Gastbeitrag zum US-Haushaltskompromiss

Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt

Auf die Erleichterung wird schnelle Ernüchterung folgen: Mit dem Kompromiss wurde nur ein wenig Zeit kauft – und die Aufmerksamkeit der Märkte wird sich wieder den US-Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen zuwenden.
  • Stefan Schneider
10 Kommentare

Die Staatspleite ist aufgeschoben

The same procedure as every year? Eine Einigung um fünf vor zwölf war das dominierende Szenario am Markt, allerdings zeigt die Minirally an den Aktien- und Anleihemärkten, dass die Nerven zuletzt doch zunehmend blank lagen.

Die Erleichterung dürfte aber wohl nicht lange währen, da der gefundene Kompromiss nur ein wenig Zeit kauft und die Aufmerksamkeit der Märkte sich wieder Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen zuwenden wird, die zwar aufgrund der mehr als zweiwöchigen Schließung von verschiedenen Regierungsstellen schwierig einzuordnen sind, aber wohl insgesamt ein noch immer durchwachsenes Bild der US-Wirtschaft liefern werden.

Stefan Schneider: Volkswirt der Deutschen Bank.

Stefan Schneider: Volkswirt der Deutschen Bank.

So haben in dem gerade veröffentlichten Beige Book der Chicago-Fed die Befragten vor dem Hintergrund des „Government shutdowns“ und der generellen fiskalischen Situation von eher vorsichtigeren Beschäftigungsabsichten berichtet.

Die Tatsache, dass die Politik die Dose nur ein kleines Stückchen weitergekickt hat und die USA immer noch keinen auf die aktuellen Erfordernisse zugeschnitten Haushalt hat und Anfang nächsten Jahres erneut über die Schuldenobergrenze gestritten werden dürfte, dürfte ebenfalls zur schnellen Ernüchterung beitragen. Hier zeigt sich die verschärfte Polarisierung in der amerikanischen Parteienlandschaft, die eine dauerhafte Einigung unter den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen in beiden Häusern nahezu ausschließt.

Allerdings haben die Vertreter der Tea Party innerhalb der republikanischen Partei mit ihrem Versuch, durch ihre fiskalische Obstruktionspolitik Änderungen an der von ihnen bekämpften Gesundheitspolitik zu erzwingen, eine massive Niederlage erlitten. Auch zeigen Umfragen, dass diese Strategie in der Öffentlichkeit sehr unpopulär war. Die Verhandlungen über die konkrete Ausgestaltung der automatischen Ausgabenkürzungen, die bis zum 13. Dezember abgeschlossen werden müssen, dürften eine wichtige Indikation liefern, ob die Republikaner ihre Strategie anpassen oder in dem „Jetzt erst recht“ der Tea Party verharren.

In diesem Fall bleibt es abzuwarten, wie lange es der Fed gelingen kann, die negativen Auswirkungen eines weiteren fiskalischen Stillstands durch eine weitere Verschiebung der Rückführung ihrer Anleiheankaufprogramme zu kompensieren. Sollte der Markt allerdings zu der Auffassung kommen, dass der Kompromiss ausreicht, um der Fed nun doch eine baldige Rückführung ihres Ankaufsprogramms zu ermöglichen, könnte dies zu einer nachhaltigeren Stärkung des USD führen, auf die viele USD-Bullen schon seit einigen Monaten setzen.

Stefan Schneider ist Chief International Economist Deutsche Bank Research.

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10 Kommentare zu "Gastbeitrag zum US-Haushaltskompromiss: Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt"

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  • Learn from history:

    http://www.youtube.com/watch?v=QU0XiklHPMc

  • "Hier zeigt sich die verschärfte Polarisierung in der amerikanischen Parteienlandschaft, die eine dauerhafte Einigung unter den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen in beiden Häusern nahezu ausschließt."

    Dass eine solche "dauerhafte Einigung" in "dieser Welt" (Zinsgeld-Ökonomie) prinzipiell unmöglich ist,...

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/schuldenbremse-und-wachstum.html

    ...kommt dem "Normalbürger" gar nicht erst in den Sinn.

    Um mit dem Denken anfangen zu können, muss zuerst das fehlerhafte Betriebssystem gelöscht werden:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/cancel-program-genesis.html

  • "Mit dem Kompromiss wurde nur ein wenig Zeit kauft – und die Aufmerksamkeit der Märkte wird sich wieder den US-Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen zuwenden." Unternehmensdaten interessieren doch die Märkte nicht. Das Einzige was zählt ist billiges Geld, das die Blase füttert.

  • "Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt"

    Und die Ursache der Problematik wird weiterhin totgeschwiegen.
    Das System verlangt nach Nachfrage - und nach Nachfragefinanzierung.

    Infolge der Ungleichverteilung musste und muss die Nachfrage zunehmend über Kredit finanziert werden - und je mehr erspartes Geld in Finanz"Produkte" fliesst - desto mehr hängt die Realwirtschaft an den staatlichen Ausgaben.

    Kickin' the Can - bis zum "Kreislauf": Lender of last Resort meets Spender of Last Resort.

