Gastkommentar
Bei Politiker-Gehältern sind Korrekturen nötig

Deutsche Politiker verdienen im Vergleich zu Managern oder Profi-Fußballern zu wenig, sagt Dieter Heuskel, Partner von Boston Consulting. Z wischen beruflichen Anforderungen und Bezahlung gebe es krasses Missverhältnis.
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Was haben deutsche Professoren und deutsche Politiker gemeinsam? Bezogen auf Anforderungen und Leistungen, verdienen beide zu wenig. Im Fall der Professoren hat das Bundesverfassungsgericht jüngst festgestellt, dass ein Grundgehalt von 4000 Euro weder der Qualifikation noch den Anforderungen entspricht. Und das gilt für Politiker noch mehr.

Das Marktversagen, das in der Finanz- und Verschuldungskrise zum Ausdruck gekommen ist, hat Einfluss und Handlungsspielraum der Politiker gegenüber den Wirtschaftsakteuren massiv erweitert. An ihren Entscheidungen liegt es, ob Europa und seine Volkswirtschaften den Weg aus der Krise finden, ob Fehlentwicklungen der Märkte korrigiert und die gesellschaftlichen Herausforderungen - von Bildung und Integration bis zu Infrastruktur, Demografie und Energiewende - gemeistert werden. Die richtigen Entscheidungen zu treffen ist eine Leistung, die sich - wie in der Unternehmensführung - am Ende für alle auszahlen wird.

Für die Politiker, speziell in Deutschland, gilt jedoch, dass sie diese Leistung am besten aus purem Idealismus erbringen sollen. Jede Diätenerhöhung ruft reflexartig Vorwürfe hervor, jede privat genutzte Bonusmeile den Ruf nach dem Staatsanwalt, jede noch so kleine Vergünstigung enthält den Stoff für den großen Skandals, kurz: Das Streben nach dem materiellen Ausweis des Status in Form von Geldeinkommen verliert, wenn es um Politiker geht, jede Akzeptanz. Mehr noch: Es gilt als Inbegriff moralischer Verkommenheit.

Wenn ein Weltklassetorwart wie Manuel Neuer acht Millionen pro Jahr verdient, wenn sechs Millionen Euro von einem öffentlich-rechtlichen Sender als angemessene Jahresgage für Thomas Gottschalk betrachtet werden, wenn die durchschnittliche Vergütung für den Vorstand eines Dax-Unternehmens bei zwei bis drei Millionen Euro liegt, so ist das Jahresgehalt der Bundeskanzlerin mit rund 283.000 Euro bescheiden - aber durchaus im Einklang mit ihren Amtskollegen Nicolas Sarkozys (rund 230.000 Euro) und Barack Obama (gut 300.000 Euro).

Nur ein Regierungschef kann mit den Stars mithalten: Singapurs Premierminister Lee Hsien Loong bezieht ein Gehalt von rund 1,3 Millionen Dollar. Seit vielen Jahren führt Singapur die „weiße Liste“ der (weitestgehend) korruptionsfreien Staaten an. Als Standort gilt Singapur aufgrund seiner Infrastruktur und Verwaltung nicht nur in der Region als Vorbild.

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Qualität entscheidet sich nicht allein am Geld

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  • Gemessen an der Qualität des Personals und der erbrachten Leistungen verdienen die nicht zu wenig, bekommen aber zu viel.

    Um die Qualität des Personal zu steigern reicht es nicht aus die Bezüge zu erhöhen. Die Frage ist nur, wie bekommen wir qualifiziertes Personal. Wer will sich schon in die Niederungen der Politik mit ihren Grabenkämpfen begeben wenn er nich weiss ob er/sie dort überhaupt erfolg haben wird.

  • Der Autor hat schon Recht! Ich sage Ihnen, dass die Bildungselite der Postdoktoranden nach jahrelanger Tätigkeit an den Universitäten sich an gezahlten Gehältern orientiert. Da gehe ich lieber in die Privatwirtschaft und fange mit 70.000-100.000 € Einstiegsgehalt an, als mich zwischen den Mühlsteinen der Politik zermahlen zu lassen.

    Der Mensch braucht einfach Anreize. Wenn die besten Köpfe in die Politik gehen sollen und nicht in die Privatwirtschaft müssen entsprechende Anreize gesetzt werden. Wenn das nicht passiert, geht das Hase und Igel Spiel halt so weiter.

    Da bewerb ich mich lieber bei Bosten Consulting ;P

  • Unsere Politiker zählen ganz sicher nicht zu den Besten des Landes.

    Die zentrale Frage ist doch, warum gehen fähige Leute nicht in die Politik? Liegt es an der Bezahlung? Oder liegt es vielmehr an dem immensen Druck der Öffenlichkeit und der Medien? Und an der fehlenden Durchlässigkeit zwischen Wirtschaft und Politik?

    Wer sich beispielsweise den Werdegang zu Guttenbergs ansieht -egal was man von ihm nun hält- der wird erkennen, dass eine politische Karriere erhebliche perönliche Risiken mit sich bringt.

    Dieses Risiko gehen zunehmend nur noch Leute ein, die wenige Alternativen haben: Rösler, Westerwelle, Gysi, die Piraten, Trittin, Quoten-Frauen ...

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