Gastbeitrag zur Euro-Krise

Fed-Politik ist keine Option für die EZB

In Europa wird gefordert, die EZB solle dem Beispiel der Fed folgen und Staatsanleihen kaufen. Nach dem Motto: Warum sollte hier nicht klappen, was in den USA funktioniert hat? Doch Europa braucht eine andere Strategie.
10 Kommentare
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main: „Was aber ist für Europa opportun? Die EZB bewegt sich mit den jüngsten Programmen zum Ankauf von Wertpapieren des privaten Sektors bereits in Richtung QE.“ Quelle: dpa

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main: „Was aber ist für Europa opportun? Die EZB bewegt sich mit den jüngsten Programmen zum Ankauf von Wertpapieren des privaten Sektors bereits in Richtung QE.“

(Foto: dpa)

Um stolze 3,5 Prozent ist die US-Wirtschaft im dritten Quartal gewachsen. Gleichzeitig beendet die Fed ihre unkonventionelle Geldpolitik des Quantitative Easing (QE). In Europa wird gefordert, die EZB solle dem Beispiel der Fed folgen und Staatsanleihen kaufen. Warum sollte hier nicht klappen, was in den USA scheinbar funktioniert hat? Welche Alternativen gibt es sonst, die Konjunktur zu beleben und die Deflationsgefahr zu bannen?

Wie erfolgreich das QE-Programm mit seinen Anleihekäufen wirklich war, wird sich erst zeigen, wenn sich die US-Konjunktur nachhaltig stabilisiert hat. Auch ist noch nicht klar, ob diese Art der Geldpolitik gefährliche Preisblasen nach sich zieht. Für ein finales Urteil ist es deshalb zu früh.

Was aber ist für Europa opportun? Die EZB bewegt sich mit den jüngsten Programmen zum Ankauf von Wertpapieren des privaten Sektors bereits in Richtung QE. Ob ein darüber hinaus gehender Ankauf von Staatsanleihen der schwachen Konjunktur auf die Sprünge hilft, darf bezweifelt werden. Zudem wären die Risiken enorm. Verschlechtert sich die Konjunktur aufgrund eines externen Schocks weiter, hätte die EZB einen Großteil ihres Pulvers verschossen. Hinzu kommt: Der institutionelle Rahmen der Eurozone lässt einen solchen Kurs schlichtweg nicht zu. Außerdem kann die derzeitige Rolle der EZB als „Feuerlöscher“, der pragmatisch eingreift, aber vereinbarte Regeln verletzt, kein Dauerzustand sein. Vor allem, wenn dies als Ersatz für Reformen verstanden wird. Das betont im Übrigen auch die EZB.

Michael Menhart ist Chefvolkswirt des Rückversicherers Munich Re.

Michael Menhart ist Chefvolkswirt des Rückversicherers Munich Re.

Wer für groß angelegte Staatsanleihekäufe plädiert, muss akzeptieren, dass gemeinsame Haftung mit gemeinsamer Kontrolle einher gehen muss. Das würde eine politische Union, also eine stärkere Integration und Abgabe staatlicher Souveränität bedeuten. Dafür gibt es derzeit weder in der Bevölkerung noch in Brüssel hinreichend Unterstützung. Auch für die gegenteilige Position, die eine gemeinsame Haftung ablehnt und eine Rückkehr zu den strengen Maastricht-Kriterien fordert, fehlen die Mehrheiten, allen voran in den Krisenländern. Und auch Deutschland wird sich – Maastricht hin, Maastricht her – trotz „schwarzer Null“ wieder flexibler zeigen, wenn es die ökonomische Lage erfordert.

Da es derzeit also für keine dieser beiden Positionen politische Mehrheiten gibt, wird sich der bisherige Ansatz des Durchwurstelns wohl fortsetzen. Die EZB wird als letzte Instanz den Euro mit allen Mitteln verteidigen. Allerdings muss die Politik dringend erkennen, dass das Instrumentarium der EZB alleine nicht ausreicht, um die zahlreichen Probleme in der Eurozone zu lösen. Strukturelle Reformen sind unabdingbar, ebenso weitere Schritte politischer Integration. Und wenn zur Überwindung der aktuellen Wachstumsschwäche Investitionen etwa in Infrastruktur diskutiert werden, ist dies schon allein deshalb ein Fortschritt, weil eine Diskussion über Fiskalpolitik mehr demokratische Legitimation genießt als das Vertrauen auf eine allmächtige Zentralbank.

