Gastbeitrag zum Limburger Bischof Die Mär von den steinreichen Kirchen

Die Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Tebartz-van Elst erwecken einen falschen Eindruck. Wirklich reich ist die Kirche in Deutschland nicht. Um das zu belegen, ist absolute Kostentransparenz notwendig.
  • Thomas Schüller
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Der Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller leitet das Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster. Quelle: Imago

Der Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller leitet das Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster.

(Foto: Imago)

Der Finanzskandal um den Bau des Bischöflichen Palais in Limburg deckt gravierende Mängel in der Verwaltung und Kontrolle des Vermögens in der katholischen Kirche in Deutschland auf. Die wechselseitigen Schuldzuweisungen zwischen dem Verwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls auf der einen und dem Bischof mit seinem Generalvikar in Limburg auf der anderen Seite wecken nicht Vertrauen in die Beantwortung der Frage, wer beim Bau des Bischöflichen Hauses mit angeschlossenem diözesanem Zentrum die Verantwortung für die gewaltige Kostensteigerung und hierfür notwendigen Finanztransaktionen trägt.

Dabei hätte die Beachtung der einschlägigen kirchenrechtlichen Normen zur kirchlichen Vermögensverwaltung durchaus diesen Skandal vermeiden können. Danach muss jeder Vermögensträger in der Kirche einen Verwaltungsrat aufweisen, der über Haushalt und Rechnungslegung zu befinden hat. Es ist eben nicht so, dass ein Diözesanbischof nach Gutdünken über kirchliches Vermögen verfügen kann. Neben dem Diözesankirchensteuerrat, der über den Kirchensteuerhaushalt entscheidet, sind Domkapitel und Diözesanvermögensverwaltungsrat zu nennen, die vor allem bei risikobehafteten Rechtsgeschäften ihre Zustimmung erteilen müssen. Soweit die Theorie.

In der Praxis sitzen in den beiden letzten Gremien die gleichen Personen, zumindest was die Domkapitulare angeht, die den Bischof in der Leitung seiner Diözese unterstützen und selbst Mittelbewirtschafter sind. So kontrollieren die Kontrolleure sich selbst und stimmen ihren eigenen Finanzentscheidungen zu.

Der Münchener Kirchenrechtler Heribert Schmitz hat schon vor Jahren als anerkannter Berater der Deutschen Bischofskonferenz diese Fehlkonstruktion kritisiert und für eine strikte Trennung von Verwaltung und Kontrolle des kirchlichen Vermögens plädiert. Allein geholfen hat diese Kritik wenig. Nur bei der Gründung des Erzbistums Hamburg wurde dieser Impuls aufgegriffen. Im Diözesanvermögensverwaltungsrat dieses Erzbistums sitzen fachkundige, nicht im Dienst der Kirche stehende Frauen und Männer, die über die sachgerechte Vermögensverwaltung entscheiden. Dieses Beispiel sollte Nachahmung finden. Es erhöht die Transparenz und stärkt die Fachkompetenz der kirchlichen Finanzaufsicht.

Zur Transparenz gehört auch die Offenlegung der verschiedenen Vermögensträger auf der Ebene einer Diözese. Nicht nur der Diözesankirchensteuerhaushalt, sondern auch das Vermögen der Bischöflichen Stühle und die Vermögenshaushalte der Bistümer sind jährlich offen zu legen. Damit würde der Boden für Spekulationen entzogen, die phantasievoll die Kirchen zu steinreichen Mogulen hochrechnen.

„Das Vermögen der Kirche ist das Geld der Gläubigen“
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17 Kommentare zu "Gastbeitrag zum Limburger Bischof: Die Mär von den steinreichen Kirchen"

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  • Man wäre dankbar, wenn man die in diesem Artikel dargelegte "Armut" der Kath. Kirche glauben könnte. Warum aber legt die Kath. Kirche in Deutschland dann nicht alle Dinge offen? Seit Jahren wird dies nicht nur vom IBKA gefordert. Derzeit ist nur bekannt, dass man gar nicht weiss wieviel man hat. Dies könnte man ganz leicht über die Finanzämter etc. herausfinden, denn die Kirche zahlt im Gegensatz zu allen anderen, keinerlei Steuern und Abgaben. Für Grundstücke, Immobilien,Firmenbeteiligungen, eigene Firmen für die nichts bezahlt wird, steht also eine Kirche?

  • Ein in Teilen durchaus gelungener Beitrag
    mit einer verheerenden Überschrift!

