Gastbeitrag zum Syrienkonflikt
Wollen wir diese Bilder sehen?

Sind die Fotos der mutmaßlichen Giftgasopfer die verstörende Wahrheit? Oder Propaganda? Machen sie Leser zum Teil der Kriegsführung? Oder ist die Veröffentlichung zwingend? Claus Eurich, Professor für Medienethik, sucht Antworten.
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Krieg bringt die dunkelsten Seiten des Menschseins ans Licht. Er verletzt, entwürdigt, entstellt. Krieg schafft ausnahmslos Opfer. Er kennt keine Wahrheit, nur Parteilichkeit, nur ein Für oder Wider, nur Gegner oder Verbündete. Deshalb ist ein Journalismus, der diese Polarisierungen und Aktionen gegen die Menschlichkeit aus der Haltung der Zeugenschaft betrachtet und trotz aller Schrecken nüchtern dokumentiert und analysiert so wichtig.

Diese Bedeutung steigt dramatisch in einer Zeit, in der das Netz in seinen vielfältigen Präsentationsweisen und Präsentationsformen eine völlig unkontrollierbare Bilderflut zur Schau stellt. Tabus werden hier nicht mehr respektiert, gezeigt wird alles. Auch das, was durch das Zeigen selbst wieder neue Verletzungen hervorruft – bei denen, die die Bilder sehen. Die Fotos der durch Giftgas in Syrien getöteten Kinder werfen ein weiteres Mal die Fragen auf: Was darf und was muss seriöser Journalismus zeigen? Wann sind Worte hilfreicher als Bilder? Wann werden Bilder selbst zu Waffen, die in politische Prozesse intervenieren?

Journalismus soll informieren, einen Beitrag zur Meinungsbildung leisten, die unterschiedlichen Parteien zu Wort kommen lassen, Kritik und Kontrolle praktizieren und bei all dem vor allem unabhängig sein, um der Chronistenpflicht zu genügen. Bilder sind Teil dieser Anforderungen. Sie vermögen das zu zeigen, woran Worte scheitern, beziehungsweise wo sie unzulänglich bleiben.

Doch welche Maßstäbe lege ich als Journalist bei der Bildauswahl an, um einerseits das wahre Gesicht des Krieges zu dokumentieren und nicht eines, das politisch/diplomatisch geschönt ist? Kann ich verhindern, von den Propagandisten der Kriegsparteien instrumentalisiert zu werden, wie das weltweit täglich und nun auch am Beispiel von Syrien wiederum geschieht?

Die staatlichen und nichtstaatlichen Militärs auf dieser Erde haben in den vergangenen Jahrzehnten eine hohe Kunst der Manipulation entwickelt, lassen sich doch mit der emotionalisierenden Kraft von Bildern Kriege nicht nur legitimieren, sondern Gesellschaften auf Kriege vorbereiten. Bilder suggerieren Authentizität. Sie malen in den Köpfen derer, die sie sehen, eine eigene Wirklichkeit, die stärker ist als Worte, ja, die Argumentationen durch ihre Kraft außer Kraft setzen können. Bilder mögen verzerren, manipulieren, ja eine Lüge sein, wofür es unzählige prominente Beispiele gibt; doch das sehen wir als Leser nicht, wenn es nicht direkt unter dem Bild angemerkt wird. Wir nehmen für wahr, was der Augenschein vor-spielt. Und genau das brennt sich in das Bewusstsein und unser Urteilsvermögen ein.

Die Fotos der wohl durch Giftgas getöteten Kinder im syrischen Bürgerkrieg, die unter anderem diese Woche vom Spiegel veröffentlicht wurden, sollen von der syrischen Opposition stammen. Wie seriös sind die Quellen? Und was meint Opposition? Zur sogenannten Opposition sollen auch Al-Qaida nahe bzw. mit Al-Qaida identische Gruppierungen wie die Nusra-Rebellen gehören. Al-Qaida ist spätestens seit dem 11.September 2001 dafür bekannt, Bilder als Vorbereitung beziehungsweise Fortsetzung des asymmetrischen materiellen Krieges höchst effektvoll einzusetzen.

Seite 1:

Wollen wir diese Bilder sehen?

Seite 2:

Geschändete Kinder für propagandistische Zwecke

Kommentare zu " Gastbeitrag zum Syrienkonflikt: Wollen wir diese Bilder sehen?"

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  • Ich kann der Argumentation nicht folgen. Wie soll das Photo alleine zur Propaganda werden? Weder sehe ich welcher Nationalität/Ethnie/Religion oder politischen Richtung die Opfer angehören, noch wer der Täter war.

    Um zur Propaganda zu werden muss hier auch ein Text hinzutreten der dies entweder einordnet, oder so wie hier und heute geschehen erklärt, dass es zweifellos Giftgasopfer aus Syrien sind, dass man aber nichts genaues wisse, außer dass das Photo aus den Händen der Rebellen stammt.

    Es kann auch Fotos geben, die scheinbar für sich selbst sprechen aber gefälscht sind, in dem eine Seite etwa Uniformen trägt. Aber darum geht es hier doch nicht.

    Dass die Bilder sich einbrennen ist auch so eine harsche Formulierung, dass man leicht sieht, dass die Sprache viel mehr als das Bild zur Manipulation taugt.

  • Geht es nicht viel mehr darum, zu sehen, was mit dem syrischen Volk passiert? Unabhängig davon, wer für den Giftgasangriff verantwortlich ist?
    So etwas darf nicht verschwiegen werden. Gäbe es solche Fotos nicht (die nur nach einer Prüfung auf Echtheit veröffebtlicht wurden), würde niemand genau wissen, was in Syrien los ist. Man kann sich die Situation nicht vorstellen. Die Dringligkeit, zu handeln wäre deutlich geringer (leider!) Und ich glaube nicht, dass es jemandem gelingen würde, diese Grausamkeit in Worte zu fassen.

  • 'Fat_bob_ger' stammelt
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    Warum wird jemand [bei der NPD] Parteimitglied:
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    In der deutschen Sprache werden Fragen mit einem Fragezeichen abgeschlossen.

    +++

    'Fat_bob_ger' phantasiert
    --------------------------
    Meine Erklärung: Wenn dort jemand seinen eigenen Namen fehlerfrei schreiben kann und blaue Augen hat,nur an Wochenenden blau ist, dann kann er sofort zum Kreisfunktionär aufsteigen
    --------------------------

    Aber nein.

    Solche Leute werden Berufsschullehrer - so wie Sie.

    Und ergötzen den Rest der Welt mit argumentationsfreien Unterstellungen und Pöbeleien.

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