Der Autor: Michael Menhart ist Chefvolkswirt von Munich Re

Startseite

Mehr zu: Gastbeitrag zur Euro-Krise - Fed-Politik ist keine Option für die EZB

10 Kommentare zu "Gastbeitrag zur Euro-Krise: Fed-Politik ist keine Option für die EZB"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • So etwas, wie wir es heute sehen gab es noch nie in der Weltwirtschaftsgeschichte. 2008 wurden Milliarden von Dollars verpulvert, weil das ganze Wirtschafts-und Bankensystem ein Kartenhaus war (und noch ist) das auf Fundamenten basiert, die nur auf dem Papier bestehen ,aber nicht realwirtschaftlich. Zudem galoppiert die Verschuldung der westlichen Länder rasant, Geldliquiditäten werden eingespritzt, die nur spärlich in die Wirtschaft gelangen. Ganz im Gegenteil, sie werden von Börsianern begrüsst, denn Billiggeld begünstigt das Wetten in den "Casino- Börsen". Aktien widerspiegeln gar nicht mehr die fundamentalen Daten der Wirtschaft. Alles ist krank, die Aktionen der Notenbanken sind nur Verzweiflung vor dem Untergang.

  • Teil 2

    Der letzte US-Präsident, der die "Fed" entmachten wollte, hieß John F. Kennedy.

    Am 4. Juni 1963 hat er den Executive Order No. 11110 unterschrieben – eine Verordnung, die es der US-Regierung ermöglichte, eigenes, durch Silber gedecktes Geld (die United States Note) herauszugeben, anstatt Zinsen für Federal Reserve Notes zu bezahlen!

    1963 kursierten vorübergehend Dollar-Noten von 2 verschiedenen Emittenten!

    Original-Exemplare und Abbildungen, die dies belegen, sind auch heute noch leicht zu finden.
    Sie unterscheiden sich vor allem durch den mittigen Schriftzug oben.

    Auf dem Staatsgeld steht "United States Note".
    Auf dem Privatgeld der "Fed" steht "Federal Reserve Note".

    Kennedy wurde am 22. November 1963 laut den Konzernmedien durch die Kugel eines geistig verwirrten Einzeltäters getötet.

    Kennedys Stellvertreter und Nachfolger, Lyndon B. Johnson, hat in seiner ersten Amtshandlung Executive Order No. 11110 ausgesetzt!

    Das Staatsgeld wurde aus dem Verkehr gezogen, und seither hat sich kein US-Präsident mehr in die höhere Politik eingemischt.

    http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/60/die-jahrhundertluege-die-nur-insidern-bekannt-ist.php

  • @ nampf:

    Der ESM reicht jedoch nicht hin zum Ankauf von Staatsanleihen.

    Das wäre auch nicht nötig, sofern die EZB ankaufen dürfte, was noch das BVerfG verhindert.

    Die entsprechende Vorlage an den EuGH ist ein famoser Trick, um ebendies zumindest vorerst in der Schwebe zu halten.

    Sollte der EuGH das eines Tages anders sehen, wird das BVerfG entsprechend seiner im Beschluß angekündigten Absicht bundesintern aktiv gegenüber der Regierung.

  • ESM soll Banken künftig direkt finanzieren!

    Heimlich, still und leise schon wieder ein Rechtsbruch: Der ESM-Gouverneursrat soll ermächtigt werden, für eine Änderung der ESM-Satzung zu stimmen.

    Konkret geht es darum, dem ESM auch direkte Finanzhilfen für Banken und andere Finanzinstitute zu ermöglichen.

    „Damit bestätigen sich unsere Sorgen. Wovor alle Kritiker des ESM seit seiner Einführung warnten, soll nun Realität werden. Künftig können dann die Steuergelder insbesondere der deutschen Bürger in beliebiger Höhe zur Rettung von Banken, vor allem im Süden Europas, herangezogen werden“, so Prof. Christoph Zeitler, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Liberalen Vereinigung.

    Warum erfahren wir in den Systemmedien nichts über ESM?

    Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/19535-esm-soll-banken-kuenftig-direkt-finanzieren#14151989112092&if_height=205

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/05/nach-juncker-will-nun-auch-eu-praesident-martin-schulz-den-esm-pluendern/

  • Was hat denn bei der privaten FED geklappt?

    Die private Fed blähte durch QE ihre Bilanzsumme von rund 900 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008 auf derzeit rund 4,5 Billionen US-Dollar auf – eine unvorstellbare Summe!

    Die sogenante "Amerikanische Zentralbank Federal Reserve" ist ein Privatunternehmen!

