Gastkommentar Die große Solidaritätsheuchelei der USA

Die USA verlangen, dass Berlin mehr tut, um den Euro zu retten. Es solle gegenüber den Nachbarstaaten mehr Solidarität zeigen. Dabei ist Deutschland viel mehr am Gemeinwohl gelegen als den USA selbst.
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Aaron Wiener ist freier Journalist und arbeitet für die „Los Angeles Times". Quelle: PR

Aaron Wiener ist freier Journalist und arbeitet für die „Los Angeles Times".

(Foto: PR)

US-Präsident Barack Obama fordert, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel alles unternehmen soll, um eine Vertiefung der Euro-Krise zu verhindern, damit die USA nicht in deren Strudel geraten. Das ist verständlich, denn in den USA stehen Wahlen vor der Tür.

Was Obama aber nicht ausspricht ist die Tatsache, dass Deutschland bereits größere finanzielle Unterstützung für seine Nachbarn geleistet hat, als die USA jemals an Staaten in Not in Betracht ziehen würden. Ein Blick auf die Fakten: Nach Zahlen des Münchener Ifo-Instituts müsste Deutschland 641 Milliarden Euro aufbringen, wenn die sogenannten PIIGS-Staaten zahlungsunfähig würden.

Das ist mehr als ein Viertel des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Vergleichen wir das einmal mit dem am meisten gerühmten Hilfspakt der Vereinigten Staaten in der Geschichte, dem Marshallplan. Im Verlauf von vier Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA 13 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau Europas ausgegeben. Das entspricht 120 Milliarden Dollar oder 95 Milliarden Euro in heutiger Kaufkraft.

Das ist ungefähr ein Siebtel dessen, was Deutschland in der Euro-Krise aufgebracht hat - und das von einer Volkswirtschaft, die mehr als viermal so groß ist. Derzeit kann Präsident Obama keinen Cent beim Kongress für die nationale Konjunkturstimulierung loseisen. Sogar Programme wie die Arbeitslosenversicherung, lange ein unstrittiges Thema, werden nicht ohne Kontroverse verlängert.

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Republikaner würden Entwicklungshilfe noch stärker kürzen
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8 Kommentare zu "Gastkommentar: Die große Solidaritätsheuchelei der USA"

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  • Richtig - aber man sollte auch auf unsere (Ex-)Politiker wie z.B. den Herrn Fischer eingehen, die nicht nur mit ihrer Mischung aus ökonomischer Inkompetenz und ideologischem Wahn den Euro-Beitritt Griechenlands (mit-)zuverantworten haben, sondern auch in einem wirklich infamen Ton einschließlich des üblichen Hinweises auf den NS eine totale Haftungsübernahme Deutschlands zu erpressen versuchen. Obama versucht seine Wiederwahl zu retten, dieser Herr aber (und andere rot-grüne Euro-Irre) verrät seit langem konsequent die Interessen von uns deutschen Steuerzahlern.

  • mister euro ihr weltbild möcht ich haben, da muss man aber eine menge fakten ausblenden um so naiv positiv durch die welt zu wandern.

    der transatlantischen freundschaft haben wir unser eurodebakel einen gutes stück zu verdanken ebenso wie den engländern unseren lieben doppelagenten.
    nene diese hilfe würde ich samt und sonders ablehnen denn es ist keine.

  • Sehr geehrter Herr Wiener, ich sehe in dem Handeln der USA mehr positive Effekte für Europa und ich sehe auch, dass damit die Möglichkeit zur Wiederbelebung des transatlantischen Bündnisses besteht.

    Die USA haben in den letzten Tagen den Dialog mit David Cameron aufgenommen und darum gebeten, bei der Schieflage im EURO mehr zu tun. Ich sehe es ebenso wie die amerikanische Regierungspolitik, dass wir alleine die Probleme im EURO nicht beweltigen können. Es wäre also sehr positiv, wenn wir über die USA ein Zusammengehen mit England realisieren könnten.

    Die Nummer mit dem EURO ist für uns alleine zu groß und dies hat Obama auch den Engländern vermutlich mitgeteilt. Da hat also Obama etwas sehr sinnvolles getan.

    Die Engländer selbst sind mit dem Pfund einem erheblichen Risiko in währungstechnischer Sicht ausgesetzt. England, daran sei erinnert, wurde erst vor wenigen Tagen von einer kleinen Ratingagentur herabgestuft.

