Gastbeitrag zur Bildungspolitik
Tablets in der Schule sind nicht genug

In den Koalitionsverhandlungen stehen prestigeträchtige Milliardenprojekte im Vordergrund, die Bildungspolitik steht hinten an. Das ist gefährlich: Damit digitale Bildung erfolgreich wird, müssen wir die Gesetze ändern.
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Nun also Handys und Tablets für Schüler. Digitale Bildung für alle, und dann auch noch staatlich finanziert? Wem der Kulturpessimismus an der Seele nagt, wird die Ergebnisse der Koalitionsgespräche mit Schrecken zur Kenntnis genommen haben. Strotzt das Papier der Unterarbeitsgruppe „Digitale Agenda“ doch – zumindest rhetorisch – vor Zukunftslust und Innovationsfreue: Neben der heiter betitelten Initiative „Ein Netz für Kinder“ fordern die Autoren die „digitale Lehrmittelfreiheit“, eine umfassende Digitalisierung von Lehrinhalten und ein „Europaweites Gründungs- und Innovationsnetzwerk“ für Schulen und Hochschulen. „In einem kooperativen Miteinander von Bund und Ländern“ soll der digitale Bildungsstand praxisorientiert gestärkt werden.

Bei allem Zwist und Säbelrasseln der Koalitionsverhandlungen ist dieser Fahrplan immerhin ein Lichtblick. Denn im Bereich der digitalen Bildung steht Deutschland vor enormen Herausforderungen. Noch sind wir meilenweit davon entfernt, das Potential digitaler Bildungsangebote auszuschöpfen. Nicht die Technik macht Bildung gerechter, aber deren intelligenter Einsatz. Er kann Benachteiligten besseren Zugang eröffnen, individuelle Förderung und die Qualität der Bildungsangebote steigern.

Während hierzulande Handy- und Facebook-Verbot die Debatte bestimmen, entstand etwa in New York mit Hilfe von privaten und nationalen Fördermitteln in den letzten Jahre eine „Innovationszone“ des digitalen Lernens, gefördert mit privaten Spenden und 60 Millionen US-Dollar aus dem nationalen Programm „Race to the Top“. Mit Hilfe lernfähiger, adaptiver Software, die sich an die individuelle Lerngeschwindigkeit anpasst, optimieren dort die Lehrkräfte die individuelle Förderung. Hierzulande dominiert dagegen zumeist die Angst vor Konzentrationsverlust, Vereinsamung und anonymer Massenlehre. Auch die deutschen Hochschulen rüsten sich nur langsam für den unabwendbaren globalen Wettbewerb im digitalen Raum.

Die Politik hat offenbar erkannt, dass in einem Land, in dem viele Eltern und Lehrer Tablets in der Schule noch immer als Menetekel massenhafter digitaler Demenz begreifen, einiges nachgeholt werden muss. Dennoch hätte man sich von den Netzpolitikern von CDU and SPD mehr Mut zur Konkretion gewünscht, insbesondere da das Papier noch die große Runde der Verhandlungsführer beider Parteien passieren muss und dort sicherlich weiter zusammengestutzt wird.

Weitgehend offen bleibt neben der Finanzierung vor allem die Frage, welche legislativen Weichenstellungen auf dem Weg zu einer erfolgreichen Digitalisierung der Schul- und Hochschulbildung vorgenommen werden müssen. Fakt ist: In Deutschland wirkt vor allem das Recht, oder vielmehr dessen Graubereiche, als Innovationsbremse.

Kommentare zu " Gastbeitrag zur Bildungspolitik: Tablets in der Schule sind nicht genug"

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  • [Beitrag aufgrund von Zeichenbegrenzung in mehrere Teile aufgeteilt; Teil 4/4]
    Gruss BBiwy

