Gastbeiträge

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Gastkommentar: Amerika muss zwischen zwei Visionen entscheiden

Beim US-Wahlkampf stehen die Staatsverschuldung und die soziale Frage im Mittelpunkt. US-Ökonom Lachman sieht die Amerikaner nicht nur für ihr Land wählen, sondern auch für den Kurs der Weltwirtschaft.

Desmond Lachman ist Ökonom am American Enterprise Institute in Washingten.
Desmond Lachman ist Ökonom am American Enterprise Institute in Washingten.

Am 6. November wird ein tief gespaltenes Wahlvolk in Amerika einen neuen Präsidenten und einen neuen Kongress wählen. Die Bedeutung dieser Wahl für die USA und für die Aussichten der Weltwirtschaft lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Stehen sich doch zwei sehr unterschiedliche Visionen gegenüber, wie Amerika auf seine ökonomischen Herausforderungen reagieren soll. Diese Auseinandersetzung kommt zu einem Zeitpunkt, da die US-Wirtschaft erneut schwächelt und viele Amerikaner befürchten, die Globalisierung könnte ihre Jobs gefährden.

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Die jüngsten Meinungsumfragen zeigen, dass eine überwältigende Mehrheit der Amerikaner gegen eine Verlagerung von US-Jobs ins Ausland ist und zudem glaubt, dass die USA gegenüber der Exportförderung Chinas zu nachgiebig sind. Die Handelspolitik dürfte daher eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen. Präsident Barack Obama hat bereits seinen Herausforderer Mitt Romney kritisiert, weil der sich als Chef der Private-Equity-Firma Bain angeblich zu wenig um die Verlagerung von Jobs geschert habe. Romney hält dem Präsidenten dagegen vor, dass er die Währungsmanipulation Chinas viel zu lange geduldet habe.

Zu den großen Streitthemen gehört allerdings auch die Frage, wie Amerika seine Staatsfinanzen in Ordnung bringen soll. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt das aktuelle Haushaltsdefizit immer noch auf etwa acht Prozent. Die Staatsverschuldung liegt bei 105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dass dieser Zustand unhaltbar ist, ist den meisten Amerikanern klar und führt bei ihnen zu erheblichen Ängsten. Kein Wunder also, dass sich Obama und Romney gerade in der Finanzpolitik am deutlichsten unterscheiden.

US-Wahl 2012

Obama ist der Meinung, dass eine Haushaltskonsolidierung nicht so schnell erfolgen sollte, dass sie den fragilen Wirtschaftsaufschwung in den USA gefährden könnte. Außerdem spricht er sich dafür aus, dass neben Ausgabenkürzungen auch die Verbesserung von Steuereinnahmen eine ähnlich große Rolle spielen sollte und dass die verschiedenen Sozialprogramme geschützt werden müssten. So plädiert der Präsident dafür, dass die noch von seinem Vorgänger George W. Bush vollzogenen Steuersenkungen nur für Bürger mit einem Jahreseinkommen von weniger als 250 000 Dollar verlängert werden sollten. Die Besserverdienenden sollten dagegen einen höheren Anteil zur Konsolidierung beitragen.

  • 19.07.2012, 22:23 Uhr

    Soso, die Welt braucht also "die Führung Amerikas". Na das ist aber putzig.

    Mein lieber Herr Lachman, könnte es sein, dass Sie sich im Jahrhundert geirrt haben?

  • 19.07.2012, 23:09 Uhr

    Naja, er hat ja gesagt "braucht" und nicht "will". Länder die meinen, dass sie keine Führung Amerikas brauchen, werden oft mit Nachdruck vom Gegenteil überzeugt.

    Außer Somalia und ein paar andere Schurkenstaaten, die haben - aus welchem Grund auch immer - die Freiheit der Selbstbestimmung und können nach belieben Schiffe angriffen und Menschen massakrieren.



  • 19.07.2012, 23:29 Uhr

    @Handelsblatt-Redaktion

    Text unter dem Bild:

    "Desmond Lachman ist Ökonom am American Enterprise Institute in Washingten."

    DAS AEI sitzt in Washington D.C. und nicht in einer bisher rein fiktiven Stadt namens Washingten.^^ Bitte korrigieren sei den Fehler.

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