Gastbeitrag zum Papst-Rücktritt
Was Manager von Benedikt XVI. lernen können

Das nennt man Verantwortung! Der Rücktritt von Papst Benedikt ist überraschend, aber konsequent - und damit ein Vorbild für alle Menschen in Leitungsfunktionen. Es wäre ein Fehlschluss, von Amtsflucht zu sprechen.
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BerlinÜberraschend aber konsequent. Damit ist wohl am besten die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. beschrieben, am 28. Februar auf das Papstamt zu verzichten. Benedikt XVI. ist nie ein Papst gewesen, der die Herzen der Menschen angesprochen hat, sondern eher ihren Intellekt. Das Zusammenspiel von Glaube und Vernunft war stets sein großes Thema. Eben diese Vernunft hat ihn jetzt auch zu seinem Rücktrittsentschluss geführt.

Dieser Rücktritt ist Ausdruck von hoher Verantwortung, die unseren ganzen Respekt verdient. In der Erkenntnis, dem Amt auf Dauer weder physisch noch psychisch gewachsen zu sein, nimmt Benedikt XVI. Verantwortung für sich selbst, für die Menschen, die er führt und für die Organisation, die er leitet, wahr. Und diese Organisation ist immerhin die Weltkirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern bei weiter steigender Tendenz.

Mag Benedikt auch von einer „Entweltlichung“ der Kirche gesprochen haben, ändert sich doch nichts am Befund, dass diese Weltkirche fordernd ist und gefordert wird. Gefordert von einer zunehmend politisch und ökonomisch komplexer werdenden Welt mit einem hohen Maß an medialer Aufmerksamkeit. Die Reaktionszeiten für aktuelle Themen werden kürzer. Auch kirchliche Entscheidungen stehen nicht mehr allein „unter dem Blickwinkel der Ewigkeit“, sondern des Heute und Jetzt. Auch ein Papst muss sich dem stellen können und wollen.

In seiner Rücktrittsrede hat Benedikt von seinem Unvermögen gesprochen, den „anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen“. Diese Worte sind Ausdruck von Sorge und Fürsorge zugleich. Es geht ihm erkennbar um die Zukunft der katholischen Kirche, für die er sich eine starke Führung wünscht, die er der Kirche nicht mehr geben kann.

Wenn Benedikt XVI. mit seinem Amtsverzicht das Amt über die eigene Person stellt, gibt er damit ein Vorbild für alle Menschen in Leitungsfunktionen. Es wäre ein Fehlschluss, hier von Flucht aus dem Amt zu sprechen. Vielmehr geht es um gelebte Bescheidenheit und ja auch um Demut, die uns allen gut ansteht. Damit hält uns Benedikt zugleich einen Spiegel vor, in den jeder hin und wieder zur Selbstüberprüfung der eigenen Fähigkeiten und Motive schauen sollte.

Über den Autor: Ulrich Goldschmidt ist Hauptgeschäftsführer vom Berufsverband „Die Führungskräfte“, der bundesweit rund 25.000 Führungskräfte des mittleren und höheren Managements auf politischer und wirtschaftlicher Ebene vertritt.

Kommentare zu " Gastbeitrag zum Papst-Rücktritt: Was Manager von Benedikt XVI. lernen können"

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  • Wenn ich Papst wäre und merkte mit der Zeit was der Vatikan für ein kriminelles, korruptes, verbrecherisches und mörderisches System ist, das in Drogenhandel Prostitution, Erpressung, Mord und Nahrungsspekulationen verstrickt ist, dann würde ich auch zusammenbrechen!

  • Genau diese Arroganz ist es, die viele Unternehmen in die Krise geführt hat.

  • ein Grossteil der Manager sind eben unbelehrbar!

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