    P.S.: Und mit dem Geschriebenen entlarve ich, dieses Vorhaben als nicht durchdacht. Auch wurde das nun Vorliegende bereits im Juni (teilweise) veröffentlicht [14].
    P.S.S.: Öffnungszeiten für Kommentare?! o rly?! oO (deswegen erst heute und nicht bereits am ersten Tag der Meldung...)
    Referenzen:
    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schultr%C3%A4ger
    [2] https://www.mannheim.de/sites/default/files/page/43107/haushaltsplan_entwurf_2014-2015.pdf (PDF-Version: S. 419)
    [3] http://pastebin.com/19rGquRM
    [4] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/Schulen/Tabellen/AllgemeinBildendeBeruflicheSchulenSchulartenSchueler.html
    [5] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/Schulen/Tabellen/AllgemeinBildendeBeruflicheSchulenSchularten.html
    [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Schulnetzwerk_%28EDV%29
    [7] https://de.wikipedia.org/wiki/Linux-Musterl%C3%B6sung
    [8] https://de.wikipedia.org/wiki/logoDIDACT
    [9] http://lmgtfy.com/?q=Technische+Ausstattung+an+Schulen
    [10] https://ww1.heidelberg.de/buergerinfo/vo0050.asp?__kvonr=16431&voselect=3629
    [11] http://waldschulpads.wordpress.com/2012/01/15/interessante-studie-uber-den-einsatz-des-ipads-im-grundschulunterricht/
    [12] https://de.wikipedia.org/wiki/LINBO
    [13] https://de.wikipedia.org/wiki/PaedML#Entwicklung
    [14] http://www.heise.de/newsticker/meldung/CDU-setzt-sich-fuer-Schule-2-0-ein-1875238.html

  • [Beitrag aufgrund von Zeichenbegrenzung in mehrere Teile aufgeteilt; Teil 3/4]
    Im Schulalltag kommen dann noch weitere Probleme:
    Du hast ein Tablet mit drei Apps (“Algebra“, “Taschenrechner”, “Trigonometrie”) für den Matheunterricht (1. Std.), nun kommt der Physiklehrer (2. Std.) und möchte seine “Physik” App auch auf dem Tablet. Beim PC wird mit Hilfe des SHEILA-Prinzips[12,13] ein Image mit den oben genannten Programmen erstellt und verteilt. Tablets haben diese Funktion (mangels LAN-Anschluss) nicht, d.h. der Netzwerkbetreuer (ein Lehrer mit insgesamt 2-3 Deputatsstunden zur technischen Vor-Ort-Betreuung) hat einen enormen Aufwand alle einzelnen Tablets (in einem Klassensatz: <30 Stk.) zu konfigurieren.
    Daneben muss geklärt sein, z.B. wer für die kostenpflichtigen Apps zahlt, die gegebenenfalls benötigt werden.
    Und, wenn mal ein anderer Schüler das Tablet hat, sind die Daten des Vorgängers, weg. Denn der neue Schüler braucht Speicherplatz zum Abspeichern seiner Dokumente.

    So ein Tablet ist also nicht gerade einfach ;-). Und mit dem Geschriebenen entlarve ich, dieses Vorhaben als nicht durchdacht. Auch wurde das nun Vorliegende bereits im Juni (teilweise) veröffentlicht[14].
    [...]

  • [Beitrag aufgrund von Zeichenbegrenzung in mehrere Teile aufgeteilt; Teil 3/4]
    Im Schulalltag kommen dann noch weitere Probleme:
    Du hast ein Tablet mit drei Apps (“Algebra“, “Taschenrechner”, “Trigonometrie”) für den Matheunterricht (1. Std.), nun kommt der Physiklehrer (2. Std.) und möchte seine “Physik” App auch auf dem Tablet. Beim PC wird mit Hilfe des SHEILA-Prinzips[12,13] ein Image mit den oben genannten Programmen erstellt und verteilt. Tablets haben diese Funktion (mangels LAN-Anschluss) nicht, d.h. der Netzwerkbetreuer (ein Lehrer mit insgesamt 2-3 Deputatsstunden zur technischen Vor-Ort-Betreuung) hat einen enormen Aufwand alle einzelnen Tablets (in einem Klassensatz: <30 Stk.) zu konfigurieren.
    Daneben muss geklärt sein, z.B. wer für die kostenpflichtigen Apps zahlt, die gegebenenfalls benötigt werden.
    Und, wenn mal ein anderer Schüler das Tablet hat, sind die Daten des Vorgängers, weg. Denn der neue Schüler braucht Speicherplatz zum Abspeichern seiner Dokumente.

    So ein Tablet ist also nicht gerade einfach ;-). Und mit dem Geschriebenen entlarve ich, dieses Vorhaben als nicht durchdacht. Auch wurde das nun Vorliegende bereits im Juni (teilweise) veröffentlicht[14].
    [...]

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