Gastbeitrag zur Konjunkturabkühlung

„Dieser Irrsinn wird mit einem Knall enden“

Die Notenbanken erkaufen Zeit, Anleger lassen sich blenden und die Börsenkurse klettern auf Rekordstände, losgelöst von der Realwirtschaft. Die Folge ist klar, meinen die Ökonomen Friedrich und Weik. Und sie wird wehtun.
  • Marc Friedrich und Matthias Weik
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Die Börse in Frankfurt: Die Kurse sind künstlich aufgebläht durch das billige Geld der Notenbanken. Quelle: dpa

Die Börse in Frankfurt: Die Kurse sind künstlich aufgebläht durch das billige Geld der Notenbanken.

(Foto: dpa)

Matthias Weik und Marc Friedrich haben gemeinsam die Wirtschaftsbücher „Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ und nun „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“. Beide Bücher waren erfolgreich: Der Crash ist die Lösung“ etwa kam in die Top 10 der „Spiegel“-Bestsellerliste sowie auf Rang 1 beim Handelsblatt und dem Manager Magazin.

Weltweit sind die Schulden seit 2008 um 43 Prozent auf über 100 Billionen Dollar gestiegen. Nichtsdestotrotz kannten die Aktienmärkte seit 2009 nur noch einen Weg – und zwar nach oben. Wie von Sinnen haben sich die Anleger – getrieben von der Gier nach Rendite – abermals blenden lassen.

Global versuchen die Notenbanken mit historisch niedrigen Zinsen und somit viel billigem Geld der Krise entgegenzusteuern, die ja erst auf Grund niedriger Zinsen entstanden ist. Dax, Dow Jones, Nikkei haben sich seit ihrem Tief 2009 mehr als verdoppelt. Die Probleme der globalen Krisen sind jedoch nicht ansatzweise gelöst.

Die Notenbanken überschütten die (Banken-)Welt lediglich mit billigem Geld und die Börsen haben Mitte dieses Jahres dadurch weltweit Rekordstände erklommen – völlig losgelöst von der Realwirtschaft. Jetzt ziehen Wolken am heiteren Aktienmarkt auf: Der Exportweltmeister Deutschland schwächelt. Die Realität zieht ein, und das Kartenhaus beginnt bedrohlich zu wanken.

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik sehen keine Zukunft für Griechenland im Euro. Quelle: PR
Die Ökonomen Friedrich und Weik

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik sehen keine Zukunft für Griechenland im Euro.

(Foto: PR)

Dafür, dass die Party an den Märkten bereits seit 2009 anhält, haben die Notenbanken mächtig auf die Tube gedrückt. Die EZB drehte kontinuierlich an der Zinsschraube und reduzierte den Zinssatz auf das gegenwärtige Rekordtief von 0,05 Prozent. Dies hat den Märkten lange Zeit genutzt – enteignet uns Sparer jedoch tagtäglich schleichend.

In den USA sehen wir das gleiche Spiel. Die US-Notenbank Fed drückte den Leitzins von 0 bis 0,25 Prozent. Ferner hat die Fed seit dem Lehman-Crash an 85 Prozent aller Handelstage in die Märkte eingegriffen. Dies ist aus rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten äußerst fragwürdig, und es stellt sich die Frage, ob das Markt- oder doch eher Planwirtschaft ist. Außerdem sollte sich jeder Aktionär fragen, ob er weiterhin in einen nachweislich manipulierten Markt investieren möchte, der Schritt für Schritt von der Notenbank mit immensen Rettungspaketen und Stützungskäufen nach oben gehievt wurde.

Die Maßnahmen der Notenbanken haben uns zwar teuer ein paar Jahre Zeit erkauft, die Ursachen der Krise jedoch nicht ansatzweise gelöst. Das Resultat sehen wir nun. Verheerende Fakten aus der Realwirtschaft werden weiterhin erfolgreich ignoriert. Die Verschuldung in den USA nimmt mittlerweile abstruse Ausmaße an. Pro Minute steigt die US-Verschuldung um zehn Millionen Dollar. Heute steht das Land mit knapp 17,9 Billionen Dollar in der Kreide. Nichtsdestotrotz wird gefeiert, wenn die Schuldenobergrenze abermals in letzter Sekunde angehoben wird, damit mit neuen Schulden alte Schulden bezahlt werden können.

