Gastbeitrag zu Emanzipation und Rollenmustern

Gefährliche Bequemlichkeit

Immer mehr junge Frauen tendieren zu längst überholten Rollenmustern, dem alten Familienbild des Ernährers – und fallen so zurück in eine Bequemlichkeit, die bitter enden kann. Die Zukunft führt nicht ins Märchenschloss.
  • Henrike von Platen
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„Man denkt nicht gern an die Zukunft unter der Brücke, sondern lieber an die im Schloss“ – das kann böse Folgen haben, findet die Gastautorin Henrike von Platen. Quelle: obs

„Man denkt nicht gern an die Zukunft unter der Brücke, sondern lieber an die im Schloss“ – das kann böse Folgen haben, findet die Gastautorin Henrike von Platen.

(Foto: obs)

BerlinHenrike von Platen ist seit 2010 Präsidentin des Verbands der Business and Professional Women (BPW) Germany. In einem Gastbeitrag für das Businessnetzwerk Leader.In schreibt sie über die gesellschaftlichen Folgen einer Genderquote, von der Männer wie Frauen profitieren könnten. Leader.In ist eine Kooperation des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zusammen mit dem Medienpartner Handelsblatt.

Kürzlich habe ich mich in einer Runde mit Männern unterhalten, klassisch netzwerkend am Stehtisch bei Häppchen nach einer Veranstaltung. Die Atmosphäre war geprägt durch den Ort, den Minna-Cauer-Saal im Rathaus Charlottenburg, dessen Wände mit ihren Sprüchen gepflastert waren, unter anderem auch diesem: „Die kleinen Angelegenheiten, die in unserm Alltag uns umdrängen, hindern uns daran, unsern gesamten Lebensinhalt zu übersehen und zutreffende Größenurteile zu fällen.“ (Anm.d.Red.: Wilhelmine Cauer - 1841 bis 1922 - war Aktivistin im radikalen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung und Journalistin) Ich möchte mit Ihnen gemeinsam groß und weit denken.

Viele Männer und wenige Frauen sagen: Frauen kommen automatisch nach oben. Sie begründen dies mit dem Fachkräftemangel, dem demografischen Wandel und der Wahrheit, dass Mädchen die besseren Schul- und Uniabschlüsse haben und immer mehr in die bisher männerdominierten Branchen einsteigen. Den meisten Frauen allerdings und wenigen Männern genügen diese Gründe nicht. Denn sie wissen, dass das alleine nicht ausreicht. Das sind zwar immerhin gute, aber letztlich doch zu kleine Gedanken. Sie verändern das System zu langsam und werden dadurch in ihrer Funktion, als Entwicklungshelfer den gesellschaftlichen Wandel zu vollenden, immer wieder ein Stück zurückgeworfen. Sie schaffen es einfach nicht, die Generationen dauerhaft zu überspringen.

Zwar wollen junge Frauen von heute den Wandel, aber leider nicht alle... immer mehr von ihnen tendieren wieder zu den alten Rollenmustern, dem alten Familienbild des Ernährers und fallen so zurück in eine Bequemlichkeit, die nicht gut tut. Denn sie bedenken dabei überhaupt nicht, dass ihre große Liebe statistisch gesehen mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent gar nicht ewig andauern wird und sie später nicht auf die Pension oder Rente des Mannes bauen können. Und während dieser sich einer anderen zuwendet, kommt sie schlimmstenfalls alleinerziehend im Teilzeitjob gerade so über die Runden.

Das ist kein Vorwurf, es ist vielerorts eine Tatsache, die auch an dem menschlichen Verhalten, vorzugsweise das Schlechte zu vergessen, liegt. Man denkt nicht gern an die Zukunft unter der Brücke, sondern lieber an die im Schloss. Manche erreichen diese Träume auch, aber viele nicht – und diese müssen in ihren Gedanken wachgerüttelt werden.

