitbewerbern anderer Währungen nicht mehr mithalten, droht wirtschaftlicher Niedergang. Wir haben es derzeit mit einer Art Krieg zu tun, der auf dem Schlachtfeld der Währungen ausgetragen wird und in der Folge die Wirtschaft der betroffenen Länder tangiert. So könnten zusätzlich zur vorherrschenden Arbeitslosigkeit in einigen südeuropäischen Ländern, aber auch im Herzen Europas, viele tausend Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, wenn der Abwertungskrieg fortgesetzt wird. Erste Entlassungswellen schwappen bereits über die EU. Die Gewinner einer Abwertungsschlacht sind Japan und die USA.Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

  • Herr Prof. Dr. Polleit

    Wenn Schiffe derart in Seenot sind- Stichwort "Finanzielle Regression, Stichwort "Stagnation"- erwarte ich Ihnen die möglichst deutliche und differenzierte Analyse:

    Es sind die strauchelnden Staaten, die aus inflationsgründen das Geld zu vernichten haben, nicht die EZB.
    Dass Rohstoffe die Währungen beeinflussen und damit indiekt die Schiffe in weitere Seenot bringen können, wissen Sie.

    Dass die Größe des Bankensektors anhand der Summe aller Aktiva im Vergleich zum GDP sehr sehr unterschiedlich ist, wissen Sie auch.

  • @ Dr.NorbertLeineweber - ich bin Ihrem Rat gefolgt und habe mir den Artikel von Torsten Polleit vom 25.4.2012 angesehen. Die Aussagen der beiden Artikel entsprechen sich. Nebenbei bemerkt wurde der damalige Artikel von 45 Lesern mit der Bestnote bewertet. Keine einzige Bewertung war unter der Bestnote! Als ich meine Bewertung im Handelsblatt abgab, waren es erst 10 Stimmen, aber wiederum alle fuer die Bestnote. Es gibt sehr, sehr wenige Autoren die das schaffen!

    Hier der Link:
    http://www.wiwo.de/politik/europa/thorsten-polleit-papiergeldstandard-der-vergangenheit/6527774-2.html

    @ Torsten Polleit: Hervorragend! Glueckwunsch!

    Ich wuerde es aber begruessen, wenn jemand den scheinbaren Widerspruch zwischen wenig steigender Geldmenge und stark steigender Zentralbankgeldmenge erklaeren wuerde. Ueber welche Transmissionsmechanismen setzt sich die steigende Zentralbankgeldmenge in die nachfragewirksame Geldmenge um?

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