Gastkommentar
Den Preis zahlen die Männer

In den USA wird diskutiert: Ist ein Mann, der eine Affäre hatte als CIA-Chef noch tragbar? Männer in Führungspositionen geraten ins Zentrum der Prüderie-Debatte. Ein Gastkommentar
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Die schönste Geschichte über den gefallenen CIA-Chef David Petraeus ist falsch - sagt jedenfalls die „New York Times“. Die hatte am 8. Juli den Brief eines Ratsuchenden an ihren Ethik-Guru veröffentlicht. Der Anonymous berichtete von der „Affäre“ seiner Gattin mit einem von ihm bewunderten Offiziellen, der für die „Demonstration weltweiter amerikanischer Macht“ zuständig sei. Sollte er sie publik machen, das nationale Interesse schädigen? Der Guru witterte üble Absicht hinter den fürsorglichen Zeilen: Der Nebenbuhler sollte so erfahren, dass der Gatte ihm auf die Schliche gekommen war. Der „Times“-Mann antwortete kühl: Mach's so, als „wenn sie mit dem Briefträger schliefe“ - mit einer diskreten Scheidung.

Die „Times“ dementiert: Der Lover war nicht Petraeus. Doch liefert die beliebte Kolumne eine perfekte Ouvertüre zur Oper. Sie handelt von Leichtsinn und Leidenschaft, Vertrauensbruch und Verrat.

Vorweg die Transparenz-Pflicht dieses Chronisten: Er kennt Petraeus seit seiner Irak-Zeit. Er reiht ihn, den Bezwinger des Terrors im irakischen Bürgerkrieg, unter den großen Feldherren Amerikas ein - George Washington, Andrew Jackson, Ulysses Grant, Dwight Eisenhower, die übrigens alle ins Weiße Haus avancierten. Und er grübelt über den neuen Puritanismus.

Sex mit Minderjährigen und Abhängigen - keine Debatte! Aber „Ike“ hatte eine Daueraffäre mit seiner Fahrerin, die niemand nutzte, um den Obersten Befehlshaber im Zweiten Weltkrieg zu kippen. Im US-Bürgerkrieg soff der brillante Grant wie ein Loch, doch Lincoln beschied den Anschwärzern: „Findet raus, was er trinkt, und gebt es meinen anderen Generälen.“ Offensichtlich waren die Altvorderen nicht so puritanisch wie die Kinder der sexuellen Revolution von 1968 ff.

Die Sache riecht. Angeblich hat das FBI den Mail-Verkehr des CIA-Chefs erst mitgelesen, nachdem Drohbriefe der Geliebten an eine vermeintliche Rivalin um die Gunst des Generals ruchbar wurden. Dazu: Das FBI hasst die CIA (und umgekehrt), zumal der Geheimdienst mit der Drohnen-Kriegführung erkleckliche Macht an sich gerissen hat. Den CIA-Direktor zu überwachen ist für den Inlands-Sicherheitsdienst FBI wie Zähneputzen - Routine. Er wird erklären müssen, wieso er sein Wissen so lange zurückgehalten hat - bis nach der Wahl, in der Obama schludrige Sicherheitsvorkehrungen vor dem Angriff auf das Bengasi-Konsulat angelastet wurden.

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Geheimdienste kommen im Westen nicht gut weg

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  • den preis zahlen die Männer........

    wenn alle fremdgeher aus Den ämtern enternt werden, dann ist Wohl keiner mehr da.
    dieses verhalten blüht seit ewigen zeiten, seit adam und eva.
    nicht,dass ich das gutheissen würde, ganz im gegenteil. aber es ist nun mal traurige realität, alle die jetzt den grossen moralapostel spielen, sollten sich mal an der eigenen nase fassen.
    bilanz ziehen, wieviel sie selber dreck am stecken haben.
    diese problem müssen die beteiligten selber lösen, dritte geht das eigentlich nichts an.

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