Gastkommentar
Der hoffnungslose Kampf der Bundesbank

So heroisch der Kampf von Bundesbank-Chef Jens Weidmann gegen den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB auch anmuten mag, er ist falsch, sagt Karl-Heinz Paqué. Deutschland steht eine politische Niederlage bevor.
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Es hat etwas Heldenhaftes: Bundesbank-Präsident Weidmann sowie große Teile der deutschen Öffentlichkeit und Ökonomenzunft wehren sich vehement gegen Mario Draghis Ankündigung, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu stabilisieren. Dabei heißt „alles": auch Staatsanleihen der Krisenländer Italien und Spanien aufzukaufen. In deutschen Augen: eine ordnungspolitische Todsünde, gegen die man bis zum letzten Blutstropfen kämpfen muss. Sonst verrät man seine Prinzipien und wird unglaubwürdig.

Wirklich? Es gibt gute ökonomische und politische Gründe, dies ganz anders zu sehen. Die Zinsen, die Italien und Spanien derzeit am langen Ende des Kapitalmarkts zahlen müssen, liegen zwischen 6,5 und 7,5 Prozent - Deutschland zahlt knapp über ein Prozent! Für Italien und Spanien heißt dies: Realzinsen etwa um vier bis fünf Prozent (in Deutschland minus ein Prozent!). Alle Beobachter sind sich einig, dass dies für die beiden großen mediterranen Länder eine extreme Belastung ist, nur zu schultern mit drastischer Spar- und Reformpolitik, die längst stattfindet oder angelegt wird.

Dieses Zinsniveau ist Strafe und Anreiz genug zu handeln. Realzinsen von über sieben oder acht Prozent wären dagegen kaum mehr zu verkraften, würden jedenfalls die großen Volkswirtschaften des Südens noch viel tiefer in die Rezession und deren öffentliche Haushalte in die Nähe des Bankrotts treiben. Ein Horrorszenario!

Kurzfristig kann niemand außer der EZB dieses Horrorszenario verhindern, sollten weitere Wellen der Kapitalflucht aus den beiden Ländern drohen. Der Grund ist geradezu zynisch einfach: Nur die EZB kann Geld drucken. Und nur wenn dies für den Notfall glaubwürdig angekündigt wird, können sich globalisierte Finanzmärkte beruhigen. Das hat Draghi getan.

Dafür wird er in Deutschland gescholten, obwohl die Bundeskanzlerin nach der Lehman-Pleite im Oktober 2008 und November 2011 genau das Gleiche tat. Sie garantierte allen Deutschen ihre Spareinlagen. War das glaubwürdig? Ja, aber nur, weil im Falle einer Kapitalflucht aus den deutschen Banken die EZB bereitsteht, die Banken mit eigenem Geld voll zu refinanzieren.

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  • Herr Paqué, was lehren Sie für ein Fach?
    Volkswirtschaft kann es ja wohl kaum sein.
    Falls doch: machen Sie bitte einmal einen Vorschlag,
    wie die Unternehmen in Griechenland, Portugal und Spanien in einem einheitlichen Währungsraum wie der Eurozone ohne Schutzzölle (wieder????) wettbewerbsfähig werden können.
    Dies ist den neuen Bundelländern in den letzten 20 Jahren jedenfalls nicht gelungen. Und der Mezzogiorno hing auch vor Einführung des Euro schon am Tropf von Norditalien.
    Vielleicht haben sie ja auch ein paar gute Vorschläge, wie ägyptische oder tunesische Unternehmen gegenüber der deutschen Industrie wettbewerbsfähig werden können? Die Milliarden deutscher Entwicklungshilfe haben (selbst ohne fixe Wechselkurse) außer im Tourismus leider ja seit 50 Jahren nichts gefruchtet.
    Schlußfolgerung: wenn Herr Paqué hier kein überzeugendes, diskutierbares und mit konkreten Fakten versehenes Konzept vorschlagen kann, wird die Eurozone mit ESM und EZB- Gelddruckerei vielleicht erst in einigen Jahren auseinanderbrechen, ohne diese am Ende ohnehin zurückgezahlten deutschen Steuermilliarden-Kredite aber sehr schnell.

    Altenative heißt nicht: besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, sondern besser ein Ende mit Schrecken jetzt, als in 2, 3 Jahren ein Ende mit noch viel größerem Schrecken!

  • Jens Weidmann ist der richtige Mann für den Posten. Ein Bundesbank-Chef der die richtigen Prinzipien hochhält.

  • Ist Karl-Heinz Paqué Mitglied in der „Atlantik-Brücke“?
    Diese bekannte Lobbyorganisation wurde 1952 durch den Bankier Eric M. Warburg gegründet und dient seither dazu, deutsche Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien auf die US-amerikanische Linie der Politik und auf die Linie der Hochfinanz zu trimmen. Der Bankiersfamilie Warburg ist Teilhaber der privaten US Notenbank Federal Reserve Bank.
    Die Sponsoren der Atlantik-Brücke kommen hauptsächlich aus dem Finanz- und Kreditwesen, der Stahlindustrie, der Rüstungsindustrie, aber auch aus der Automobilindustrie. Zudem erhält die Atlantik-Brücke auch öffentliche Gelder über das Auswärtige Amt aus dem Bundeshaushalt - also Steuergelder der Bürger.
    Man kann der Atlantik-Brücke nicht betreten, sondern man wird intern vorgeschlagen und eingeladen, diese Praxis ist auch aus den Freimaurer-Logen etc. bekannt.
    http://lobbypedia.de/index.php/Karl-Heinz_Paqu%C3%A9

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