    Hängen wir alle am Tropf eines privaten Geldmonopols?

    Die amerikanische "Nationalbank" nennt sich heute "Federal Reserve" (kurz "Fed").
    Sie ist aber weder föderal noch national, sondern privat und gehört über verschiedene Zwischenstufen einigen mächtigen Familien!

    Die "Produktion" von Geld geschieht heute nicht mehr über die Ausgabe von Banknoten durch den Staat, sondern u. a. durch den Kauf von Staatsanleihen!

    Dem Staat (Uns) wird ein Guthaben als Kredit zugeschrieben, das er verzinst an die Bankiersfamilien der privaten FED zurückzahlen muss!

    Vor 100 Jahren, am 23.12.1913, verkaufte U.S.-Präsident Woodrow Wilson mit der Unterzeichnung des (verfassungswidrigen) Federal Reserve Act (Executive Order Number 10289) das amerikanische Volk und die gesamte Weltbevölkerung an die globalen Bankiersfamilien!

    Das Fed ist keine staatliche (wie der Name suggeriert), sondern eine private Institution.
    Bis heute sind die Eigentümer des Fed geheim.
    Es ist das bestgehütete Geheimnis aller Zeiten.

    Die "Fed" ist so mächtig, dass weder die Regierung der USA noch der Kongress oder das Repräsentantenhaus ein Recht haben, in ihre Bücher zu schauen.

    Die deutsche Bundesbank verfügt angeblich über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Der größte Teil dieser Goldbarren lagert in den Kellern der privaten "Fed". Auch hier ist eine Inventur offenbar nicht durchsetzbar und die Bundesbank verweigert jede Auskunft dazu!

    Warum erfahren wir in den Systemmedien nichts über das Geldmonopol bzw. Schuldgeldsystem der privaten FED?

    Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

    www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/16322-gruendung-fed#14151983005992&if_height=205

  • Bankrottversicherung!
    ---------------------
    Die Diskussionen über die Fed Politik dürften im
    Moment nur als Ablenkungsmanöver benutzt werden.
    Erstrangig wird der Zugriff der Bankenbranche auf
    den ESM sein, welcher nur noch Morgen am 6. Nov. 14
    vom Bundestag durchgewunken werden braucht, womit
    man meint den bevorstehenden Eurosionscrash noch
    verhindern zu können.
    An die Auflagen des ESM, der nur Finanzhilfen an
    Staaten, aber nicht an Finanzinstitute erlaubt
    wird sich die EZB, sowie der Bundestag so wenig
    halten, wie das Verbot des Anfkaufs von Staats-
    anleihen im Rahmen des 'Quantitative Easing' durch
    die EZB. Diese Schulden mit Schuldenbekämpfung hat
    in der Wirtschaftsgeschichte noch niemals funk-
    tioniert, auch wenn man meint mit der 'Bankenunion'
    eine Bankrottversicherung für den Fianzsektor ge-
    schaffen zu haben, der sich früher oder später als
    Illusion erweisen wird.

  • @Cal Andersen

    "So ist es - es fehlt der EZB an der Ermächtigung"

    Wir haben schon ein Ermächtigungsgesetz, es nennt sich ESM.

  • "...ebenso weitere Schritte politischer Integration."

    Die politische Integration ist das Problem, nicht die Lösung. Aber Gehirnwäsche ist in HB-Artikeln gerade richtig in Mode.

  • So ist es - es fehlt der EZB an der Ermächtigung.

    Ob der vorgebliche Erfolg - 3,5% sind es aufs Jahr hochgerechnet, nicht aber real - in USA der Fed zu danken ist, bleibt zweifelhaft.

    Greenspan, Bernanke und auch Yellen reden öffentlich von der mangelnden Erfahrung mit QE und ZIRP. Damit zeigen sie ihre Unsicherheit über deren Wirkung und Ergebnis.

    Auch das Gegenteil - nämlich Schädigung von Wirtschaft, Staat und Menschen - könnten sehr leicht durch die von der Fed eingeführten QE und Nullzinspolitik verursacht werden.

    Um dies entscheiden zu können, braucht es noch Zeit.
    Als Beispiel jedenfalls taugt weder die Fed noch ihre Politik.

  • Was hat denn bei der FED geklappt? Wer sich abseits des Mainstreams auch(!) informiert, sieht die Dinge etwas kritischer. Schon mal was von zerohedge gehört? Shadowstats, etc.? Nein? Dann wird's aber Zeit!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%