Gastkommentar
Der Westen steckt in einem schrecklichen Dilemma

Im syrischen Bürgerkrieg müsste der Westen mit Despoten und Terroristen kämpfen - ein Grund mehr gegen den Krieg. Wenn Europa immer mehr abrüstet, ist die Nato ohne die USA machtlos.
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Das Morden in Syrien geht weiter, das Händeringen auch. Kofi Annan gibt auf, der Sicherheitsrat bleibt blockiert. „So tut doch endlich etwas!“ schreit die gequälte Seele. Doch der kühle Kopf muss Fragen stellen, die sich nicht allein mit Pflicht und Moral beschäftigen.

1. Wer soll etwas tun? Die Nato, natürlich. Aber das scheinbar mächtigste Bündnis der Welt hat in Libyen gezeigt, dass es nicht das Zeug dazu hat, jedenfalls nicht ohne Amerika. Europa rüstet seit bald zwei Jahrzehnten ab. Es fehlen die Projektionskräfte - Flugzeuge, Tanker, Schiffe. Auch die Bomben, die Amerika in Libyen zusammen mit der Schlachtfeld- und Satellitenaufklärung zuschießen musste.

Die Deutschen wären die Letzten, die in einen syrischen Krieg ziehen würden. In Serbien wollten sie nicht einmal die Awacs bemannen, der Intervention in Libyen haben sie selbst das Ja im Uno-Sicherheitsrat verweigert. Pazifisten geben keine Ordnungsmacht her, schon gar nicht seit dem gescheiterten Einsatz in Afghanistan.

2. Was sollen wir tun? Libyen und Serbien waren Kriege, wie der Westen sie schätzt. Aus der Luft, ohne Risiko für Leib und Leben. Mit „chirurgischer Präzision“, wie es im Jargon heiß. Und trotzdem hat es in Libyen sechs Monate gedauert, in Serbien (1999) fast drei. Aber diese Operationen waren ein Kinderspiel im Vergleich zu Syrien. In Serbien musste bloß die Infrastruktur niedergebombt werden, in Libyen das ältliche Potenzial des Diktators.

Diese „billige“ Lösung gibt es in der Levante nicht; der Kampf findet in den Städten statt. Wen träfen wir, wenn wir aus 3000 Metern zuschlügen? Unsere Schützlinge genauso wie die Soldateska. Folglich stünden Bodentruppen auf dem Programm - viele und überall, von Aleppo bis Damaskus.

Und schweres Gerät, das die Eingreifer gegen Assads Panzerarmeen schützt, die selbst die Israelis 1967 und 1973 beeindruckten. Es wäre ein richtiger Krieg, der „Eskalationsdominanz“ erfordert: Verdoppelst du den Einsatz, verdreifachen wir ihn.

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  • die geister die ich rief.leider ist es dem westen egal mit welchen leuten man zu tun hat. hauptsache es passt in die strategie.hinterher kann man ja wieder eine korrektur beginnen.in unseren oeffendlich rechtlichen medien wird immer noch getraeumt.da kann z.b. eine claudia roth ohne wiederspruch von sich geben was ihr gerade so einfaellt.

  • Das "schreckliche Dilema des Westens" hat dieser selber erzeugt mit der Anzettelung des Sunnitenaufstands in Syrien.

    Erst wenn die USA und Saudiarabien damit aufhören, kann wieder Frieden in Syrien einkehren.

  • Das Judentum ist eine der drei Weltreligionen (Christentum, Judentum, Islam), und der Zionismus ist die Bezeichnung einer politischen Ideologie. Die Bezeichnung „Zionismus“ war zum ersten Mal 1893 durch Nathan Birnbaum eingeführt worden, aber es ist Theodor Herzl, ein in Österreich in einer reichen, emanzipierten Budapester Familie geborener Jude, der als Gründer der zionistischen Ideologie betrachtet wird.

    ZIONISMUS ist hinter dem Vorgang eine treibende Kraft der Weltgeschichte seit mind. 100 Jahren.

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