    Darum hat der Kongress gar keine andere Wahl - und darum auch Yellen statt Summers.

    Für das sich zunehmend verschärfende Problem ist ursächlich die zunehmende Ungleichverteilung verantwortlich.

    Das "Monopoly mit Anschreibenlassen" wird für alle Beteiligten zunehmend lästig.
    Da an eine Ursachenbehandlung derzeit nicht zu erwarten ist (Selbst Interessierte sehen die Ursache bei der FED, beim bösen Markt, dem Zins, den Unternehmern und Managern anstatt schlicht und ergreifend in der Ungleichverteilung - und damit bei der Politik) wird sich das System weiter durchwursteln, und übermässigen Druck durch Inflation abbauen.

    Es lebe die Plutokratie - die Eigner bleiben die Herrscher.


  • Globalisierungfolgen schlagen immer mehr Löcher in eine brüchige Wand. Es geht langfristig weder um positive Unternehmensmeldungen noch im Finanzmeldungen, es geht um grundsätzliche, heftig aufbrechende "Strukturprobleme" großer Volkswirtschaften, nicht nur die der USA.

    Soweit denkt Mr. Analyst, wie so viele andere "Wetterleuchten", allerdings nicht.
    Verursacher , z.B billiges Geld und Bullionbank, bleiben tunlichst verschämt aussen vor.

  • Ok, keiner denkt mehr an Syrien, wo sich die Amis mega stark blamiert haben. Obwohl was da gerade abgelaufen ist, war ja auch sehr blamabel. Gott, was ist nur aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeit geworden. Das Land von Flipper und den kleinen Strolchen?

    Wenn Ameirika heute in Erscheinung tritt, dass nur noch mit Negativ-Aspekten. Und im Hintergrund kommt Asien und Deutschland immer mehr mit positiven Nachrichten.Allerdings muss man da zwischen den Zeilen lesen, denn die westliche Presse darf es nie offen schreiben, dass Amerika absackt und dafür Deutschland und Asien kommt. Auch hier bietet es sich an, das man einfach mal die Medien aus Singapore ölesen sollte, um zu wissen, was Deutschland wirklich ist.

  • Fast moechte man meinen,die Banken geht die Politik in den Usa nichts an.Wir ,die Herren der Welt ,machen was wir wollen.
    Wenn sie sich da nicht taeuschen.
    Vieleicht lebten sie nicht lange genug in den US ,oder im leafy McLean oder auf Long Island vielleicht auch in Bergen County,aber die Masse der Amerikaner interissiert sie nicht.
    Die muessen jeden Tag zur Arbeit ,fuer meist einen nicht so guten Lohn wie sie.
    Die Leute leiden unter der Politik und unter den zynischen Bankern.
    Viele Hypotheken sind unter Wasser und man kann das Haus nicht verkaufen.
    Ob der Dollar staerker wird interessiert nur eine geringe Anzahl von Leuten,die es sich leisten koennen zu verreisen.
    Sie fliegen ja auf Bankkosten erste Klasse und steigen im St Regis ab.
    Bitte ein wenig mehr mit den Gefuehlen der Menschen umgehen ,wenn Sie Kommentare abgeben.
    Wir wissen ja ,dass die Banken die Menschen wenig interessiert ,wenn sie das auch immer wieder beteuern.

  • "Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt"

    Für diese glorreiche Erkenntnis hat der Author aber ganz schön lange ebraucht:-)

    "Allerdings haben die Vertreter der Tea Party innerhalb der republikanischen Partei mit ihrem Versuch, durch ihre fiskalische Obstruktionspolitik Änderungen an der von ihnen bekämpften Gesundheitspolitik zu erzwingen, eine massive Niederlage erlitten. "

    Da dürfte sich der Author gewaltig irren.
    Obamacare ist nur das Schwert mit dem die "Tea Party" kämpft.
    Es geht um mehr Unabhängikeit der US-Staaten genauso wie es in der EUdSSR um die Zerschlagung der Zentraldiktatur geht.
    Die Staatspleite wird die USA zerfetzen und der Staatspleite ist man wieder ein Stück nähergekommen.

    Vielleicht ist Obama ja schon der letzte "mächtigste Mann der Welt" !




  • "Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt"

    und die Menschheit wird weiter in den Ar$ch gef....

  • Was kann, was sollte Politik leisten?
    Die Probleme anderer lösen, wo sie doch selbst kaum in der Lage scheint selbsterzeugte Probleme zu lösen.

    Wohlfeil, (jetzt) von der Politik zu erwarten, was der Finanzwirtschaft nicht gelingt: die Wünsche nach der eierlegenden Wollmilchsau im Zaum zu halten.

    Wobei: längst liegt sie offen da, die Büchse der Pandora und Herumrücken wird wohl auch nicht mehr ausreichen, um die saftigen strukturellen Probleme der Bankenwirtschaft mit lediglich politischen Gesten lösen zu können.

    Der Kulturwandel, fast möchte man meinen der verprovisionierte Kulturwandel, wird bleiben was er ist: ein Nichts im Vergleich zu den bislang aufgehäuften Problemen des Bankenwesens.

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