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5 Kommentare zu "Gastbeitrag zu Emanzipation und Rollenmustern: Gefährliche Bequemlichkeit"

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  • Besserwisserei, Frau Platen, das ist es, woraus das Diktat der dominanten Männer und Frauen über die labilen Menschen gleichermaßen besteht.

    Nicht jeder Mensch ist gleichermaßen leistungsfähig wie Sie. Und das hat mit Emanzipation rein überhaupt nichts zu tun, sondern damit, dass es Menschen gibt, die dem Druck in dieser Leistungsgesellschaft einfach nicht gewachsen sind.

    Und wissen Sie was, Frau Platen? Das ist auch gut so, denn es wäre traurig, wenn eine Gesellschaft nur aus den karrierebewussten Powerfrauen und Machern bestünde.

    Gesellschaft, Frau Platen, das ist noch immer Pluralität in meinen Augen und damit Achtsamkeit in den Entwicklungsmöglichkeiten und Entwicklungsschwächen jedes Einzelnen.

    Was Sie wollen, so scheint mir, das ist der Wunsch nach dem perfekten Menschen, den es zum Glück nicht gibt.

    Es ist eine unabänderliche Tatsache, das es in unserer Gesellschaft sehr viele schwache Menschen gibt. Und es scheint in unserer Gesellschaft viele Menschen zu geben, die es einfach nicht akzeptieren und erkennen können, dass es auch schwache Frauen gibt, so wie es auch viele schwache Männer gibt.

    Mir scheint deshalb, dass Sie gegen Windmühlen kämpfen.

  • Ich weiß nicht, ob ich jetzt ich jetzt intolerant wirke. Aber, mir geht es auf den Nerf, in meinem Empfinden wollen viele Frauen die Gleichbreechtigung, wenn es ihnen Vorteile bringt. Aber wehe, man hält mal als Mann nicht die Tür auf. Es gibt nunmal Berufe, in der ich mir Frauen kaum vorstellen kann und umgekehrt z.B. Männer als Hebamme. Wenn sich Frauen in Führungspositionen etablieren wollen, so sollte dies aufgrund der fachlichen Kompetenz und Qualität erfolgen, aber nicht durch eine Quote. Da sollte man dann eher das altertümliche Denken der Vorstände versuchen aufzubrechen, denn ich bezweifle auch dass Quoten-Frauen in ihrem Beruf ernst genommen werden.

  • Solange die Quote existiert, werden Frauen in Führung als Quotenfrauen abqualifiziert werden.
    Sie tun sich keinen Gefallen, auf dieser zu bestehen.

    Die traditionelle Rolle wird angestrebt solange das Äußere es zuläßt.
    Das bessere Geschäft wäre es ohnedies angesichts der Gesetzes- und Rechtsprechungslage.

    Das wird sich leider nicht ändern, denn die Gesellschaft möchte es so, die immerhin überwiegend aus Frauen besteht.

  • Wenn der größere Anteil von Frauen in Führungspositionen zu wirtschaftlich besseren Resultaten führen würde, dann hätten wir den schon lange. Sie glauben doch nicht, dass es sich Finanzinvestoren entgehen lassen würden, in erfolgreiche Unternehmen mit Frauenquoten von über 50 % zu investieren wenn diese mehr Gewinn abwerfen würden. Darum geht es aber nicht. Manche Damen möchten sich in gemachte Nester setzen denn das ist natürlich gemütlicher als eigene Unternehmen zu gründen, warum nicht, mit 100 % Frauen. Wir werden dann ja sehen wer die Konkurrenz gewinnt. Man will sich dem Wettstreit nicht stellen und sein Ziel eben über Quoten erreichen. Das ist schade, denn es gibt Frauen die brauchen keine Quoten, die setzen sich auch so durch. Diese Damen bewundere ich. Die Scheidungsquoten als Argument für die Quoten zu benutzen, darauf muss man erst einmal kommen.

  • "...sie bedenken dabei überhaupt nicht, dass ihre große Liebe statistisch gesehen mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent gar nicht ewig andauern wird..."

    Das scheint mir ein Missverständnis. Sie denken an nichts anderes.

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