Gastkommentar

Boni für gute Lehrer

Die Politik muss sich dringend etwas einfallen lassen, wie sie fähige und junge Leute für den Lehrerberuf begeistert. Es ist höchste Zeit für ein leistungsorientiertes Gehalt für Lehrer.
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Junge Lehrerin im Mathematikunterricht: Umfassende Boni für gute Lehrer. Quelle: obs

Junge Lehrerin im Mathematikunterricht: Umfassende Boni für gute Lehrer.

(Foto: obs)

DüsseldorfWer gute Arbeit macht, bekommt mehr Gehalt. Dieses Prinzip ist ausgerechnet in der Berufsgruppe außer Kraft gesetzt, die für unsere Gesellschaft mit am wichtigsten ist: die Lehrer. Es ist also höchste Zeit für eine stärker leistungs- und ergebnisorientierte Bezahlung im Schuldienst.

Mehr als die Hälfte der Lehrer ist selbst dafür, dass der Verdienst von der Leistung abhängt. Dies ergab eine repräsentative Allensbach-Umfrage im Auftrag der Vodafone Stiftung, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Bisher genießt ein großer Teil der Lehrer in Deutschland den Beamtenstatus. Auch diejenigen, die Angestellte im öffentlichen Dienst sind, haben einen sicheren Arbeitsplatz. Das Gehalt, das im internationalen Vergleich relativ hoch ist, steigt automatisch mit zunehmenden Dienstjahren. Ob die Schüler wirklich etwas lernen, spielt keine Rolle.

Der Autor leitet das Projekt „Soziale Mobilität“ der Vodafone Stiftung und der Stiftung neue Verantwortung. Quelle: PR

Der Autor leitet das Projekt „Soziale Mobilität“ der Vodafone Stiftung und der Stiftung neue Verantwortung.

(Foto: PR)

Das ist in etwa so, als würde ein Unternehmen allen Mitarbeitern regelmäßig den Lohn erhöhen, unabhängig davon, wie viel Umsatz sie erwirtschaften. Das Unternehmen ginge bankrott. Die Schule ist aber nicht irgendein Unternehmen. Einen Bankrott können wir uns hier nicht leisten. Doch wir steuern geradewegs darauf zu: Laut Statistischem Bundesamt verließen zuletzt im Jahr über 50 000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Das kann nicht allein an den Schülern liegen.

Internationale Studien haben ergeben, dass die Leistungen der Schüler, insbesondere der Lernschwächeren, deutlich steigen, wenn die Lehrer hierfür einen finanziellen Anreiz erhalten. Und ein Vergleich, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln durchgeführt hat, ergab: Umfassende Leistungszulagen für Lehrer gibt es unter anderem in Finnland und den Niederlanden. Diese Länder haben im letzten Pisa-Test deutlich besser abgeschnitten als Deutschland.

Gefahrenzulage in Brennpunktschulen
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10 Kommentare zu "Gastkommentar: Boni für gute Lehrer"

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  • ja klaaaaaaaaaaaaaar, und dann kriegste die klasse mit den fünf schülern mit dem emotionalen status, mit adhs und co. und den quotenkindern, die die schule nicht will. und dann mal alle schön auf leistung pumpen. sagen sie mal herr journalist. denken sie eigentlich auch nach? scheinbar nicht, sonst wäre diese irrwitzige idee aus der "drosselwirtschaft" nicht entstanden. das sind kinder, keine leistungsmonster. mfg eine angehende junglehrerin, die schon 10 monate frei unterrichtet hat (in problemschulen und klassen), wo die wirklichkeit, vor allem hier in berlin, etwas anders aussieht als in der bayrischer kleinstadt.

  • Wann kommt die leistungsabhängige Bezahlung für Journalisten? Stellen Sie doch unter jeden Artikel eine Rubrik, wo man für den Artikel Noten geben kann. Und am Ende richtet sich die Bezahlung der Journalisten, nach der Bewertung der Leser. Möglicherweise würde dies das Niveau unserer Zeitungen in Deutschland enorm steigern.