Auf Dauer ist es jedoch unmöglich, Schulden mit Schulden zu begleichen. Die US-Notenbank Fed kauft pro Monat für insgesamt 15 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere auf, um die Märkte zu stabilisieren. Mittlerweile ist die Fed vor China größter Gläubiger der USA. Die Gesamtbilanz der Fed ist auf gigantische 4,4 Billionen Dollar angeschwollen.

Schadensmaximierung auf Kosten von uns Bürgern
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46 Kommentare zu "Gastbeitrag zur Konjunkturabkühlung: „Dieser Irrsinn wird mit einem Knall enden“"

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  • Die Lösung ist einfach: richtiges, werthaltiges Geld statt beliebig vermehrbarer Schuldscheine.
    Nur ist das gleichzeitig das Ende aller sozialistischer Wohlfahrtsideologien und -Staaten und das ende des Wählerstimmenkaufens.

  • @ Herr Ramon Schreiber


    Der nächste Crash darf gerne kommen und er wird kommen. Dann kann man Unternehmensbeteiligungen von solchen Unternehmen günstiger kaufen

    Womit wollen Sie Beteidigungen kaufen. Etwa mit wertlosem Geld. Eine schöne rosarote Welt, die Sie hier zeichnen.
    Nur hat ihre Welt mit den Erfahrungen der letzen Crashs nicht gemein und mit der Realität auch nicht.

    Vielleicht sind sie noch zu jung oder habens vergessen:

    Menschen mit einem großen Schild um den Hals auf dem steht

    Nehme jede Arbeit an.

    Bei der geschildeten Herrlichkeit haben Sie ganz vergessen, wer dies bezahlen soll und womit.

    Schönen Abend noch.

  • Das Kapitel: 'Wie schütze ich mein Geld', finde ich wenig hilfreich. Wie soll ich mich an einem Regionalprojekt beteiligen? Ich bin doch kein Wirtschaftsprüfer. Und Naturalanlagen! Soll ich Wiesen und Wälder kaufen? Bin weder Landqwirt und Förster und verstehe nichts davon. Dann soll ich mir Whisky in den Keller stellen. Komiker! Aber kein Wort zu Fremdwährungen: Kanadischer Dollar oder Finnische Krone!? Und das Papier (Aktien) kein Geld verdienen, stimmt auch nicht (s. Statistiken). Das Buch ist wenig hilfreich, unausgegoren und ich habe immer den Schalk hinter den Vorschlägen gesucht, aber die meinen das ernst! Reißerisch aufgemacht, aber wenn die Alternativen so lächerlich ausfallen, taugt das ganze Buch nichts!

  • Zum Buch "Der Crash ist die Lösung" und zu obigem Artikel möchte ich Folgendes sagen:
    Die Beschreibung der jüngeren Wirtschaftsgeschichte und des aktuellen Schuldenniveaus entspricht wohl der Realität. Die Schlüsse, welche die Autoren ziehen, sind meiner Meinung nach falsch.

    1. Crashs an den Finanzmärkten sind keine seltenen Erscheinungen. Mit der Prognose eines Crash wird man auf Dauer immer Recht behalten.

    2. Trotz immer wiederkehrender Crashs in der Wirtschaftsgeschichte hat uns keiner dieser Einbrüche in die Gesellschaft der "Jäger und Sammler" zurück befördert. In so großem Wohlstand, wie heute, hat noch keine Generation in Deutschland gelebt.

    3. Auch zukünftige Crashs werden uns nicht ins Höhlenmenschendasein zurück führen. Unabhängig in welcher Währung wir in Zukunft bezahlen werden: Die Menschen werden arbeiten gehen, um Lebensmittel und andere Güter zu produzieren, die wir zum Leben brauchen. In keinem Crash der Menschheitsgeschichte sind alle Unternehmen zeitgleich Pleite gegangen. Das wird auch in Zukunft nicht passieren. Und auch in Zukunft werden die Menschen Bedürfnisse haben. Und es wird auch in Zukunft Menschen und Unternehmen geben, die die Bedürfnisse der Menschen erfüllen. Solche Unternehmen werden auch in Zukunft erfolgreich sein. Der nächste Crash darf gerne kommen und er wird kommen. Dann kann man Unternehmensbeteiligungen von solchen Unternehmen günstiger kaufen. Wer heute schon Geld übrig hat, der kann auch heute solche Unternehmen kaufen. Denn egal, ob die Aktienmärkte kurzzeitig kollabieren oder nicht. Die Menschen werden Nahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs benötigen. Gold kann man übrigens nicht essen.

