Gastkommentar

Deutschland muss Europa führen

Mohamed El-Erian ist einer der renommiertesten Geldverwalter, seine Einschätzungen haben Gewicht an den Märkten. Der Chef der Allianz-Tochter Pimco sieht Deutschland in der Pflicht, die Euro-Zone aus der Krise zu führen.
38 Kommentare
Der Autor ist Chef des Vermögensverwalters Pimco. Quelle: Reuters

Der Autor ist Chef des Vermögensverwalters Pimco.

(Foto: Reuters)

Als ich ich vor kurzem in Deutschland war, sind mir zwei unterschiedliche Erzählungen aufgefallen. Die erste handelt von einer starken deutschen Wirtschaft mit geringer Arbeitslosigkeit, starken Finanzen und hoher Wettbewerbsfähigkeit.

Die andere Erzählung beschreibt eine Wirtschaft, die durch die endlose europäische Schuldenkrise belastet ist, deren Schuldige die Verantwortung auf Deutschlands makellose Bilanz abschieben wollen. Beide Erzählungen sind plausibel. Aber sie können nicht auf Dauer nebeneinander bestehen. Ein gutes Haus hat es schwer in einer sich verschlechternden Nachbarschaft.

Entweder die Nachbarn bessern sich, oder der Wert des Hauses fällt. Entscheidend ist, welche Erzählung letztlich bestehen bleibt - für Deutschland, für Europa und für die Weltwirtschaft. Deutschland erntet heute die Früchte vieler Jahre verantwortungsbewussten Wirtschaftens.

Die deutschen Politiker haben die öffentlichen Finanzen dauerhaft solide gehalten und zur Förderung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit schwierige Strukturreformen durchgeführt. Aber Deutschland ist auch Teil einer Nachbarschaft mit vielen Herausforderungen und großen Schwierigkeiten. Dort ist die Arbeitslosigkeit - vor allem unter Jugendlichen - alarmierend hoch, und diese Länder können sich kaum aus eigener Kraft retten.

In einigen Fällen ist ihre Solvenz gefährdet. Der Kontrast zwischen Deutschland und seinen Nachbarn sorgt für endlose interne und externe Spannung. Je länger all dies so bleibt, desto mehr geht es an die Substanz der europäischen Einheit.

EU-Institutionen fehlt es noch an Autorität
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gastkommentar - Deutschland muss Europa führen

38 Kommentare zu "Gastkommentar: Deutschland muss Europa führen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Rapid

    >> Ich will Ihnen nur ganz kurz antworten

    Schon okay, das war halt all das, was sich so in 7 Stunden härtester Arbeit in den Minen so zusammengeballt hatte ;-)

  • Hardy

    Ich will Ihnen nur ganz kurz antworten. Sie haben natürlich Recht damit, man könnte vieles ganz anders machen, auch in der Geldpolitik. Nur wir leben nicht im Übermorgen sondern z.Z im Hier und Jetzt mit den jetzigen Vorstellungen von Geld und Kreditwirtschaft und den agierenden Personen und deren lehrbuchmäßigen Vorstellungen und da ist es nun mal so, dass Konjunkturprogramme finanziert werden müsssen zB. in Europa über EZB-Kredite, da die EZB die einzige Institution ist, die das in dieser Größenordnung kann, wie in USA die FED, wenn man mal vom IWF der Madame Lagarde absieht, und Sie wissen ja was die verlangt, wenn sie Kredite vergibt.
    Im übrigen das verbale Niedermachen von Menschen, die anders denken als man selber, finde ich genau so widerlich wie Sie.
    Aber Beleidigungen fallen immer auf den Beleidiger zurück, mich könnten sie nicht treffen, da bin ich mental ganz oben auf dem Berg und nicht im Bunker.

  • Eine andere Diskussion, die gerade in den USA beginnt, sollte einem auch zu Denken geben, wenn man verstehen will, woher der ganze Hass, der sich hier so austobt, stammt. Einen Teil der Erklärungen findet man ja bei Nolte, aber die Diskussion darüber, daß die Republikaner langsam zu einen ernsthaften "Problem" werden und warum, finde ich sehr erhellend.