  • Ständig kommt von Beamten (ja, nicht nur von Lehrern) das Argument, dass man ihre Leistung nicht messen könne und deshalb keine leistungsabhängige Bezahlung möglich sei. In der freien Wirtschaft geht dies doch aus. Denkbar für den Lehrer-Beruf wäre z. B. ein System nach Art einer Balanced Scorecard, in der ein paar weiche Ziele und auch messbare Fakten drin sind. Ein Ziel könnte z. B. sein, eine Klasse mit vielen "schwirigen" Schülern zu übernehmen, in der man zunächst ein gewisses Sozialverhalten trainieren muss. Der Lehrer, der dies dann macht, bekommt halt Punkte hierfür. Dafür wird er Schwirigkeiten haben, Punkte aufgrund besonders hoher Leistungen der Schüler zu erwirtschaften. Verstehen Sie dies bitte nur als Beispiel. Zu Zielvereinbarungssystemen gibt es zig Bücher und ich musste mich vor dem Beginn meiner Selbständigkeit auch jedes Jahr messen lassen. Und 100%-ig gerecht ist es leider auch nie. Aber das muss man halt akzeptieren. Da Lehrer in Deutschland zumindest als Beamte (man beachte alleine die Pensionsrückstellungen, die der Arbeitgeber eigentlich zahlen müsste) außerordentlich gut bezahlt sind, sollten 20 - 30% der Vergütung wie bei entsprechend bezahlten Jobs in der freien Wirtschaft auch leistungsabhängig bezahlt werden.

  • Grundsätzlich Zustimmung zu dem Ansatz der Leistungsorientierung, aber ich weiß nicht, wie das realistisch zu messen sein könnte:
    Ich unterrichte in einer Brennpunktschule in Hamburg Horn ca. 80 Prozent Migranten). Es gibt Klassen, da muss ich den normalen Lernstoff völlig beiseite lassen und das entscheidende ist erst einmal, ein funktionierendes soziales Miteinander zu trainieren - wie will man das messen.

    Wäre nicht das spannenendste zu schauen, wie die Schüler 3 Jahre nach der Schule in das Leben gekommen sind - das ist doch das entscheidende. Die sture Testorientierung ist heikel - was wenn die Schüler mitbekommen, dass an den Tests das Lehrergehalt hängt und sie einen Lehrer reinreiten Wollen, weil der halt ein anspruchsvoller und strenger Lehrer oder auch Lehrerin ist.

    An einer Schule in einem anderen Bundesland habe ich erlebt, wie durch Leistungsprämien viele Kollegen der Schulleitung mächtig in den Hintern gekrochen sind und ein ganz übles Klima entstand.

    Gleichwohl frage ich mich auch: was habe ich davon eigentlich, wenn ich mich anstrenge und ein richtig guter Lehrer sein möchte. Finanziell zumindest fast nichts.

  • Stellt dem Bildungssystem die finanziellen Mittel zur Verfügung, welche die Banker bekommen und den Bankern das, was das Bildungssystem bekommt! Dann stimmt die Gewichtung wieder! Denn in Bildung zu investieren heißt, in die Zukunft zu investieren. In Bankensysteme zu investieren heißt dagegen, die Zukunft zu verspielen!

  • @SabineM

    Ich bin zwar kein Lehrer, war aber als Student zwei mal Tutor.

    Die meiste Arbeit ist in der Vorbereitung einer Übung/Sprechstunde (Übungen durcharbeiten und im Skript die ganze Theorie durchschauen) bzw. nach der Übung das Nacharbeiten (Korrektur der Übungen, Fragen die während der Übung nicht gelöst wurden der Übungsgruppe zukommen lassen).


    Ich habe dann freiwillig auf diese Art von Jobs verzichtet, weil es sich rein finanziell nicht lohnt.


