Gastbeitrag zur Bankenunion
„Feuer frei für alle Raubritter“

Auf unseren Beitrag „Nie wieder Banken retten?!“ haben sich zahlreiche Leser gemeldet. Stellvertretend für viele andere schreibt der Vorstand einer Genossenschaftsbank, warum die Bankenunion die Falschen belastet.
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Auf unseren Beitrag „Nie wieder Banken retten?!“ von Dienstagabend haben sich zahlreiche Leser gemeldet. Viele halten nichts von der geplanten Bankenunion. Urban Krappen, Vorstand der VR-Bank Asperg-Markgröningen, erklärt in seinem Kommentar, warum nicht.

Als Vorstand einer Genossenschaftsbank mit 23.000 Teilhabern beziehungsweise Mitgliedern (Steuerzahlern/Verbrauchern) sehe ich in der Bankenunion eine ungute Entwicklung, denn die Gruppe der Genossenschaftsbanken, die als einzige Bankengruppe mit 17,4 Millionen deutschen Teilhabern keine Hilfe in der Finanzmarktkrise gebraucht hat und auch nicht bekommen hätte, weil einzelne Banken nicht systemrelevant sind und der Verbund der Genossenschaftsbanken über Generationen ein eigenes Sicherungssystem aufgebaut hat, soll nun mit dem Geld seiner Mitglieder zur Rettung maroder Sparkassen in Spanien oder anderen Banken in den EU-Ländern herangezogen werden. Einstehen für Finanzinstitute wie die ING Diba oder die RBS und andere, die den Genossenschaftsbanken mit gebührenfreien Geschäftsmodellen und Dumpingkonditionen seit Jahren massiv Konkurrenz machen.

Geht das dann nicht auf – wie 2008/2009 – sollen unsere Mitglieder diese Banken dann retten. Es sollen Geschäftsmodelle von Banken, die auf hemmungsloses Wachstum, Gewinnmaximierung und Verdrängung ausgerichtet sind und dabei hohe Risiken für die Quersubvention von unrentablen Geschäftsbereichen eingehen – wenn es dann schief geht – von solchen Banken aufgefangen werden, die ihren Förderauftrag gemäß Genossenschaftsgesetz gegenüber ihren Mitgliedern und ein nachhaltig solides Wirtschaften zum Ziel haben. Hierzu gehört übrigens auch die Erhebung fairer auskömmlicher Gebühren und Zinsen für die Inanspruchnahme von Leistungen. Die Bankenunion gibt das Signal „Feuer frei für alle Raubritter“, denn geht es schief, zahlen die soliden Konkurrenten die Rechnung.

Bei der mit sechs Milliarden Euro staatlich gestützten Commerzbank bekommt man sogar einen Euro pro Monat, wenn man mit ihr Geschäfte macht – was für ein Geschäftsmodell ist das eigentlich? Mitglieder von Genossenschaftsbanken sollen dank EU-Bankenunion für solche Geschäftsmodelle der Konkurrenz nun gleich dreifach haften? Einmal bei nationaler staatlicher Unterstützung als Steuerzahler, einmal als EU-Bürger im Haftungsverbund der EZB und anderer Rettungsfonds und ein drittes Mal als Teilhaber ihrer Genossenschaftsbank über die Bankenunion. Und da behaupten Politiker dann, man nähme die Haftung von den Steuerzahlern weg.
Gut ist diese Entwicklung also nicht, denn sie weist nicht in Schranken, sondern schwächt mittelständische Banken mit solidem Geschäftsmodell, wie die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Kommentare zu " Gastbeitrag zur Bankenunion: „Feuer frei für alle Raubritter“"

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  • Tja traurig aber wahrscheinlich wahr.

  • Der Asset Quality Review in Spanien und den anderen ClubMed-Ländern wird nicht von Wirtschaftsprüfern (wie in Deutschland und Österreich), sondern im Auftrag der EZB von den nationalen Bankaufsehern durchgeführt, die schon in der Vergangenheit versagt haben. Das bedeutet, dass die deutschen Kreditinstitute (und letztlich die deutschen Sparer) für die Altlasten der spanischen Banken usw. aufkommen müssen. Damit werden für die Zukunft falsche Anreize gesetzt. Es ist bezeichnend für die Mehrheitsverhältnisse in der EZB, dass sie sich darauf einlässt.

  • "Und da behaupten Politiker dann, man nähme die Haftung von den Steuerzahlern weg."

    Diese Bankenunion folgt der postmodernen Ideologie, dass alle gleich sein müssen. Problem: es sind nicht alle gleich und das gilt eben auch für die Finanzkulturen. Das merkt man beim Euro und auch bei der Bankenlandschaft. Da die Angelsachsen als Dominator des Weltfinanzsystems de facto die Vorgaben machen, wie eine Vereinheitlichung zu erfolgen hat, wird alles, was nicht in deren Schema passt, perspektivisch platt gemacht. Das gilt für eine stabile Währung die von einer auch geistig vom Finanzbetrugssystem unabhängigen Notenbank stabil gehalten wird, als auch für eine kleinteilige, realwirtschaftlich orientierte Finanzwirtschaft.Der Wahnsinn hat also Methode und ist gewollt. Die Früchte einer solchen weltweiten Finanzmonokultur werden wir in einigen Jahren ernten wenn der nächste jetzt schon absehbare Finanztsunami leichtes Spiel haben wird.

    Witzigkeit am Rande, die die verheerenden Schäden, die diese Gleichschaltung gerade für Deutschland bedeutet, illustriert, ist das Beispiel der Landesbanken. Denen verbot man vor einigen Jahren via EU die Gewährträgerhaftung der öffentlichen Hand und zerstörte so einen wesentlichen Teil ihres Geschäftsmodells. Damit zwang man sie dann in neue Geschäftsfelder u.a. die amerikanischen Ramsch-/Betrügerpapiere. Jetzt haben wir in den umgekehrten Fall, dass gerade für die privaten Großbanken wegen der ToBigToFail-Problematik praktisch eine Gewährträgerhaftung gilt. Da diese aber im Sinne der angelsächsischen Hochfinanz ist, stört es plötzlich niemanden.

    Die ganze Politiker-Bande redet um ihre NWO-Ideologie koste es, was es wolle, durchzupeitschen, nur noch mit gespaltener Zunge und dreht sich das Recht so hin, wie es passt - sei es beim Euro, der Krim/Ukraine oder Bankenunion.

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