    <<Sie(die Kirche)ist mir die höchste aller
    denkbaren Korruptionen, sie hat den Willen
    zur letzten auch nur möglichen Korruption gehabt>>

    Friedrich Nietzsche = = = Der Antichrist

  • "..Das Vermögen der Kirche ist das Geld der Gläubigen..."

    ... in dem die Bischöfe mit ihrer Badeente planschen. Wer hätte jetzt gedacht, dass die Kirche auf einmal arm ist??
    Da will uns doch tatsächlich diese Kirchenrechtler, Schüller, verarschen!

  • otto15,
    ich kann lesen, und ihre Fehlinterpretation auch.

    "In Köln haben zwei katholische Krankenhäuser eine Frau, die möglicherweise vergewaltigt wurde, abgewiesen."
    http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/abgewiesenes-vergewaltigungsopfer-kritik-an-katholischen-kliniken-und-der-kirche-von-allen-seiten/7649804.html

    Da gibt es auch nichts schön zu reden oder zu verteidigen. Diese Krankenhäuser werden nicht aus Kirchensteuern bezahlt, das Personal dort auch nicht, und die Gebäude i.d.R. auch nicht.
    Also kann ich auch erwarten das mir so eine Einrichtung als Bürger nach den jeweiligen weltlichen Gesetzen zur Verfügung steht, vor allem und gerade in solchen menschlichen Notlagen und nicht einfach Straftatbestände noch geistig legitimiert in dem man die evtl. Folgen davon dem Opfer wegen eines Klerus aufoktruiert. Das ist ja fast wie Kriegsrecht nach einer Kapitulation.
    Das ist keine Kirche, sondern ein mittelalterlicher Haufen, den ich als Bürger auch noch bezahlen soll.
    Wäre die Frau eine reiche Privatpatientin des Chefarztes gewesen, hätte es diese Situation nicht gegeben, da bin ich mir sicher.
    Auch gäbe es schon für Frauen den Vorabtest, ob eine Chemo überhaupt was nützt, bei Brustkrebs von der Kasse bezahlt wenn das beim Prostata-Krebs genauso funktionieren würde. Da bin ich mir auch sehr sicher.
    Diese Kirche gehört in ihre Schranken gewiesen, zumindest dahin wo sie selbst moralisch stehen will, vor allem was Frauen und ihre Rechte auf Verhütungsmittel und selbst bestimmmte Lebensplanung angeht. Das Recht auf Verschwendung meiner Steuern, und die der arbeitenden Frauen, hat sie ja schon.
    Sie ist ein Staat im Staate mit eigenen Gesetzen, hätte ich auch gern.

  • Erst denken, dann posten:
    Sind Sie abgewiesen worden? Wohl kaum?
    Sie kommen incht an kommunalen kirchlichen Einrichtungen vorbei? Es gibt genügend andere.
    Wenn 10 Mrd. Kichensteuern fehlen und der Staat muss einspringen -dann schaun wir mal, wer mehr zahlt. Sie sicher auch

  • Sehr geehrter Herr Zeiss,
    nur mal so zum nachdenken: Der Begriff "Toleranz" kommt vom lateinischen "tolerare", was so viel bedeutet wie "erdulden, ertragen". Dass "erdulden, ertragen" als Grundvoraussetzung eine gewisse eigene Meinung, eine eigene Vorstellung zu einem Thema, welches für jemanden persönlich einen gewissen Stellenwert hat, voraussetzt (also eben keine Gleichgültigkeit, da dies eben keiner echten Toleranz entspricht), das ist eine Sache für sich. Ob sie über eine eigene Vorstellung/Meinung verfügen kann von mir aufgrund ihres Kommentars nicht bewertet werden. Eines kann ich aber sicher sagen: Sich wie in ihrem Fall derart abfällig über Christen bzw. Kirchenbesucher zu äußern kann nur auf absolute Intoleranz oder alternativ ein geistiges Niveau auf Stammtischniveau zurückgeführt werden. Egal welcher Konfession Sie angehören – und selbst wenn Sie wie viele ebenfalls unterdurchschnittliche Mitkommentatoren atheistisch veranlagt sind – so haben nicht nur sie das Recht von Andersgläubigen egal welcher Konfession mit ihrer Meinung toleriert zu werden bzw. dies einzufordern, sondern eben auch die Pflicht andere Meinungen zu tolerieren und diese nicht von vornherein als „dumm“ abzutun. Und zu all denen, die nur auf die unzweifelhaft begangenen Verbrechen „der Kirche“, angefangen von Kreuzzügen, Hexenverbrennungen usw. herumreiten sei folgendes gesagt: nennen sie mir eine Konfession – und darunter können sie gern auch den Atheismus mit einbeziehen – in deren Namen bzw. mit deren Hilfe noch keine Fehler/Verbrechen begangen wurden. Fakt ist: es gibt sie nicht. Denn letzten Endes steht hinter jedem Glauben nur der Mensch, der halt mal nicht perfekt ist, aber im besten Fall nach Perfektion strebt, leider jedoch stets nur aus subjektiver Sicht…

  • "Konsequent wäre, auch alle kirchlichen Einrichtungen zu meiden, die ich mit Kirchensteuer mitfiananziere."

