Gastbeitrag zur WM 2022
„Zuschlag an Katar ist ein tragischer Fehler“

Der Fußball-Weltverband fällt bisher nicht als Verteidiger der Menschenrechte auf. Höchste Zeit für Fifa-Chef Blatter, Verantwortung für die Missstände in Katar zu übernehmen – und dem Emirat die WM notfalls wegzunehmen.

„Fußball für alle, alle für den Fußball!“ Dieses Motto, mit dem sich Sepp Blatter im Internetauftritt der Fifa vorstellt, wirkt in diesen Tagen wie blanker Hohn. Der Bericht von Amnesty International über schwerste Menschenrechtsverletzungen beim Bau der Stadien für die Fußballweltmeisterschaft in Katar 2022 zeigt: Der unkonditionierte Zuschlag an das menschenrechtsmissachtende Regime war für viele Menschen vor Ort ein folgenreicher und tragischer Fehler.

Die überwiegend aus Nepal, Sri Lanka und Indien stammenden Gastarbeiter, die in Katar die WM-Stadien und die notwendige Infrastruktur bauen, werden nicht nur unter falschen Versprechungen in das Emirat am persischen Golf gelockt. Ihnen werden die Pässe abgenommen – de facto eine Form der modernen Sklaverei, wie wir sie auch aus der Zwangsprostitution kennen. Sie müssen außerdem unter katastrophalen Bedingungen etwa bei über 40 Grad ohne ausreichend Wasser an den Großbaustellen schuften, hausen in menschenunwürdigen Unterkünften, haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Viele sterben an den Strapazen, wie der Guardian bereits im September berichtete. Was wir hier erleben ist die Entrechtung des Rechts.

Dafür trägt auch die Fifa mit ihrer Entscheidung für Katar die Verantwortung. Aus dieser kann sie sich nicht davon stehlen. Wenn grundlegende Menschenrechte „für den Fußball“ mit Füßen getreten werden, dann dürfen die obersten Vertreter des Weltfußballs also nicht wegschauen. Es ist eigentlich selbstverständlich, dass sie sich unmissverständlich für das sofortige Ende dieses Unrechts einsetzen, scharfe Kontrollen organisieren und Konsequenzen ziehen. Doch die Realität des organisierten Fußballs sieht offensichtlich anders aus. Sepp Blatter hat sich lediglich mit Allgemeinplätzen zu den Vorwürfen geäußert, vom Präsidenten der Uefa, Michel Platini, ist bislang gar nichts außer lautem Schweigen zu vernehmen.

Doch auch ihnen dürfte der höchst problematische Umgang Katars mit persönlichen Freiheits- und elementaren Menschenrechten hinlänglich bekannt sein, er betrifft schließlich nicht nur die Gastarbeiter auf den Baustellen. Der französische Fußballprofi Zahir Belounis wird seit über zwei Jahren aufgrund von Rechtsstreitigkeiten mit seinem Verein in Katar gefangen gehalten. Reisesperren für unliebsam gewordene Ausländer sind übliche Praxis.

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„Fußball um jeden Preis?“

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