Gastbeitrag zum US-Haushaltskompromiss
Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt

Auf die Erleichterung wird schnelle Ernüchterung folgen: Mit dem Kompromiss wurde nur ein wenig Zeit kauft – und die Aufmerksamkeit der Märkte wird sich wieder den US-Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen zuwenden.
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The same procedure as every year? Eine Einigung um fünf vor zwölf war das dominierende Szenario am Markt, allerdings zeigt die Minirally an den Aktien- und Anleihemärkten, dass die Nerven zuletzt doch zunehmend blank lagen.

Die Erleichterung dürfte aber wohl nicht lange währen, da der gefundene Kompromiss nur ein wenig Zeit kauft und die Aufmerksamkeit der Märkte sich wieder Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen zuwenden wird, die zwar aufgrund der mehr als zweiwöchigen Schließung von verschiedenen Regierungsstellen schwierig einzuordnen sind, aber wohl insgesamt ein noch immer durchwachsenes Bild der US-Wirtschaft liefern werden.

So haben in dem gerade veröffentlichten Beige Book der Chicago-Fed die Befragten vor dem Hintergrund des „Government shutdowns“ und der generellen fiskalischen Situation von eher vorsichtigeren Beschäftigungsabsichten berichtet.

Die Tatsache, dass die Politik die Dose nur ein kleines Stückchen weitergekickt hat und die USA immer noch keinen auf die aktuellen Erfordernisse zugeschnitten Haushalt hat und Anfang nächsten Jahres erneut über die Schuldenobergrenze gestritten werden dürfte, dürfte ebenfalls zur schnellen Ernüchterung beitragen. Hier zeigt sich die verschärfte Polarisierung in der amerikanischen Parteienlandschaft, die eine dauerhafte Einigung unter den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen in beiden Häusern nahezu ausschließt.

Allerdings haben die Vertreter der Tea Party innerhalb der republikanischen Partei mit ihrem Versuch, durch ihre fiskalische Obstruktionspolitik Änderungen an der von ihnen bekämpften Gesundheitspolitik zu erzwingen, eine massive Niederlage erlitten. Auch zeigen Umfragen, dass diese Strategie in der Öffentlichkeit sehr unpopulär war. Die Verhandlungen über die konkrete Ausgestaltung der automatischen Ausgabenkürzungen, die bis zum 13. Dezember abgeschlossen werden müssen, dürften eine wichtige Indikation liefern, ob die Republikaner ihre Strategie anpassen oder in dem „Jetzt erst recht“ der Tea Party verharren.

In diesem Fall bleibt es abzuwarten, wie lange es der Fed gelingen kann, die negativen Auswirkungen eines weiteren fiskalischen Stillstands durch eine weitere Verschiebung der Rückführung ihrer Anleiheankaufprogramme zu kompensieren. Sollte der Markt allerdings zu der Auffassung kommen, dass der Kompromiss ausreicht, um der Fed nun doch eine baldige Rückführung ihres Ankaufsprogramms zu ermöglichen, könnte dies zu einer nachhaltigeren Stärkung des USD führen, auf die viele USD-Bullen schon seit einigen Monaten setzen.

Stefan Schneider ist Chief International Economist Deutsche Bank Research.

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  • Learn from history:

    http://www.youtube.com/watch?v=QU0XiklHPMc

  • "Hier zeigt sich die verschärfte Polarisierung in der amerikanischen Parteienlandschaft, die eine dauerhafte Einigung unter den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen in beiden Häusern nahezu ausschließt."

    Dass eine solche "dauerhafte Einigung" in "dieser Welt" (Zinsgeld-Ökonomie) prinzipiell unmöglich ist,...

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/schuldenbremse-und-wachstum.html

    ...kommt dem "Normalbürger" gar nicht erst in den Sinn.

    Um mit dem Denken anfangen zu können, muss zuerst das fehlerhafte Betriebssystem gelöscht werden:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/cancel-program-genesis.html

  • "Mit dem Kompromiss wurde nur ein wenig Zeit kauft – und die Aufmerksamkeit der Märkte wird sich wieder den US-Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen zuwenden." Unternehmensdaten interessieren doch die Märkte nicht. Das Einzige was zählt ist billiges Geld, das die Blase füttert.

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