  • Der Knall wird noch Größer für EU-Deutschland ausfallen. Es ist nämlich nicht nur der ESM, der unsere EU-Deutsche Volkswirtachaft belastet, sondern das EEG - Ethik-Energiewende einer grünsozialistischen Merkel im schwarzen Gewand ist für unseren industriebasierenden modernen (stromintensiven,zuverlässigen) Wohlstand noch gefährlicher!

  • "...Transferleistungen aus CDU/CSU dominierten Bundesländern..."

    Diese wiederum sind die Steuererträge von Renditen, die durch verschenktes DDR Volkseigentum an Boden und Betriebsmitteln an CDU/CSU-Freunde zustande kamen und kommen. So what?

  • Täuschen Sie sich nicht. Die "Reichen" legen ihr Geld nicht auf der Bank an. Es gibt zu jeder Zeit gute Möglichkeiten zum Geld verdienen. Probleme haben eher Pensionskassen, Stiftungen und andere institutionelle Investoren, die vorgegebene Investitionskriterien erfüllen müssen und auf regelmäßige Sichere Erträge angewiesen sind.

    Überhaupt schreiben hier so viele Leute Kommentare, die wenig bis gar keine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen haben.

  • Ziemlich überzogen und in den meisten Fällen falsche Schlüsse daraus gezogen.
    Sehr populistisch, aber damit kommt man nun mal in die Top 10. Um das alles ins rechte Licht zu rücken, müsste man wohl selbst ein Buch schreiben, das sich mehr an die Realität anlehnt.

  • in unserer globalisierten Welt ist der kommende crash nicht mehr aufzuhalten. Um ihn aufhalten zu können müssten die Politiker zusammen arbeiten - gemeinsam mit den Notenbanken. Aber in irgendeiner wichtigen Region wird immer gerade eine Wahl sein ...
    Die Politiker von dort werden nicht mitziehen. und selbst wenn, dann werden sie abgewählt. und alles würde rückgängig gemacht -> siehe Frankreich mit Holande und Rentenalter. Inflation? funktioniert nur wenn der Bürger gezwungen ist zu kaufen. Aber die Menschen leben in Punkto Konsumgüter schon lange im Überfluss. Es wäre für die allermeisten kein Problem mal ein Jahr ausser Lebensmitteln, Getränken, Tabakwaren, Energie und Seifenwaren nichts zu kaufen. Nur eine Inflation nur in den Bereichen rettet nichts, denn damit können die Steuerausfälle in den anderen Bereichen nicht aufgefangen werden.
    Inflation hat vor 100 Jahren gewirkt. Da hatte der Ottonormalbürger zwei Anzüge und die Frau zwei Kleider. eines für Alltags eines für Sonn- und Feiertage. wenn eines abgetragen war, war sie gezwungen ein neues zu kaufen. Es gab keine Fernseher, waschmaschines etc. Man richtete sich nicht alle drei Jahre neu ein. Ein Bett hielt 100 Jahre durch. Heute hat ein normaler Haushalt 3 Fernseher, Spül- und Waschmaschine sind Standart und viele andere Geräte ebenfalls. Die werden häufig ausgetauscht weil gerade eine andere Farbe modern ist, oder weil die Technik besser geworden ist, nicht weil sie kaputt sind. Es wäre kein Problem mal zwei drei Jahre nichts neues zu kaufen. und da in der Zeit viele Geschäfte und Firmen pleite gehen wird es immer mal wieder günstige Produkte geben.
    Sorry, aber Inflation kriegen die wirklich nur noch bei Aktien und Immobilien hin. :-)

  • "Was will man lösen, wenn die Ursachen alles andere als klar sind ?"

    Ich denke die größten Urschen sind klar, nur sollte man dem Problem bis zu den Wurzeln auf den Grund gehen, wo erstmal ein Umdenken in der Wirtschaftswissenschaft stattfinden sollte.

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