Gastkommentar

Das Hauptproblem ist Spanien

An den Märkten wächst die Unsicherheit darüber, ob Spanien und Italien mit ihren Schulden zurechtkommen. Die Maßnahmen der EZB waren bisher nicht sonderlich erfolgreich. Es droht ein Aufflammen der Krise.
40 Kommentare
Hans-Werner Sinn ist Präsident des Ifo Instituts. Quelle: dapd

Hans-Werner Sinn ist Präsident des Ifo Instituts.

(Foto: dapd)

Nachdem das eine Billion Euro schwere Kreditprogramm der Europäischen Zentralbank die globalen Finanzmärkte zunächst beruhigt zu haben schien, steigen die Zinsen für die Staatspapiere Italiens und Spaniens nun wieder an und bewegen sich inzwischen auf die Sechs-Prozent-Marke zu. Das mag zwar keine Belastungsgrenze sein, jenseits deren die Schuldenlast untragbar wird. Immerhin hatten die Zinsen in Südeuropa im Jahrzehnt vor der Einführung des Euros bei deutlich mehr als zehn Prozent gelegen. Dennoch signalisieren die Märkte offenbar wachsende Zweifel, ob Spanien und Italien ihre Schuldenlast werden tragen können und wollen.

Das Hauptproblem ist Spanien. Die private und öffentliche Auslandsverschuldung Spaniens ist größer als die von Griechenland, Portugal, Irland und Italien zusammen genommen, und sie liegt wie jene von Portugal und Irland in der Gegend von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein Viertel der Erwerbspersonen und die Hälfte der Jugend Spaniens sind arbeitslos, weil das Land durch den kreditfinanzierten Immobilienboom seine Wettbewerbsfähigkeit verloren hatte. Das Leistungsbilanzdefizit liegt trotz des rezessionsbedingten Rückgangs der Importe immer noch bei 3,5 Prozent des BIP, und wegen der Wirtschaftsflaute wird Spanien die Zielwerte der EU für das Budgetdefizit verfehlen.

Die spanischen Schulden im europäischen Zahlungssystem Target bei der Europäischen Zentralbank wuchsen von Februar bis März um 65 Milliarden Euro, weil eine Kapitalflucht in diesem Umfang kompensiert werden musste. Target-Schulden entstehen bei der EZB durch Überweisungen zwischen den Euro-Staaten. Seit Juli 2011 hat die spanische Target-Schuld um 219 Milliarden Euro zugenommen. Die Kapitalflucht hat den Kapitalimport der Jahre 2008 bis 2010 inzwischen vollkommen kompensiert. Summiert vom Beginn des ersten Krisenjahres (2008) bis jetzt hat Spanien sein gesamtes Leistungsbilanzdefizit mit der Notenpresse finanziert.

In Italien sieht es kaum besser aus. Dort wuchs die Target-Schuld von Februar auf März um 76 Milliarden Euro und im April noch einmal um neun Milliarden Euro. Seit Juli 2011 kamen insgesamt 263 Milliarden Euro zusammen. Auch aus Italien flieht das Kapital nach den Maßnahmen der EZB noch schneller als vorher. Inzwischen ist klar, dass die EZB diese Kapitalflucht aus Ländern wie Spanien und Italien großenteils selbst verursacht hat, denn der billige Kredit, den sie bot, hat das private Kapital regelrecht in die Flucht geschlagen. Zweck der Maßnahmen der EZB war es, wieder Vertrauen zu schaffen und den Interbankenmarkt wiederherzustellen. Dabei war sie offenkundig nicht besonders erfolgreich.

Frankreich hat seine Wettbewerbsfähigkeit verloren
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gastkommentar - Das Hauptproblem ist Spanien

40 Kommentare zu "Gastkommentar: Das Hauptproblem ist Spanien"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hoffentlich enstehen keine grossen Fehlinvestitionen wie bisher.
    Imobilien die keiner bezahlen kann.Infrastruktur am falschen Platz.
    Dicke Autos die nur Kosten verursachen und sonstiger Luxus.