    Die Briten sollten also zusammen mit uns ein Interesse zu einer europäischen Lösung haben, wenn sie nicht einer Kapitalflucht entgegensehen wollen.

    Es wäre wirlich sehr sinnvoll, wenn wir das transatlantische Bündnis nutzen könnten. Dies aber geht erfahrungsgemäß ohne die Engländer nicht. Im Übrigen darf ich auch daran erinnern, dass die Engländer für eine Eigenkapitalaufstockung der Banken plädieren, was unsere Politiker bislang aus nicht nachvollziehbaren Gründen ablehnen.

  • Bevor uns die USA Ratschläge geben, sollten sie erstmal selber an ihrer internationalen Reputation arbeiten.

    Was ist das für ein Land, in dem es noch die Todesstrafe gibt, ein Land was internationales Recht gezielt missachtet -z.B. pocht ja die USA darauf. ggf. Bürger weltweit mit Staatshilfe zu kidnappen-, betreibt außer Guantanamo noch ca 40 andere Geheimgefängnisse usw. Die US-Politiker sind scheinbar nur zu Gewaltlösungen fähig. Siehe alle Kriege der USA um Rohstoffe. Und die große Frage ist, wie erfolgreich sie damit waren und werden. Eben weil Kriege neben sehr viel Geld und auch menschliche Resourcen kosten: Menschenleben und Arbeitszeit für den militärischen Sektor. Irgendwann gehen daran auch die USA finanziell kaputt.

    Da hilft es auch nichts, wenn jeder Besucher der USA, alle zehn Fingerabdrücke und ein Fahndungsfoto bei der Einreise abliefert, die NSA weltweit jede Email, jedes Telefonat und jede Geldtransaktion sammelt und ansonsten in Land ein fast krankhafter Patriotismus gepflegt wird. Zivilisiertes Verhalten sieht anders aus. Freiheit auch.

    In einem Punkt muß ich allerdings den Republikanern zustimmen: Entwicklungshilfe muß gekürzt werden. Sowohl von den USA als auch von Deutschland. Aus vielen Gründen und nicht nur für China!

  • Ein historisch einseitiger Artikel. Von Zahnstein in der mulridemensionalen "Sachlage" rate ich ab.

  • ein sehr guter und für deuschland vitaler artikel - realpolitische abwägung der interessen mit ein wenig aufklärung über die unhaltbaren und zerstörerischen "sauereien" im finanzwesen. bitte mehr davon!

  • Innenpolitik
    Sowohl beim Aussprechen der Wünsche Obamas als auch beim Zuhören und Verbreiten geht es ausschließlich um Innenpolitik.
    Obama sucht Sündenböcke im Ausland für die heimische Misere und Deutschland "braucht" das Bashing um sich innenpolitisch rechtfertigen zu können. Internationaler Druck ist für viele Menschen eben leider immer noch plausibler, als das es in unserem Interesse liegt, den Euro zu stützen, auch wenn es erst einmal Geld kostet.

  • "Was Obama aber nicht ausspricht ist die Tatsache, dass Deutschland bereits größere finanzielle Unterstützung für seine Nachbarn geleistet hat, als die USA jemals an Staaten in Not in Betracht ziehen würden."

    Deutschland sollte sich das ständige propagandistische Bashing, dass in der derzeitigen sensiblen Situation, in der z.B. in wärmeren Regionen statt in die Hände zu spucken nur zu gern ein Buhmann für die eigene Misere gesucht wird und deshalb schon an der Grenze zur Hetze ist, nicht bieten lassen und konsquent sachlich aber vernehmlich wie dieser Artikel kontern. Nur so kann eine Erdung der Begehrenden erreicht und verhindert werden, dass diese völlig den Bezug zur Realität verlieren.

    Einfach unzumutbar was für absurde Forderungen in einem unverschämten Ton mittlerweile an Deutschland herangetragen werden und das nicht mal um eine nachhaltige Lösung zu finden, worüber man ggfls. reden könnte. Nein, es geht nur darum, diesem durch und durch marod-verrotteten Finanzbetrugssystem noch ein paar Wochen länger den Anschein einer Zukunft zu geben und dafür sinnlos die Altersvorsorge der deutschen Bürger zu verbraten.

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