Gastkommentar
Die Energiewende braucht mehr Kommunikation

Ob die Energiewende gelingt, entscheidet sich auf lokaler Ebene, argumentiert der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Für ihn steht fest: Alle Beteiligten müssen mehr kommunizieren.
  • 1

Vor einigen Wochen stand Deutschland scheinbar kurz vor dem Zusammenbruch der Stromversorgung - obwohl Kraftwerkskapazitäten anscheinend vorhanden waren. Zwar war bekannt, dass Frankreich in diesen Tagen wegen der starken Kälte und der vielen Elektroheizungen auf deutsche Importe zurückgreifen musste. Die Photovoltaik lieferte aber dank strahlender Sonne zur Mittagszeit sogar die Leistung von sieben Kraftwerken. Wenn wir aber schon in einer solchen beherrschbaren Situation beinahe in den Blackout rutschen, stellt sich die Frage, ob die Energiewende tatsächlich so unter Kontrolle ist, wie behauptet wird.

Die Verunsicherung in den Unternehmen hat dieser Fall jedenfalls verstärkt. Das Risiko von Stromunterbrechungen ist real, und es steigt. Seit wir vor einem Jahr sieben Kernkraftwerke auf einen Schlag vom Netz genommen haben, ist es schwieriger geworden, die Stromversorgung stabil zu halten. Die erneuerbaren Energien liefern mal Rekordmengen Strom, mal fast gar keinen. Die Netzbetreiber müssen inzwischen dreimal so oft Kraftwerke zu- und abschalten, um die Netzstabilität zu gewährleisten.

Der Netzbetreiber Tennet z.B. berichtet von 900 Eingriffen pro Jahr. Unternehmen stellen ihrerseits zunehmend Schwankungen der Netzspannung fest. Kein Wunder, dass bei einer DIHK-Umfrage 65 Prozent der Industrieunternehmen Stromausfälle und Stromschwankungen als Risiko für ihr Geschäft betrachten. Erforderlich ist es daher, die Ergebnisse der Untersuchung zum Beinahe-Crash von Anfang Februar transparent zu machen und offen zu diskutieren. Nur so kann Vertrauen zurückkehren. Zudem müssen wir sehr schnell Schlussfolgerungen ziehen für die staatliche Notfallvorsorge.

Als erster Schritt geplant ist die Abschaltung von Großverbrauchern gegen Entschädigung. Das wiederum kostet Geld: Die Bundesregierung rechnet mit Zusatzkosten von 100 Millionen Euro. Die Entschädigungen werden auf die Netzentgelte aufgeschlagen und treiben damit den Strompreis. Unser Ziel muss ein intelligentes Netz sein, das in der langjährigen Übergangsphase der Energiewende Angebot und Nachfrage auf elektronischem Wege schnell und mit geringem Aufwand in Ausgleich bringen kann.

Es ist zwar ohne Zweifel gut, dass wir immer mehr Megawattstunden aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne erzeugen. Der gleichzeitig notwendige Umbau des Energiesystems hält mit dem Tempo des Ausbaus der Erneuerbaren jedoch nicht Schritt. Die zur Aufnahme von Sonnen- und Windenergie notwendige Infrastruktur müssen wir zum großen Teil erst noch bauen - und das braucht Zeit. Für den Ausbau der Übertragungsnetze sind neue Regelungen zu erlassen. Sie sollen die Genehmigungsverfahren, die nach bisheriger Erfahrung um die zehn Jahre dauern, weiter beschleunigen.

Seite 1:

Die Energiewende braucht mehr Kommunikation

Seite 2:

Ein Projektmanager sollte bestellt werden

Kommentare zu " Gastkommentar: Die Energiewende braucht mehr Kommunikation"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dass in Deutschland mit der Etablierung des Atomstaates, den ja Robert Jungk in seinen Folgen, Wechsel- und Auswirkungen so exemplarisch beschreiben hat, nicht nur die gesellschaftlich Verstandes-Hirn-Schranke überwunden und uns als Gesellschaft in einen Zustand des hybriden Herrenmenschengrößenwahns katapultiert haben, ist ein Problem, wie die rasante Zunahme der radioaktiven Verseuchung immer größerer Grund- und Mineralwasserbrunnen es bezeugen.
    Mit dem EEG wurde nun sogar die staatlich höchstsubventionierte, flächendeckende Vergiftung der deutschen Grundwasservorkommen zu Gunsten einer wirklichen Kleinstgruppe von Landwirtschaftsmafio im Segment der Mais-Bioenergiekraftwerke mit parlamentarischem Segen und der Willfährigkeitswillkür der kommunalen Selbstverwaltungsbürokraten zu einer stalinistischen Zwangswirtschaft gemacht.
    Nitrat- und Nitritverseuchung qua millionenfacher Güllemengensteigerung und Bodenvernichtung qua intensivster Maisanbaukulturen - Die Neuen Brunnenvergifter finden wir mitten unter uns. Mitten in den Reihen der sogen. bürgerlichen Parteien, von FDP über CDU/CSU - SPD und dem Realoflügel des Bündnis 90 / Die Grünen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%