Gastkommentar
Der programmierte Finanz-Kollaps

Mit ihren Finanzspritzen für die Banken überschreitet die EZB ihre Befugnisse, die Krise beendet sie damit nicht. Nur noch der Kollaps des gesamten Euro-Systems kann die anhaltende fiskalpolitische Unvernunft beenden.
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Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit hat die EZB den Banken ein langfristiges Refinanzierungsgeschäft zu Geldmarktkonditionen angeboten. Im Rahmen der Vollzuteilung wurden am 29. Februar 2012  nahezu 530 Milliarden Euro an insgesamt 800 Banken – also 277 mehr als bei der ersten Zuteilung am 8. Dezember 2011 – zugeteilt. Ein großer Teil der bietenden Banken kommt aus problembehafteten, aktuellen oder potentiellen Finanznotstandsländern. 

Schon im Vorlauf zu diesem Dreijahrestender war darauf hingewiesen worden, wie die Banken, insbesondere in Problemländern mit diesen Finanzspritzen zu Sonderkonditionen umgehen. Spanische Banken hatten innerhalb kürzester Zeit – in einem Monat – ihren Bestand an Staatsanleihen um 23,1 Milliarden Euro auf 229,6 Milliarden erhöht. Über das Engagement französischer Banken und französischen Staatsanleihen liegen bislang keine verlässlichen Angaben vor, obwohl im Händlerjargon seit dem ersten langfristigen Refinanzierungsgeschäft im Dezember 2011 sich die Bezeichnung „Sarkotrade“ eingebürgert hat.

Ob auch mit dem zweiten Tender die Banken vor allen Dingen Staatsanleihen in ihr Portfolio nehmen werden, wird unterschiedlich beurteilt. Nach einer Analyse der Commerzbank vom 29.2.2012 wird die Ansicht vertreten, dass die Banken die abgerufenen Gelder im Wesentlichen für die Ablösung bereits eingegangener Engagements bei der Zentralbank werden nutzen müssen. In demselben Bericht wird darauf hingewiesen, dass die Liquidität, die die EZB zur Verfügung stellt und zwar in Höhe von 1,2 Billionen Euro dreimal so hoch sei wie der theoretische Liquiditätsbedarf des europäischen Bankensystems.

Obwohl die Gesamtzunahme der Zentralbankgelder aufgrund der 530-Milliarden-Euro-Zuteilung nur 311 Milliarden beträgt, weil drei parallele Refinanzierungsgeschäfte in Höhe von 255 Milliarden ausgelaufen sind, dürfte das Refinanzierungsgeschäft der EZB auch bei jenen letzte Zweifel beseitigt haben, die noch der Meinung anhängen, die EZB nähme hier ein geldpolitisches Mandat wahr. Vielmehr ist die EZB zum fiskalpolitischen Scharnier zwischen Finanznotstandsstaaten und ihren Banken geworden.

Kommentare zu " Gastkommentar: Der programmierte Finanz-Kollaps"

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  • Schöner Artikel und Klasse Kommentare. Leider sehr spät - das hätte man 2008 (oder früher)schon prognostizieren können. Papier-/Schuldgeldsysteme enden immer so.


    Der Zinseszins hat eine mathematische Expotentialfunktion als Grundlage. Die reale Wirtschaft kann so nicht wachsen, aber die Geldmenge (Digitalgeld)kann es. Die Realwirtschaft braucht dieses Schuldgeld nicht mehr, da es real keine Wachstumsmöglichkeiten mehr gibt. Die gesamte Zinsbelastung ist zu hoch.

    Also wann stellt sich das System auf Null (Kollaps)?

    Mir wäre ein Ende mit Schrecken lieber als anders herum. Ich glaube den meisten wissenden und unwissenden Bürgern auch.

    Zu hoffen bleibt, dass die Verantwortlichen und Nutznießer zur Rechenschaft gezogen werden.
    ... und eine Demokratie auf der Basis von unwissenden Wäh
    lern brauchen wir auch nicht mehr.

  • Thomas Fricke ist die Speerspitz des institutionalisierten Schmarotzens, um es noch deutlicher auszudrücken wie oekonomicus. Nach Fricke sollen die Deutschen ohne Ende blechen, was letztlich nur den Banken hilft, die die faulen Papiere in den Bücheren haben. Statt Strukturreformen gepaart mit einer effizienten Haushaltspolitik (die Betonung liegt aus effizient), wird in der FTD "Solidarität" eingefordert, nichts anderes als das Schmarotzen der Banken an den Nationalstaaten. Und wenn man denen noch nicht genug geholfen hat, ist der deutsche Steuerzahler mit Target 2 d`ran. Fricke ist mit seiner Kriecherei beim "Großkapital" dermaßen unsozial, wie es nicht-einmal die übelsten "Neoliberalen" zustande bringen würden. Letztere erkennen wenigstens, wo der Kern des Übels ist. Und von Staatsversagen hat der "gute" Mann auch noch nie etwas gehört so staatsgläubig der auch ist.
    Und da geht es über Schuldenhörigkeit noch weit hinaus. Fricke redet jedweder Verschuldungsorgie das Wort und wirft meine Beiträge aus dem Netz, weil er in seiner Kolumne nicht diskutieren will. Er tritt als großer Moderator auf, mit purer Löschfunktion.
    Strukturprobleme der Eurozone: Staatsversagen
    mangelnde Bankenregulierung: Staatsversagen
    Schulden bis zum Bankrott: Staatsversagen/Frickeforderung
    Immobilienblasen: Staatversagen (falsche Anreize)...
    Massenarbeitslosigkeit in der EU: Staatsversagen

    Und wo sind die bösen "Neoliberalen", was immer das auch sein soll?? Wir haben eine Soziale Marktwirtschaft.

  • werter Herr Dr. Leineweber,

    in Ihrem Kommentar haben Sie deutlich dargelegt, was von bestimmten Lohnschreibern zu halten ist.

    Erlauben Sie mir dazu noch eine kleine Anmerkung:

    Wenn ein Ökonom ernsthaft behauptet, hinter der aktuellen Krise stecke auch ein Scheitern der Finanzglobalisierung, so mag man in dieser Aussage eine partielle Logik erahnen.

    Betrachtet man allerdings die dann folgende "Analyse und Priorisierung von globalen Strukturproblemen" etwas genauer, wird man über so manche Empfehlung bestenfalls staunen.

    www.tristan-abromeit.de/pdf/76.0%20Tagungsprogramm.pdf

    Immer wieder auf's Neue wird die schlichte Tatsache ausgeblendet, dass wir in Wahrheit eine breite Diskussion über grobes Politik- und Staatsversagen zu führen hätten!

    Wer soll den politischen Sonntagsreden in denen lautstark das Primat der Politik über die Finanzmafia gefordert wird noch ernsthaft Glauben schenken, wenn ausserhalb der politischen Parallelwelten genau das Gegenteil getan wird?

    Als Beleg dafür mag man im Zusammenhang mit der "privaten Gläubigerbeteiligung" am griechischen haircut den Beschluss des EU-Rates heranziehen, der für künftige Fälle genau solche Maßnahmen auszuschließt [!]

    Dank solcher Freibriefe, die explizit entstehende Verluste der Zocker sozialisieren, kann die Party noch lange fortgesetzt werden ... bis [hoffentlich sehr bald] das Orchester die musikalische Untermalung beendet.

    beste Grüsse

    Oeconomicus




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