    Jo, schon klar. Die Frauen die an der Krankenhaus-Kirchenpforte abgewiesen wurden, weil geschändet, haben vielleicht sogar Kirchensteuer bezahlt.
    Aber hier liegt genau das Problem, man kommt eben an diesem Verein auch nicht vorbei, wenn man ihn garnicht will. Der Klerus mischt überall mit, obwohl die meisten kirchlichen Einrichtungen von den Sozialbeiträgen aller Steuerzahler bezahlt werden, und beansprucht trotzdem bei vielen Bürger-Rechten Ausnahmeregelungen. Das heisst das ich trotzdem den Klerus finanziere, ob ich will oder nicht, mit oder ohne Kirchensteuer, und auch noch im Arbeitsverhältnis nicht alle Arbeitnehmer-Gesetze gelten.
    Es sind eben nicht nur die Gelder der Gläubigen betroffen, diese Augenwischerei geht mir schon seit ich darüber nachdenken kann auf den Wecker.

  • Aus der Web Seite des Limb. Bist.:
    http://www.bistumlimburg.de/meldungen/meldung-detail/meldung/der-bischoefliche-stuhl.html

    4. "Wie wird der Bischöfliche Stuhl kontrolliert"
    Die Kontrolle wird durch ein Aufsichtsgremium aus externen und unabhängigen Wirtschaftsfachleuten und Juristen - die Zusammensetzung und die notwendige Qualifikation der Mitglieder dieses Gremiums ist kirchenrechtlich klar definiert - wahrgenommen. Dieses Aufsichtsgremium überwacht die Verwaltung und die ordnungsgemäße Verwendung der Erträge und der Vermögenswerte des Bischöflichen Stuhls. Bischof und Generalvikar gehören diesem Gremium zwar an, sie haben aber kein Stimmrecht.
    Außerdem hat der Bischof von Limburg freiwillig angeordnet, dass der Bischöfliche Stuhl jährlich einer "handelsrechtlichen Vollprüfung" durch eine externe und unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unterzogen wird. Auch hier wird noch einmal die rechtmäßige und bestimmungsgemäße Verwendung der Vermögenswerte und der Erträge des Bischöflichen Stuhls bis ins Detail geprüft.

    Beauftragt wird in der Regel eine der sogenannten "big four" der Wirtschaftsprüfung. Dabei ist es selbstverständlich,
    5. "Kann der Bischof über das Geld frei verfügen?"

    Nein. Das ist schlicht nicht möglich.
    Der Bischof kann nur dann Ausgaben tätigen, wenn das Aufsichtsgremium im Haushaltsplan dafür Mittel bereitgestellt oder die Ausgabe im Einzelfall im Vorfeld genehmigt hat. Dies geschieht nur dann, wenn eine dem Zweck der Körperschaft entsprechende Verwendung der Mittel sichergestellt wird. Der Bischof ist dem Aufsichtsgremium in allen wirtschaftlichen Fragen zur Rechenschaft verpflichtet.

    6. "Wofür darf das Geld verwendet werden?"

    Auch hier gibt es aus der Zweckbestimmung der Körperschaft heraus sehr klare Regelungen, die zwingend einzuhalten sind. Die Zweckbestimmung der Körperschaft ist insbesondere wie folgt definiert:
    "Förderung kirchlicher Aufgaben unter besonderer Berücksichtigung der dem Bischof anvertrauten Sorge für die geordnete Du

  • Es ist völlig egal ob Kirchen 80 oder 100 oder 300 Milliarden gehütet haben. Nur äußerst Dumme gehen überhaupt dorthin. Das ist alles, was gesagt werden muß.

  • Wahrscheinlich regen sich die besonders auf, die ohnehin keine Kirchensteuer zahlen. Konsequent wäre, auch alle kirchlichen Einrichtungen zu meiden, die ich mit Kirchensteuer mitfiananziere.

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