  • Die Zahlen sind schon richtig, Spanien ist im Ausland fast genauso hoch verschuldet, wie es im eigenen Staat produziert.
    Nur diese Zahl zeigt genauso wie alle anderen, NUR sparen bringt eben keine positiven Zahlen zurück. Es bewirkt das Gegenteil. Was auch jedem normal denkenden Menschen eigentlich einleuchten müßte.
    Wo sind denn nun die Ideen, die Investitionen, die nötigen Macher vor Ort? Wo sind die Leute, die Millarden auf Kosten kleiner Anleger verschleudert haben? Die sitzen immer noch in ihren bequemen Sesseln und gucken auf die "Märkte". Nun kommt langsam die Wahrheit, das man Geld nicht essen kann. Und das man, wenn man für Geld einkaufen will, vorher dafür ebenso nützliche Produkte herstellen muß, Geld bekommt nur in der Fantasie der Märkte "Kinder" in Form von Zinsen und Renditen, aber im realen Leben werden Kinder ohne Geld gezeugt (meistens jedenfalls), mit Spaß und Verantwortung für jeden Einzelnen.
    Friß unser Geld oder stirb, so kanns nicht gehen. Die Sozialisten kommen zu Recht jetzt dran. Und - schaut man in die Geschichte, den Unternehmen hat es selten geschadet von sozial orientierten Regierungen gesteuert zu werden.
    Es wird Zeit für wirklich innovative Produkte. Umwelt, Energie, Wohnen und ökologische Landwirtschaft. Gesund statt sich fett fressen. Es gibt genug zu tun, man muß sich nur mal am Menschen selbst orientieren und nicht an Renditen z. B. aus Umweltsünden. Wozu gibt es soviele schlaue Köpfe, haben die nur noch Scheine in der Birne? Ach, du großes Jammertal, was sind wir doch arm dran, die Aktien sinken, ich kanns nicht mehr hören.

  • Auf den Mob von der Straße und den Kommunisten muss die Polizei mit dem Knüppel ordentlich draufschlagen. Andernfalls drohen Zustände wie bei der Oktoberrevolution. Hätte der Zar damals ordentlich durchgegriffen, wäre Osteuropa 70 Jahre Leninismus/Stalinismus erspart geblieben.

  • In Spanien haben sich die privaten Haushalte und die Unternehmen (Nicht-Bankensektor) hoch verschuldet, so dass bei der GESAMTVerschuldung des Landes Spanien im ranking ganz oben steht. Spaniens Unternehemn (ohne Bankensektor) sind 3 mal so hoch verschuldet wie deutsche Unternehmen und doppelt so hoch wie US-amerikanische. Alles eine Folge des fehlgeleiteten Immobilienbooms (In Sp haben fast doppelt so viele Bürger Wohneigentum wie in D). Der Indikator der Staatsschulden sollte überdacht werden. Es ist nötig, bei der Schuldenbewertung auch die Schulden der Privaten und Unternehmen einzubeziehen. Macht man das, sind die hohen (vor dem Euro hatte Spanien noch wesentlich höhere Zinsen) Zinsen gerechtfertigt. Übrigens sollten, bevor deutsche Steuerzahler herangezogen werden, erst mal die hohen Privatvermögen in den jeweiligen Staaten zur Mittelbeschaffung dienen. Aber die reichen Spanier und Italiener schaffen lieber seit längerem ihre großen Vermögen ins Ausland. Die PIIGSF könnten z.B. Zangsanleihen auf Immobilien machen, bevor Steuerzahler in anderen Staaten bezahlen sollen. D hat nicht profitiert, mit den Haftungen, target2 ist die Zukunft der nächsten generationen besiegelt.

  • Wenn jemand verschuldet ist, hat er auch was dafür bekommen, richtig? Wieviel Schulden darf man machen? Bruchteile der Einnahmen, richtig? Wieviel Bruchteile hat Spanien im Vergleich zu D gemacht? Viel weniger! und trotzdem können sie die Schuldzinsen bei Umschuldung nicht mehr zahlen. Hier stimmt was nicht, und das soll der ESM ausgleichen. Übrigens wieder mit Zins und Zinseszins! D hat bisher nur gewonnen in der Krise ohne ein einziges Produkt deswegen bauen zu müssen: Zinsen aus den Rettungsschirmen plus niedrige Neuverschuldung. Also warum soll der Exportweltmeister nicht etwas von diesem Gewinn abgeben, um letztendlich die Industrieprodukte noch irgendwohin verkaufen zu können? Wir haben hier in D ein Verhalten, das wir innerhalb unserer Gesellschaft als asozial betrachten würden: der Reiche bekommt seine Zinsen von den Armen bezahlt und droht auch noch mit der moralischen Keule! Ich weiß wirklich nicht wie wir Deutsche zu dieser Haltung wirklich gekommen sind, da wir doch die absoluten Gewinner der Situation sind und auch keine größeren Risiken haben als in den letzten 50 Jahren? Und das andauernde Prügeln auf Investoren/Banken wird auch langweilig, da niemand gezwungen wird sich zu verschulden. Oder was würden wir sagen, wenn wir unser versteuertes Geld verleihen und es nicht mehr zurückbekommen mit der Begründung es ist unmoralisch?

  • "Das Hauptproblem ist Spanien"

    Was interessiert es die Spanier???

    Ab Juli dürfen wir Deutschen permanent zahlen dank ESM!

    Immer mehr Steuern, Abgaben und Kürzungen damit unsere Freunde im Süden die Zinsen an die Bankster weiter zahlen können.

