Gastbeitrag
Zypern ist überall

Mit Abgestumpftheit reagieren Manager auf die Zypern-Krise, meint Management-Berater Klaus Schuster. Dabei sollten eigentlich die Entscheidungsträger krisensensibel sein. Was Manager aus der Misere lernen können.
  • 2

„Zypern brennt“, verkündete mir in diesen Tagen ein vorbeihetzender Trader, der schnell noch ein paar bis zuletzt offen gebliebene Risiken hedgen musste. Die Manager-Runde, die ich kurz danach traf, trug die Stirn sorgenumwölkt. Ein Vorstand meinte: „Die Bankomaten auf Zypern spucken kein Geld mehr aus, die Liquidität knirscht schon und wenn die EZB in den kommenden Tagen ihre Zahlungen einstellt, haben wir Lehman 2.0: Keiner weiß, was dann passiert. Passiert gar nichts – oder explodiert das System wieder?“

Beunruhigend. Schockierend.

Nein, nicht Zypern. Sondern die Reaktionen im Management. Denn wir sind schon so lange mit der Euro-Krise konfrontiert, aber im Topmanagement herrscht bei jeder neuen seismischen Erschütterung à la Zypern immer noch entweder Panik oder Unempfindlichkeit gegenüber der Krise und Ahnungslosigkeit bezüglich der zu ergreifenden Krisenmaßnahmen. Lernkurve bezüglich Störungen des Systems? So flach wie die Po-Ebene.

Und so kommt es, dass teuer bezahlte externe Krisenhelfer immer wieder dieselben Krisenfehler ausbügeln müssen, die eigentlich vermeidbar sind. Betrachten wir die häufigsten Patzer.

Krisenpatzer #1: Der Radikal-Reflex

Schlägt die Krise zu, reagieren viele Manager ihr aufgestautes Adrenalin in einer Radikal-Reaktion ab: Totalumbau! Strategiewechsel! Vertriebsstruktur austauschen! Vorstand erneuern! Outsourcing! Nach Asien gehen! Assets verkaufen!

Diese „Big Moves“ kosten viel, wirbeln viel Staub und das ahnungslose Staunen des Aufsichtsrates auf und profilieren den angeblichen Krisenhelfer als Inkarnation der Wiederkunft Christi – und das sind dann auch die drei greifbarsten und meist einzigen Ergebnisse des Radikal-Reflexes. Denn als Antwort auf die Krise sind solche Totalumbauten meist völlig deplatziert – auch und gerade weil sich Berater mit solchen Großprojekten natürlich eine goldene Nase verdienen.

Totalumbauten sind meist total pauschal – mit systematischen Störungen umzugehen dagegen ist hoch spezifisch. Dabei werden zunächst einmal die von der Krise unmittelbar betroffenen Produkt- und Wertschöpfungslinien angeschaut und ganz spezifische Anti-Krisen-Maßnahmen auf in die Wege geleitet.

So gibt es in jeder Absatzkrise zum Beispiel Unternehmen, die ihren kompletten Vertrieb umkrempeln und damit nur noch tiefer in die Krise rutschen. Jene, die lediglich unrentable Produkte und Vertriebskanäle zurückfahren, kommen sehr viel besser durch die Krise: Radikalität ist kein Krisenrezept.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Zypern ist überall "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • zypern ist überall dort wo man konsequentes handeln nach marktgesetzen aufgeweicht hat um bestimmten personengruppen ein leben in saus und braus zu ermöglichen.

    das marktgesetz ist:
    - kredite nur gegen akzeptable gegenleistungen, wer dies mißachtet muß selbst dran glauben und geht leer aus

    oder einfacher: wenn du deine schulden nicht begleichen kannst bist du pleite

    im fall griechenland, spanien, portugal, zypern usw. haben die best-bezahlten beamten in der eu geschlafen, haben sich verscheißern lassen, einfach ihren job nicht gemacht. wollen aber nun auch noch mehr geld.

    eu zerbreche ! damit das korrupte gesindel kein geld mehr mit nichtstun bekommt !

  • Man weiss in der höheren MAnager-Riege längst ganz genau dass fast der komplette EU Raum am absterben ist und nur noch deshalb existiert weil ein paar PAppenheimer die Zahlen manipulieren. Ich sage nur Frankreich und Italien, die längst pleite sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%