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/05/17/dlf_20120517_0707_07b4b184.mp3

    Es sind einfach die alternativlosen Radikalisierungen, die - darüber habe ich mich gestern wirklich aufgeregt - gelegentlich das "Existenzrecht" anders denkender und lebender gestellt wird - mir langsam bitter hochstoßen.

    Die Sprache beginnt zunehmend zu verrohen und offenbart immer mehr den Abgrund, der unter uns brodelt.

  • Europa bräuchte gerade ein Netz, das Energie verteilt. Das sollte zb. dezentral passieren. Meinen spinnerten Privatplan, das den Kommunen zu übertragen und die daran verdienen zu lassen, ist sicher unausgereift und "nur so eine Idee", aber so stelle ich mir das vor.

    Eine große Idee. Nur haben wir halt keine Leute, die groß denken, nur kleinkarierte Korinthenk#####, die die Regeln der EZB zwar herunterbeten können, aber keine eigene Idee haben.

    Gucken Sie sich das mal auf nationaler Ebene an: Wir brauchen eine neue Struktur für die Energiewende. Was passiert - das alles wird zerrieben zwischen Umweltminister und Wirtschaftsminister, weil sich keiner die Butter vom Brot nehmen lassen will - und am Ende nichts passiert ist. Warum? Weil das Personal unfähig ist, oder sehen Sie, daß etwa das Wirtschaftsministerium da seinen Job macht? Ich nicht.

    Sie verstehen, was ich sagen will: Ich kann diese kleinkarierte Diskussion langsam nicht mehr hören, was alles _nicht_ geht. Ich will wissen, was _geht_. Und da lese ich hier nichts.

    Ich lese das jetzt seit einem halben Jahr, weil ich mir eine Meinung bilden wollte und war mir bewusst, daß so ein Umfeld immer irgendwie auf einer subtilen Ebene "abfärbt". Ich kann nur feststellen, daß ich nach einem halben Jahr _sicherer_ bin als vorher, daß diese ganze Eurohysterie hier komplett kalter Kaffe von kleinkarierten Rechthabern ist.

    Sie kennen Paul Nolte? Gilt als "Konservativ". Wenn Sie sich "erden" möchten: "Wir sind das Volk!"

    http://mp3-download.swr.de/swr2/aula/swr2aula_20120517_wir_sind_das_volk.6444m.mp3

    Europa wird überleben, der Euro wird überleben, wie auch immer, weil ich bis jetzt niemanden sehe, der eine "bessere" oder überhaupt eine andere Idee hat.

  • Hätten sie damals statt dieser Hosensch#####eri weiträumig und nach vorne gedacht, hätten wir längst das eindeutige Signal, wie Europa gedenkt, weiterzumachen - EuroBonds. Werden kommen, können die Herrschaften hier kreischen wie sie wollen. Eine stärkere europäische Verzahnung, wird kommen, kann der Mob hier jammern was das Zeugs hält.

    Nur alles viel zu spät.

    Aber noch mal zu

    >> im Gegenteil es ist überhaupt kein Geld
    >> da für große Konjunkturprogrmme,

    Also, wenn ich das richtig sehe, steht Deutschland im Moment glänzend da und kann sich einiges leisten, wenn es denn will. Es kann aber auch weiter herumlaufen, den anderen erzählen, wie toll wir sind und sie sollen doch mal bitteschön deutsch sprechen lernen - und die Taschen zuhalten.

    Es ist immer Geld da, Rapid. Man muss es nur denken können. Man kann sich aber auch das Denken verbieten:

    >> schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme

    ich frage mich immer, warum eigentlich immer alle Erfahrungen und Gedanken, die man in den 70ern oder 60ern gemacht hat, sich als Idee in unserem Kopf zu Beton verwandeln. Dieser Begriff der "schuldenfinanzierten Konjunkturprogramme" zb. ist so ein Betonklotz, der das Denken lähmt.

    Wir haben also die Erfahrung gemacht, daß Programme, die aufgelegt wurden, nur dazu führten, daß das Geld in zt. den falschen Löchern oder generell versickerte. Was lehrt uns das? Daß wir nie wieder darüber nachdenken, wie man das schlauer machen könnte. Na danke, dann sind ein Volk von Dichtern und _Betonklötzen_.

