Gastbeitrag zum Limburger Bischof
Die Mär von den steinreichen Kirchen

Die Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Tebartz-van Elst erwecken einen falschen Eindruck. Wirklich reich ist die Kirche in Deutschland nicht. Um das zu belegen, ist absolute Kostentransparenz notwendig.
  • 17

Der Finanzskandal um den Bau des Bischöflichen Palais in Limburg deckt gravierende Mängel in der Verwaltung und Kontrolle des Vermögens in der katholischen Kirche in Deutschland auf. Die wechselseitigen Schuldzuweisungen zwischen dem Verwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls auf der einen und dem Bischof mit seinem Generalvikar in Limburg auf der anderen Seite wecken nicht Vertrauen in die Beantwortung der Frage, wer beim Bau des Bischöflichen Hauses mit angeschlossenem diözesanem Zentrum die Verantwortung für die gewaltige Kostensteigerung und hierfür notwendigen Finanztransaktionen trägt.

Dabei hätte die Beachtung der einschlägigen kirchenrechtlichen Normen zur kirchlichen Vermögensverwaltung durchaus diesen Skandal vermeiden können. Danach muss jeder Vermögensträger in der Kirche einen Verwaltungsrat aufweisen, der über Haushalt und Rechnungslegung zu befinden hat. Es ist eben nicht so, dass ein Diözesanbischof nach Gutdünken über kirchliches Vermögen verfügen kann. Neben dem Diözesankirchensteuerrat, der über den Kirchensteuerhaushalt entscheidet, sind Domkapitel und Diözesanvermögensverwaltungsrat zu nennen, die vor allem bei risikobehafteten Rechtsgeschäften ihre Zustimmung erteilen müssen. Soweit die Theorie.

In der Praxis sitzen in den beiden letzten Gremien die gleichen Personen, zumindest was die Domkapitulare angeht, die den Bischof in der Leitung seiner Diözese unterstützen und selbst Mittelbewirtschafter sind. So kontrollieren die Kontrolleure sich selbst und stimmen ihren eigenen Finanzentscheidungen zu.

Der Münchener Kirchenrechtler Heribert Schmitz hat schon vor Jahren als anerkannter Berater der Deutschen Bischofskonferenz diese Fehlkonstruktion kritisiert und für eine strikte Trennung von Verwaltung und Kontrolle des kirchlichen Vermögens plädiert. Allein geholfen hat diese Kritik wenig. Nur bei der Gründung des Erzbistums Hamburg wurde dieser Impuls aufgegriffen. Im Diözesanvermögensverwaltungsrat dieses Erzbistums sitzen fachkundige, nicht im Dienst der Kirche stehende Frauen und Männer, die über die sachgerechte Vermögensverwaltung entscheiden. Dieses Beispiel sollte Nachahmung finden. Es erhöht die Transparenz und stärkt die Fachkompetenz der kirchlichen Finanzaufsicht.

Zur Transparenz gehört auch die Offenlegung der verschiedenen Vermögensträger auf der Ebene einer Diözese. Nicht nur der Diözesankirchensteuerhaushalt, sondern auch das Vermögen der Bischöflichen Stühle und die Vermögenshaushalte der Bistümer sind jährlich offen zu legen. Damit würde der Boden für Spekulationen entzogen, die phantasievoll die Kirchen zu steinreichen Mogulen hochrechnen.

Seite 1:

Die Mär von den steinreichen Kirchen

Seite 2:

„Das Vermögen der Kirche ist das Geld der Gläubigen“

Kommentare zu " Gastbeitrag zum Limburger Bischof: Die Mär von den steinreichen Kirchen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man wäre dankbar, wenn man die in diesem Artikel dargelegte "Armut" der Kath. Kirche glauben könnte. Warum aber legt die Kath. Kirche in Deutschland dann nicht alle Dinge offen? Seit Jahren wird dies nicht nur vom IBKA gefordert. Derzeit ist nur bekannt, dass man gar nicht weiss wieviel man hat. Dies könnte man ganz leicht über die Finanzämter etc. herausfinden, denn die Kirche zahlt im Gegensatz zu allen anderen, keinerlei Steuern und Abgaben. Für Grundstücke, Immobilien,Firmenbeteiligungen, eigene Firmen für die nichts bezahlt wird, steht also eine Kirche?

  • Ein in Teilen durchaus gelungener Beitrag
    mit einer verheerenden Überschrift!

    <<Sie(die Kirche)ist mir die höchste aller
    denkbaren Korruptionen, sie hat den Willen
    zur letzten auch nur möglichen Korruption gehabt>>

    Friedrich Nietzsche = = = Der Antichrist

  • "..Das Vermögen der Kirche ist das Geld der Gläubigen..."

    ... in dem die Bischöfe mit ihrer Badeente planschen. Wer hätte jetzt gedacht, dass die Kirche auf einmal arm ist??
    Da will uns doch tatsächlich diese Kirchenrechtler, Schüller, verarschen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%