Gastkommentar
Auch im Abschwung kann es Gewinner geben

Die Autobranche steht vor einem schweren Jahr. Wer seine Produktion flexibel ausgerichtet hat, kann trotzdem zu den Gewinnern gehören. Für einen großen deutschen Autobauer kann 2012 genau deshalb zum Problem werden.
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Es gibt sie noch die unbeirrbaren Optimisten wie den Bosch-Kfz-Chef Bernd Bohr. „Wir rechnen bei der weltweiten Automobilproduktion mit drei bis fünf Prozent Wachstum für 2012“, verkündete Bohr diese Woche auf der Tokyo Motor Show. Bereits Mitte November hatte sich sein Geschäftsführungsvorsitzender Franz Fehrenbach misstrauischer geäußert und die Beendigung der Schuldenkrise angemahnt. Der Fehrenbach-Einschätzung sind mittlerweile fast alle Automanager gefolgt.

Auf der Frankfurter IAA Mitte September sah das noch anders aus. Da wurde viel Zweckoptimismus an den Tag gelegt. Unisono wurde von hohen Auftragseingängen und langen Lieferzeiten gesprochen. Wir sehen keine Krise, war das Motto. Mittlerweile fertigen Opel und Ford nur noch mit gebremster Kraft, etwa in Spanien. Renault plant nächstes Jahr einen Monat sein spanisches Werk geschlossen zu halten und  Peugeot-Citroen hat angekündigt, 6.000 Mitarbeiter in Europa abzubauen. Fiat, so wird kolportiert, plane nächstes Jahr seine Produktion um 300.000 Fahrzeuge oder 25 Prozent zu kürzen.

Und wer sich in Deutschland nach Autorabatten umschaut, reibt sich ungläubig die Augen. Seit fünf Jahren beobachtet das CAR-Institut das Rabattgeschehen. So hoch wie im Oktober und November waren die Rabatte noch nie. Autos gehen nur noch über hohe Preisabschläge weg.

Kein Wunder - denn wo man sich in der Welt auch umschaut, der Ausblick für die Autobranche ist mehr als trübe. Europa etwa kann man 2012 abhaken. Die Verschuldungskrise zwingt den Automarkt jetzt schon in die Knie, das wird nicht besser werden. Außerdem ist der Markt gesättigt und lebt ohnehin nur von Ersatzbedarf. In unsicheren Zeiten fahren die potentiellen Käufer ihr Auto zwei Jahre länger. Selbst mit höchsten Rabatten wird es schwieriger, sie zu ködern. Und so wird das kommende Jahr in West-Europa das schlechteste Autojahr seit 18 Jahren. Werden. Ein Minus von 670.000 Fahrzeugverkäufen wird erwartet.

Was für West-Europa gilt, trifft auch auf Japan nach Fukushima zu. Da bleiben nur die USA und die Bric-Staaten als Hoffnungsanker. In den Vereinigten Staaten ist nächstes Jahr Präsidentschaftswahl. Das war immer ein Grund für eine Sonderkonjunktur. Dieses Mal hat der Präsident allerdings kein mehrheitsfähiges Konzept, um das Land in Schwung zu bringen. Steuererhöhungen werden von den Republikanern geblockt, große Kürzungen bei den wichtigen Etats, wie Verteidigung, kann Obama nicht umsetzen. Das einzige was passieren könnte, wäre eine Abstufung im Rating.

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