    Es geht übrigens immer nur um die Zinszahlungen an die privaten Banken!

    Staaten verschulden sich zu 97% bei privaten Banken!!!

    Warum sprechen die Medien von Investoren und nicht privaten Banken?

    Der zweitgrößte Ausgabenposten im Bundeshaushalt ist Zinszahlungen!!!
    ( Und der wird jedes Jahr größer wegen dem Zinseszins )

    Bei den anderen Ländern sieht es genau so aus.

    Im Grunde sind alle Regierungen nur Zinseintreiber für die privaten Banken!!!

    Wenn die Griechen, Spanier, etc. die Zinsen für Ihre Kredite nicht mehr "tragen" ( zahlen ) können, zahlen es ab Juli die Deutschen dank ESM!

    Was ist eigentlich der ESM?


    Hier eine Erklärung in 4 min.

    http://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0&feature=share


    www.steuerboykott.org


  • "Das Hauptproblem ist Spanien"

    Was interessiert es die Spanier???

    Ab Juli dürfen wir Deutschen permanent zahlen dank ESM!

    Immer mehr Steuern, Abgaben und Kürzungen damit unsere Freunde im Süden die Zinsen an die Bankster weiter zahlen können.

    Es geht übrigens immer nur um die Zinszahlungen an die privaten Banken!

    Staaten verschulden sich zu 97% bei privaten Banken!!!

    Warum sprechen die Medien von Investoren und nicht privaten Banken?

    Der zweitgrößte Ausgabenposten im Bundeshaushalt ist Zinszahlungen!!!
    ( Und der wird jedes Jahr größer wegen dem Zinseszins )

    Bei den anderen Ländern sieht es genau so aus.

    Im Grunde sind alle Regierungen nur Zinseintreiber für die privaten Banken!!!

    Wenn die Griechen, Spanier, etc. die Zinsen für Ihre Kredite nicht mehr "tragen" ( zahlen ) können, zahlen es ab Juli die Deutschen dank ESM!

    Was ist eigentlich der ESM?


    Hier eine Erklärung in 4 min.

    http://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0&feature=share


    www.steuerboykott.org

  • Ich verstehe nicht, dass die überwiegende Mehrheit hier sich immer am Euro aufhängt. Wir hatten genau diese Probleme noch in der DM Zeit! Und dieses Ammenmärchen von Auf und Abwertung als Lösung für Probleme sollte man ja am Bsp Schweiz als absurd abtun! Wir haben eine systemisches Problem bei dem 2 Probleme endlich nach langer Zeit öffentlich werden: schuldenbasierte Wachstumsgläubigkeit gepaart mit Globalisierung. Zweiteres macht Produktivitätsunterschiede gnadenlos offensichtlich und ersteres versucht dieses Symptom zu vertuschen. Hier bleibt als antwort nur das was 1871 in D schon mal durchgeführt wurde, da hierzulande das selbe Problem über die vielen kleinen Staaten hereinbrach. Man macht eine Währung und gleicht durch Umverteilung die Produktivitäts Unterschiede aus (auch in den USA übrigens). Genau dies macht der Euro und der Fiskalpakt. Alles andere würde bedeuten, dass ein Luxemburg mit China im Wirtschaftskrieg liegen müsste, ohne dass F oder D helfen könnten. Oder wollen alle hier einen Wirtschaftskrieg Jeder gegen Jeden? Nochmal wir haben ein Systemproblem und kein Euro Problem!!

  • Das stimmt so aber nicht ganz.

    Unbestreitbar hat Sinn die Problematik mit Target 2
    erkannt und ist inzwischen einer der größten Kritiker der Euro-Euphorie, aber vor 2008 war Sinn einer der größten Fans des Euro, war aber vor allem der größte
    Ultra-Neo-Liberalist, wollte alles privatisieren und, als dann die Schulden kamen, alles sozialisieren.

    Auch hat sich Sinn noch immer nicht bei Kollegen wie
    Hankel entschuldigt, die im Gegensatz zu ihm, von Anfang
    an wußten, dass der Euro ein Riesenfehler war und ist
    und Sinn noch im Euro-Rausch schwelgte.

    Sinn ist halt ein cleverer Populist, der schon so viel,
    auch Widersprüchliches, geschrieben hat, dass er immer
    Recht behält, vor allem Recht behalten will und die
    Medien sind ihm ja so dankbar dafür.

  • Unser Problem sind inkompetente Politiker, solange wie Beamte und Lehrer Entscheidungen treffen die sie mangels Vorbildung nicht mal im Ansatz verstehen, wird das nichts. Zum anderen sollte jeder der hauptberuflich Politiker werden will, im bisherigen Job mindestens 10.000 € verdienen, damit er es nicht wegen dem Geld macht.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%