    [...]
    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • @SabineM: Blödsinnige Klischees helfen hier auch nicht weiter. Sie bringen zwar im Unterricht nur 30 Stunden zu, was aber nur Redezeit vor Schülern ist. Das Korrigieren der Arbeiten geht ja auch ganz ohne Zeitverlust, oder? Meine Eltern sind Lehrer und kommen um 14 Uhr heim und korrigieren (und bereiten vor, erstellen Blätter, Informationen sammeln) noch mind. 4 Stunden an 6 Tagen die Woche --> An 5 Tagen 30 Stunden Unterricht + 24 Stunden Vorbereitung. Sind 54 Stunden, in denen noch nicht mal Zeiten für Fachbetreuertagungen, AGs, Ehrenamt für Schülerinitiativen, Gesprächen mit Eltern eingerechnet sind, die ab und zu dazukommen. Ein normaler Lehrer kommt also, selbst wenn er schnell korrigiert in einfacheren Fächern (Erdkunde, was meine Schwester unterrichtet), auf 50-60 Stunden die Woche, manchmal mehr. Und in den Ferien kommen Sitzungen, Fortbildungen und Nachkorrekturen von Abiturprüfungen und anderen Abschlussprüfungen hinzu, d.h die achso gut bemessene Ferienzeit ist auch nicht nur frei. Ist also meist noch anstrengender als ein Büro- oder Facharbeiterjob, wo man seine 40 Stunden regulär absitzt und Zulagen kassiert. Das Beamtentum hat seine Vorteile, weil die Freizeit selbst eingeteilt und der Zeitaufwand des Lehrerberufs unterschätzt wird.

    Wenn es ausserdem so angenehm ist, warum haben sie es dann nicht gemacht? Nur motzen und keine Argumente bringen ist lächerlich.

  • Was für ein Gesülze! Schon mal gehört, wo Apple seine Produkte produzieren lässt und unter welchen Bedingungen?! Lehrer sind überbezahlte Halbtagsjobber.

  • Erstmal brauchen wir ein Zentralabitur, damit man die Leistungen der Lehrer vergleichbar werden und man die
    Minderleister rausfindet.
    Man darf es nicht so machen wie bei der Öko-Wende:
    Erst die Windmühlen hinstellen und sich dann fragen, wie
    man den Strom transportiert.
    Die Dummheit und Arroganz der Etablierten Politischen Kaste wirds schon richten.
    Nicht umsonst gewinnen die Piraten.

  • Ich bin Lehramtsstudent(Gymnasialstufe) und in Berlin Kreuzberg zur Schule gegangen. Ein Belohnungssystem finde ich zweischneidig.Man kann den Lernerfolg nicht alleine von der Lehrkraft abhängig machen.Lehrkräfte müssten gleichviel Budget für die Beschaffung von Lehrmaterial zur Verfügung haben. So gibt es eine enorme Divergenz zwischen Berlin und Baden-Würtemberg.Baden-Würtemberger Lehrer können im Gegensatz zu Berliner Lehrern ganz einfach zum Schulsekretariat gehen und Bücher ordern, für die es im Bundesland Berlin kein Geld gibt, oder welche die sozial Schwachen dann selbst anschaffen müssen (?).
    Außerdem müssten die Klassengrößen ganz einfach halbiert werden, dann verdoppeln sich auch die Ergebnisse in der Pisa Studie, bei welcher ich mich ohnehin frage wieso man sich immer so blind auf sie beruft. Was sagt diese denn wirklich aus? Sie kann doch nur empirisch messbare Ergebnisse wiedergeben. Nicht aber soziale Kompetenzen wie Empathie oder Menschenkenntnis, welche Schüler für viele Berufe im späteren Leben brauchen werden, sei es z.B. in Managementpositionen, im Krankenhaus oder in Monatageteams bei VW o.ä.. Das Leben und die Berufswelt besteht mehr als nur aus zahlen.Z.B. aus Menschenverstand.

    Man sollte Gymnasien abschaffen.Das befördert die Spaltung der Gesellschaft, Perspektivlosigkeit und am Ende in sozialen Brennpunkten zu Homegrown terrorists. Al-Quaida bietet jedem eine Perspektive der nur will.Tun deutsche Firman das auch?Das bezweifle ich. in Deutschland kommt es nicht darauf an was man kann, sondern was auf dem Papier steht.Guttenberg hat das System zum Narren gehalten.
    Außerdem: Die Firma mit der erfolgreichsten Marke der Welt, Apple, setzt, als ihr Zukunftsgeschäft, auf den Bildungsmarkt und beliefert derzeit schon Schwellenländer(z.B: Türkei) mit neuartiger Bildungsinfrastruktur. Wenn das mal kein Zeichen ist! Wer an der Bildung spart ist selber schuld. Qualität hatte schon immer ihren Preis.

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