Gastkommentar
Das Finanzwesen kann eine gerechtere Welt schaffen

Im Buch „Märkte für Menschen“ warnt der Ökonom Robert Shiller davor, die Banken und den Finanzsektor zu dämonisieren – trotz der vielen Makel und Exzesse. Für ihn sind sie enorm wichtige Institutionen. Ein Vorabdruck.
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Viele Menschen haben offenbar die fixe Idee, dass die Verantwortlichen für die Finanzkrise ins Gefängnis gehören. Ende 2011 hielt ich vor großem Publikum, das sich wohl mehrheitlich aus Vertretern der Wirtschaft zusammensetzte, einen Vortrag. Manche Zuhörer attackierten mich im Anschluss scharf, weil ich nicht intensiv genug auf die vielen Betrugsvorwürfe eingegangen sei, die im Zuge der Krise gegen Finanzunternehmen erhoben wurden.

Dass sich gerade die Geschäftswelt so echauffierte, überraschte mich, denn von den Anwesenden gingen sicher die wenigsten mit Transparenten auf die Straße. Ebenso erstaunt war ich darüber, dass meine Zuhörer mein eigentliches Thema – die Notwendigkeit einer Demokratisierung des Finanzwesens durch eine Verbesserung der Finanzmarktfunktionen für alle – nicht stärker mit ihren Anliegen identifizierten.

Immerhin griff ich damit doch die grundlegenden Ziele von Occupy Wall Street auf. Natürlich ist Rechtsbruch eine unübersehbare Ursache für die aktuelle Finanzkrise. Doch wer das Problem ausschließlich dort ansiedelt, der verliert meines Erachtens das Gesamtbild aus den Augen. Unser Finanzsystem hat aus vielen verschiedenen Gründen versagt. Wenn wir die tieferen Ursachen der Krise nicht ausräumen, indem wir das System verbessern, dann gehen wir am Kernproblem vorbei – und verpassen die Chance, es zu lösen.

Jeder begangene Betrug sollte geahndet werden. Doch ein plötzlicher Ausbruch krimineller Energie kann kaum der Krise angelastet werden. Der Boom, der in die Krise führte, war mehr oder minder vergleichbar mit einer Autobahn, auf der die meisten Fahrzeuge die erlaubte Geschwindigkeit geringfügig überschritten. In solchen Situationen passt sich der wohlmeinende Fahrer der Kolonne an. Der Untersuchungsausschuss, der sich in den USA mit der Finanzkrise befasste, beschrieb den Boom in seinem Abschlussbericht 2011 als "Tollheit".

Wie auch immer, in erster Linie kriminell war er jedenfalls nicht. Um das Bild von der Autobahn weiterzuentwickeln, könnte man sagen, dass sich nun die Autohersteller am besten auf die Frage konzentrieren sollten, wie der Fahrzeugverkehr durch neue Technik besser organisiert werden kann – mit perfektionierten Tempomaten, externem elektronischem Feedback und letztlich vielleicht sogar selbstfahrenden Autos, kurz, mit komplexen Systemen, durch die alle ihr Reiseziel leichter und sicherer erreichen.

Wenn das die Zukunft unserer Autobahnen ist, dann sollte die Zukunft unserer Finanzinstitute ähnlich aussehen. All die Protestbewegungen können lediglich eine Unzufriedenheit manifestieren, die sich seit Einsetzen der Finanzkrise in Gesprächen und Blogs wiederfindet.

Die Äußerungen von Demonstranten auf der Straße und verärgerten Unternehmern sind nicht zielführend und zeigen nicht auf, was fehlgeleitet ist und was getan werden sollte. Dennoch zeigen sich in der grundlegenden Unzufriedenheit mit unserem derzeitigen Finanzwesen echte Probleme mit dem System, die aus der Welt geschafft werden müssen – Probleme, die durch neue Gesetze und Vorschriften, die im Kielwasser der Krise erlassen wurden, noch nicht behoben sind.

Kommentare zu " Gastkommentar: Das Finanzwesen kann eine gerechtere Welt schaffen"

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  • Herr Shiller:

    Das beste "Finanzinstrument" das es gibt, ist die Pleite.

    Die Pleite ist die Kanalisation der freien Marktwirtschaft, sie räumt den Dreck weg den unfähige Manager hinterlassen.

    Ohne Pleite, wie zB bei den sogenannten systemrelevanten Banken, bleibt nur noch eine Zombie Wirtschaft über.

  • Na ja, die HRE-Rettung war eine Entscheidung der Politik - von Herrn Steinbrück um genau zu sein - und nicht der Finanzmärkte.

    Mir fehlt in dem Artikel die Rolle der Notenbanken.
    Das ist, als ob es eine Institution gibt, die die Autobahn - um im Bild zu bleiben - neigen kann, so daß es immer ein bißchen bergab geht.
    Immer wenn ein LTCM-Skandal aufkommt, ein Buckel in der Piste vor uns liegt, Rezessionsängste oder um die Solvenz von Staaten, neigt diese Institution die Autobahn ein wenig steiler.

  • Eine schwachsinnige Artikel, welche ich seit langem gelesen habe. Der Autor versucht ständig zu erwähnen, das die Finanzwesen (der globale Wetten dass...) für Menschen (der kleine Mann und die kleine Frau) nützlich sei, zeigt jedoch mit keinem Beispiel in welcher Hinsicht. Er vergisst, dass die Finanzspekulationsbranche in keiner Weise mit der Realwirtschaft zu hat. Sie führt ihr
    Eigenleben und erfolgt in Nanosekunden per Schnellrechner um die Globus, während die Realwirtschaft pro Jahr um 1-2% wächst bzw. schrumpft. Die Schaden, die diese Branche verursacht, geht in mehr als hunderte von Milliarden (Allein die HRE-Retung = 200€ Milliarden). Das sind die Nutzen für kleine Leute?

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