    Was uns fehlt sind Leute, die sich das Denken nicht verbieten lassen von solchem Beton. Daß endlich auch Ideen aufgegriffen werden, die ein Wachstum von unten schaffen, nicht schon wieder eines, das darauf beruht, daß man irgendwelchen Konzerne "Strukturhilfen" gibt.

  • Rapid

    >> im Gegenteil es ist überhaupt kein
    >> Geld da für große Konjunkturprogramme

    Ich denke nicht, daß _das_ das Problem ist. Geld ist immer für alles da, weil es ja ab im Grunde nur eine "Idee" oder ein "Glaube" ist und es weniger darum geht, ob es "da" ist, sondern ob man daran glaubt, daß es "da" ist. Ich denke, Sie verstehen, wie ich das meine.

    Alles, was in der Wirtschaft passiert, basiert auf _Vertrauen_. Der Gläubiger hat Vertrauen darin, daß der Schuldner bezahlt. So gesehen haben wir ja keine "Schuldenkrise" sondern eine "Vertrauenskrise", die zu einer Schuldenkrise führt, weil sie dorthin führen soll. Weil Krise eben etwas ist, was das "Geschäft belebt". Je höher die Unsicherheit, um so eher sind Menschen bereit, ein Mehr zu bezahlen. Ein Mehr an Einschränkung ihrer demokratischen Rechte, ein Mehr an Kosten, um Sicherheit zu gewinnen. Die natürlich nicht gewonnen werden darf, weil dann das "Spiel" zuende wäre, das eigentlich ein "Krieg" ist. Das Spiel kann nur gespielt werden, weil die "Regeln" eben offensichtlich sind und die Schwachstellen ebenso.

    Aber am Ende: Alles nur Ideen und Glaubenssysteme.

    Die Amerikaner machen es sich da "einfacher". Die haben das kapiert mit der "Idee" und gehen halt "lockerer" damit um. Die stecken ja auch so tief im sprichwörtlichen Elend, ich denke nicht, daß die im ersten Schritt anders reagieren können, die Frage ist halt, ob sie im zweiten Schritt entweder so viel an "Wachstum", an dem dann alle teilhaben müssten, erzeugen können, oder ob sie den Gürtel enger schnallen, woran ich nicht glaube.

    Deren Vorteil ist, daß sie nicht an das "Ende der Welt" glauben, den wir hier ja tagtäglich an die Wand malen.

    Erinnern Sie sich, wie das war vor zwei Jahren. Hätte die Merkelsche statt die "Chance" zu nutzen, allen "Ihre" Austeritätspolitik aufzudrängeln, die sie so als Spiel nur Spielen kann, weil Schröder ihr den Teppich verschaffte, auf dem sie fliegt.


  • Hardy

    Ausschließlich Austerity-Politik ist hochproblematisch, absolut d`accord. Andererseits, es ist ja kein Geld da , das unter dem Bett verschimmelt, im Gegenteil es ist überhaupt kein Geld da für große Konjunkturprogrmme, sondern diese Geld muß aus dem Nichts als Fiatgeld durch die EZB geschöpft werden, so wie es die Amis machen um ihre Staatsanleihen zu finanzieren, nur die machen es dirkt, die EZB über eine Ausleihe an die Banken, die iherseits damit Staatsanleihen kaufen und damit noch etwas verdienen.
    Laut EZB-Regeln eigentlich nicht gestattet, aber na ja...
    Eines ist klar, schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme, die auch was bringen, werden inflationierend wirken, fragt sich nur wie hoch inflationierend. Ich glaube mich zu erinnern zu H.Schmidts Zeiten in den siebziger Jahren gab es Inflation deutlich über 7% aber auch entsprechend hohe Zinsen auf Sparguthaben, die wird es heute nicht mehr geben, da unbezahlbar. Also Inflation, wie hoch? Wissen Sie es? Ich nicht. Aber die Infation kommt, daran besteht nicht der Hauch eines Zweifels. Die Bezüge der Mitglieder der Bundesregierung sind zum ersten Mal nach Jahren wieder deutlich angehoben worden, die Herrschaften sorgen vor, für sich selber...

