Gastkommentar
Das Hauptproblem ist Spanien

An den Märkten wächst die Unsicherheit darüber, ob Spanien und Italien mit ihren Schulden zurechtkommen. Die Maßnahmen der EZB waren bisher nicht sonderlich erfolgreich. Es droht ein Aufflammen der Krise.
  • 40

Nachdem das eine Billion Euro schwere Kreditprogramm der Europäischen Zentralbank die globalen Finanzmärkte zunächst beruhigt zu haben schien, steigen die Zinsen für die Staatspapiere Italiens und Spaniens nun wieder an und bewegen sich inzwischen auf die Sechs-Prozent-Marke zu. Das mag zwar keine Belastungsgrenze sein, jenseits deren die Schuldenlast untragbar wird. Immerhin hatten die Zinsen in Südeuropa im Jahrzehnt vor der Einführung des Euros bei deutlich mehr als zehn Prozent gelegen. Dennoch signalisieren die Märkte offenbar wachsende Zweifel, ob Spanien und Italien ihre Schuldenlast werden tragen können und wollen.

Das Hauptproblem ist Spanien. Die private und öffentliche Auslandsverschuldung Spaniens ist größer als die von Griechenland, Portugal, Irland und Italien zusammen genommen, und sie liegt wie jene von Portugal und Irland in der Gegend von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein Viertel der Erwerbspersonen und die Hälfte der Jugend Spaniens sind arbeitslos, weil das Land durch den kreditfinanzierten Immobilienboom seine Wettbewerbsfähigkeit verloren hatte. Das Leistungsbilanzdefizit liegt trotz des rezessionsbedingten Rückgangs der Importe immer noch bei 3,5 Prozent des BIP, und wegen der Wirtschaftsflaute wird Spanien die Zielwerte der EU für das Budgetdefizit verfehlen.

Die spanischen Schulden im europäischen Zahlungssystem Target bei der Europäischen Zentralbank wuchsen von Februar bis März um 65 Milliarden Euro, weil eine Kapitalflucht in diesem Umfang kompensiert werden musste. Target-Schulden entstehen bei der EZB durch Überweisungen zwischen den Euro-Staaten. Seit Juli 2011 hat die spanische Target-Schuld um 219 Milliarden Euro zugenommen. Die Kapitalflucht hat den Kapitalimport der Jahre 2008 bis 2010 inzwischen vollkommen kompensiert. Summiert vom Beginn des ersten Krisenjahres (2008) bis jetzt hat Spanien sein gesamtes Leistungsbilanzdefizit mit der Notenpresse finanziert.

In Italien sieht es kaum besser aus. Dort wuchs die Target-Schuld von Februar auf März um 76 Milliarden Euro und im April noch einmal um neun Milliarden Euro. Seit Juli 2011 kamen insgesamt 263 Milliarden Euro zusammen. Auch aus Italien flieht das Kapital nach den Maßnahmen der EZB noch schneller als vorher. Inzwischen ist klar, dass die EZB diese Kapitalflucht aus Ländern wie Spanien und Italien großenteils selbst verursacht hat, denn der billige Kredit, den sie bot, hat das private Kapital regelrecht in die Flucht geschlagen. Zweck der Maßnahmen der EZB war es, wieder Vertrauen zu schaffen und den Interbankenmarkt wiederherzustellen. Dabei war sie offenkundig nicht besonders erfolgreich.

Kommentare zu " Gastkommentar: Das Hauptproblem ist Spanien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hoffentlich enstehen keine grossen Fehlinvestitionen wie bisher.
    Imobilien die keiner bezahlen kann.Infrastruktur am falschen Platz.
    Dicke Autos die nur Kosten verursachen und sonstiger Luxus.

  • Die Zahlen sind schon richtig, Spanien ist im Ausland fast genauso hoch verschuldet, wie es im eigenen Staat produziert.
    Nur diese Zahl zeigt genauso wie alle anderen, NUR sparen bringt eben keine positiven Zahlen zurück. Es bewirkt das Gegenteil. Was auch jedem normal denkenden Menschen eigentlich einleuchten müßte.
    Wo sind denn nun die Ideen, die Investitionen, die nötigen Macher vor Ort? Wo sind die Leute, die Millarden auf Kosten kleiner Anleger verschleudert haben? Die sitzen immer noch in ihren bequemen Sesseln und gucken auf die "Märkte". Nun kommt langsam die Wahrheit, das man Geld nicht essen kann. Und das man, wenn man für Geld einkaufen will, vorher dafür ebenso nützliche Produkte herstellen muß, Geld bekommt nur in der Fantasie der Märkte "Kinder" in Form von Zinsen und Renditen, aber im realen Leben werden Kinder ohne Geld gezeugt (meistens jedenfalls), mit Spaß und Verantwortung für jeden Einzelnen.
    Friß unser Geld oder stirb, so kanns nicht gehen. Die Sozialisten kommen zu Recht jetzt dran. Und - schaut man in die Geschichte, den Unternehmen hat es selten geschadet von sozial orientierten Regierungen gesteuert zu werden.
    Es wird Zeit für wirklich innovative Produkte. Umwelt, Energie, Wohnen und ökologische Landwirtschaft. Gesund statt sich fett fressen. Es gibt genug zu tun, man muß sich nur mal am Menschen selbst orientieren und nicht an Renditen z. B. aus Umweltsünden. Wozu gibt es soviele schlaue Köpfe, haben die nur noch Scheine in der Birne? Ach, du großes Jammertal, was sind wir doch arm dran, die Aktien sinken, ich kanns nicht mehr hören.

  • Auf den Mob von der Straße und den Kommunisten muss die Polizei mit dem Knüppel ordentlich draufschlagen. Andernfalls drohen Zustände wie bei der Oktoberrevolution. Hätte der Zar damals ordentlich durchgegriffen, wäre Osteuropa 70 Jahre Leninismus/Stalinismus erspart geblieben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%