Gastbeitrag: Wie Zypern wieder auf die Beine kommt

Gastbeitrag
Wie Zypern wieder auf die Beine kommt

Der Rettungsplan für Zypern löst die Überschuldungsprobleme des Inselstaats nicht, sondern verschärft die Lage eher noch. Eine allgemeine Abgabe auf sämtliche Vermögen könnte eine tragfähige Lösung sein.
  • 55

Nach einer Chaos-Woche zeichnet sich nun doch noch eine halbwegs geordnete Lösung der Zypern-Krise ab. Dass die Überschuldungsprobleme eines Landes mit der Einwohnerzahl einer kleineren europäischen Großstadt die internationalen Finanzmärkte beunruhigt und tagelang die Agenda der Europapolitik beherrscht, macht die Abnutzungserscheinungen der Eurokrise deutlich. Die mitunter operettenhaften Zuspitzungen der Akteure tun ein Übriges dazu.

Da schimpfen zyprische Politiker über die „neoliberalen“ Anmaßungen der Deutschen, die das blühende Geschäftsmodell mit den Wohlhabenden der Welt kaputt machen wollten. Die einflussreiche orthodoxe Kirche bietet dem Staat ihr Vermögen an. In der Not sollten sogar die Rentenkassen geplündert werden. Und die Machthaber im Kreml erlebten dieser Tage wohl ein inneres Fest, als das EU- und Eurozonenland Zypern kurzfristig um Milliarden für die Bankenrettung bettelte.

Die Zyprer haben sich beim Poker um das Hilfspaket schwer verzockt. Russland wollte nicht den weißen Ritter spielen und zeigte die kalte Schulter. Die Finanzmärkte blieben gelassen. Die Systemrelevanz für die Finanzmarktstabilität ist nicht groß. Anders als in Irland sind die Banken in Zypern nur wenig mit ausländischen Banken verflochten. Allenfalls drohen gewisse Ansteckungswirkungen in den südeuropäischen Krisenländern.

Dass die Troika vorletztes Wochenende eine Zwangsabgabe auf Spareinlagen ab dem ersten Euro mitgetragen hat, war natürlich ein schwerer Fehler. Das löste europaweite Verunsicherung aus und hat die trotzige Ablehnung des Hilfspakets im zyprischen Parlament heraufbeschworen.

Aber die Schieflagen in den aufgeblähten Bankbilanzen sind für das kleine Land viel zu groß. Schon die zugesagten 10 Milliarden Euro Hilfskredite treiben die zyprischen Staatsschulden um 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach oben. Und das bei einer schon bestehenden Maastricht-Staatschuldenquote von 90 Prozent und einem laufenden Defizit von 6 Prozent.

Der in der letzten Woche hastig zusammenschusterte Plan B der Zyprer war wenig über-zeugend. Der Griff in die Pensionskassen oder die Mobilisierung von Staatsvermögen löst letztlich nicht die Überschuldungsprobleme, da künftige Einnahmen wegfallen oder unzumutbare soziale Härten ausgelöst werden. Der Eigenbeitrag von 5,8 Milliarden Euro macht gut 30 Prozent des zyprischen BIP aus. In Deutschland wären das 810 Milliarden Euro. Solche Summen kurzfristig mit Vermögensübertragungen, Steuererhöhungen oder Budgetkürzungen mobilisieren zu wollen ist unrealistisch.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Wie Zypern wieder auf die Beine kommt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der 'DIW-Reichtum' bezieht nicht den Millionen-Reichtum überhöhter Polit-Pensionen und betrieblicher Manager-Renten ein. Warum wohl?
    Liegt es daran: 'Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.' ? Ist diese Diskussion nicht auch von den heimlichen Reichen und linken Parteipolitikern von Trittin bis Nahles, Lafontaine und Gysi in Szene gesetzt worden ohne die eigenen, unglaublich hohen Reichtumspensionen in Frage zu stellen?
    Solange die Reichtumsdiskussion nicht die Vermogenswerte der völlig überhöhten Pensionen und Managerrenten mit einbezieht, bleibt sie unglaubwürdig UND z.B. gegenüber einem Mittelständler, dessen Rente ausschließlich kapitalbasiert und risikoreich ist und schon der aktuellen finanziellen Repression unterliegt ungerecht und völlig UNFAIR.
    Dazu siehe z.B. http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/wolfgang-clement-steuererhoehungen-sind-unnoetig/7063628.html oder
    http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/walter-direkt-die-heimlichen-reichen/7025464.html
    Im übrigen ist die Enteignung von ehrlich angeschafften Vermögenswerten kein Geschäftsmodell Herr Bach! Dies ist nur das Modell der Kommunisten. Sie nutzen jetzt das Thema 'Zypern' für Ihre billige Agitation gegenüber ehrlich angeschafften Vermögenswerten. Die wahre Ursache des deutschen Verschuldungsproblems ist ein Ausgabeproblem. Analysieren Sie das doch mal als sog. Steuerexperte!


  • Krisenfahrpläne für Banken.... Eurogruppe ?. Schreiberling, wo kommst du denn wech ?.

    Zypern kann nur Offshore, wir brauchen ein EU genehmes Geschäftsmodell, oder die Jungs fallen zurück in ihre Geschichte.

  • Nein - Ein Verzicht auf deficit spending ist bei Weitem nicht genug da Geld, sobald es von den Geschäftsbanken erschaffen wird, in unserem System Schuld ist. Es wird an Unternehmen, Privatpersonen oder auch an Staaten gegen Zinsen verliehen. ALLES Geld, selbst das Zentralbankgeld/Bargeld. Den Geldschöpfungsgewinn sowie die Zinsen auf das GEld kassieren die privaten Banken, jedenfalls zu über 90%. Das muss in der Schule endlich mal gelehrt werden: Es existiert kein Geld ohne Schulden - es ist im Augenblick der Schöfpung dasselbe, ein Tribut an das Fiatgeldsystem. Das von den Geschäftsbanken aus dem Nichts erzeugte M3 wird nur ZUM TEIL von Staaten geliehen, der mit Abstand größte Teil wird von Unternehmen oder Privatpersonen geliehen oder bleibt als Eigenhandel gleich im Besitz der privaten Banken und dient zur globalen Spekulation. Des Pudels kern ist, dass ein Schuldgeldsystem nur dann stabil bleiben könnte, wenn reales Wirtschaftswachstum, Geldmenge und Zinsen im Dreiklang stehen - sich analog entwickeln. Da aber die Geschäftsbanken im Geldschaffen de facto unkontrolliert und frei sind (die Instrumente der ZB sind de facto nicht mehr wirksam) ist diese Hoffnung illusorisch. Der einzige Weg führt über die Zurückerlangung des Rechts zur Geldmengenschöpfung an den Staat, das staatliche Geldregal, in Form eines unabhängigen Verfassungsorgans. Keine neue Idee...nur eine die der Gier der Menschen und den atemberaubenden Verdienstmöglichkeiten der Banken historisch nichts entgegenzusetzen hat. Nun zahlen wir den Preis...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%