Gastbeitrag zum Schottland-Votum
Was Anleger wissen sollten

Bei den Investoren steigt die Spannung. Sollte Schottland im Vereinigten Königreich verbleiben, dürfte es eine Erleichterungsrally bei britischen Aktien und dem Pfund geben. Bei einem Austritt drohen heftige Marktreaktionen.
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Die schottische Bevölkerung steht vor der Entscheidung in einer Herzensangelegenheit und von europäischer Bedeutung. Ein schottisches „Ja“ hätte Signalwirkung für die Unabhängigkeitsbewegungen in anderen europäischen Staaten. Daher kann man negative Effekte für den Euro nicht ausschließen. Aber auch Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sind wahrscheinlich.

Unser Hauptszenario ist allerdings, dass die Schotten gegen die Abspaltung stimmen werden, wie es eine Mehrzahl der Umfragen derzeit nahelegt. Diese Entscheidung sollte für Erleichterung an den Finanzmärkten sorgen. Besonders Aktien und das britische Pfund sollten daraufhin ihre schwache Entwicklung der jüngsten Vergangenheit wieder wettmachen.

Der britische Aktienmarkt hat sich zuletzt schwächer entwickelt als die kontinentaleuropäischen Börsen. Dadurch ist bei vielen Aktien die Bewertung attraktiver geworden. Die Einzeltitelauswahl ist aber entscheidend. Auf der Währungs- und Zinsseite gehen die Marktteilnehmer aufgrund des Referendums von einer späteren Zinserhöhung der Bank of England aus. Im Falle des Neins zur Unabhängigkeit dürften sich diese Erwartungen wieder umkehren: Die Renditen am kurzen Ende sollten steigen, die Zinskurve abflachen. Das Pfund dürfte wieder zulegen. Allerdings dürfte die Volatilität in allen Anlageklassen hoch bleiben.

Vor allem die derzeit noch Unentschlossenen sollten es sich am Wahltag sehr genau überlegen, ob sie bereit sind, die politische und wirtschaftliche Unsicherheit in Kauf zu nehmen, die auf eine Zustimmung zur Unabhängigkeit folgen würde. Auch die inzwischen erfolgten Angebote an die Schotten durch die Regierung in London, aber auch die Drohungen von Unternehmen sich aus Schottland zurückzuziehen dürften viele noch zum Umdenken bringen. Zudem wird in Befragungen häufig nationalistischer geantwortet, als es das Abstimmungsverhalten letztlich widerspiegelt. Das hat sich etwa bei der Unabhängigkeitsabstimmung in Quebec gezeigt.

Im Falle eines Ja zur Unabhängigkeit dürften die Marktreaktionen kräftig ausfallen. In diesem Fall könnte es zu erheblichen Verwerfungen an den Märkten kommen. Bei den Aktien dürften vor allem Banken und Versorgern leiden, zudem dürfte sich das Aktienklima in Europa generell und in Großbritannien im speziellen verschlechtern.

Darüber hinaus könnte es auch negative Effekte auf den Euro haben, da sich dann Unabhängigkeitsbewegungen in anderen Ländern ermutigt fühlen könnten. Sollte sich Schottland für den Verbleib im Vereinigten Königsreich entscheiden haben letztlich beide Seiten gewonnen: Die Befürworter, weil das Vereinigte Königreich erhalten bleibt. Die Gegner, weil sie durch die vielen Zugeständnisse trotz allem erheblich mehr Autonomie erreicht haben.

Johannes Müller, ist Chief Investment Officer (CIO) für Deutschland bei der Deutschen Asset & Wealth Management.

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