  • Zitat aus dem Artikel: „Deutschland in der Pflicht, die Euro-Zone aus der Krise zu führen“. Schon allein deswegen weil die deutsche-französische Achse die Euro-Zone in diese Lage geführt hat.
    Wer hat sonst die Führung bis heute gehabt? Wer wenn nicht der Dicke oder auch Birne genannt und sein französischer Kumpel Mitterand?
    Bestimmt nicht Spanien, Griechenland, Portugal oder Italien. Da hätten wir ganz vernünftige Verträge.
    Die Verträge wurden den anderen Euroländern durch die deutsch-französische Achse diktiert und aufgezwungen.
    Wie sollen sich schwache Wirtschaftsnationen gegen wesentlich stärkere schützen in einer Währungsunion und Freihandelszone ohne echter Fiskalunion.
    Es war doch vorauszusehen dass das Prinzip der eigener Verantwortung unter diesen Bedingungen scheitern musste.
    Gut, Deutschlands Wirtschaft ist auf Kosten anderer EU-Wirtschaften gewachsen und hat enorm profitiert, gerade aber deswegen wird Europa scheitern.
    Alles umsonst gewesen, zu gierig der Mitterand und Kumpel Kohl.
    Worüber ich mich freue aber ist dass Frankreich auch wenig davon profitiert hat, der hat sich total verrechnet der französische Sphinx. Freut mich! Verrat an Europa gehört doch bestraft.

  • Rapid

    >> Der Euro was ein Experiment,
    >> es ist an der Zeit das Experiment
    >> zu modifizieren.

    Wir haben leider nicht so etwas wie eine "Fehlerkultur".

    http://mp3-download.swr.de/swr2/wissen/sendungen/2012/05/swr2wissen_20120516_ich_irre_also_bin_ich.12844s.mp3

    In unserem Kulturkreis ist es halt nicht üblich, einen Fehler "einzugestehen", wir sind mehr auf "Ich war's nicht" oder "DER war's" gepolt und lernen erst ganz langsam dazu.

    Das zweite Problem: Verdammt nochmal, wir sind doch nicht mehr das Land der Nazis und sollten aufhören, mit diesem "Oh, ich trau mich das nicht, ich bin Deutscher, was sollen bloß die anderen denken???"

    Ich muss bei Ihnen ja kein "caveat" einfügen, Sie wissen, daß mir die Verantwortung für unsere Geschichte am Herzen liegt: Das ist ein bißchen wie mit dem "Philosemitismus" - der ist im Grunde genau so dämlich wie Antisemtismus, weil beides stillschweigend eine ausgrenzende Haltung impliziert und zu unsäglichen Verhaltensweisen nötigt.

    Es gibt keinen Grund, warum Deutschland nicht führen sollte - zu blöd nur, daß wir gerade keine haben, die auch das Zeugs dazu hätten. Weder die Traute noch das Zeugs. Die Merkelsche _kann_ nicht führen, die ist desorientiert, versteht diese ganze Europa-Sache nicht ganz. Hätte sie mal besser den Jean Claude Junker statt Barroso den Vortritt gelassen, kann ich da nur sagen.

    Das eigentliche Problem ist die Kleinkariertheit. Immer wird auf kleine, naheliegende Ziele als "Sieg" spekuliert, der "Sieg" abgefeiert ... und am eEnde missen wir mit so einem Gartenzwerg wie Barroso leben.

    Was wir brauchen ist die "Bundesrepublik Europa". Griechen bleiben Griechen, wie die Bayern Bayern bleiben. Aber wir brauchen auch ein anderes Personal, Hollande ist ja schon mal ein Anfang.

    Vor allem muss diese ideologisch verseuchte Austeritätssch#### aufhören - Geld, das man unter dem Bett versteckt, schimmelt vor sich hin.

    Mit "Modifizieren" kann ich leben.

  • cashca

    >> Ausserdem, die Kommentare sind die Stimme des Volkes.

    Das bezweifle ich doch stark.

    Des Pöbels wohl eher.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%