Gastkommentar
Die neue Welt(un)ordnung

Der Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, wirbt für eine entschlossene Weiterentwicklung der europäischen Integration. Und die geht nicht ohne die Briten.
  • 21

Das Schicksal der EU entscheidet sich in immer dramatischeren Akten, die manche an das Muster der griechischen Tragödie erinnern, wo sich die Protagonisten in eine scheinbar ausweglose Lage verstricken und schließlich an ihr scheitern. Mit dem historischen Beschluss, eine Fiskalunion für die Euro-Zone anzustreben, hat der Brüsseler EU-Gipfel einen wichtigen Schritt getan, damit das europäische Drehbuch nicht dem Muster der griechischen Tragödie folgt. Doch es werden noch viele weitere Schritte folgen müssen. Denn bei der europäischen Integration geht es um mehr als den Euro, die europäischen Haushalte oder die Stabilitätskriterien, so wichtig diese sind.

Es geht im wahrsten Sinne des Wortes ums Ganze. In den letzten 18 Monaten hat sich unser Blick auf die südeuropäischen Schuldenprobleme konzentriert. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass sich die Welt außerhalb Europas weiterdreht - immer schneller und immer öfter auch ohne uns. Während wir über das Europa der zwei Geschwindigkeiten und über den Vertrag im Vertrag diskutieren, verschieben sich draußen die weltpolitischen Gewichtungen. Die globale Finanzkrise hat die Grenzen des Westens aufgezeigt. Mit großer Dynamik formiert sich eine neue Welt(un)ordnung . Besonders in Asien entstehen neue machtpolitische Zentren, denen wir strategisch Rechnung tragen müssen.

Die USA sind uns hier einen Schritt voraus. Präsident Obamas Bekenntnis zur Priorität des asiatisch-pazifischen Raums für die USA ist ein Weckruf für Europa. Die Zeiten, in denen die Vereinigten Staaten stets ihre schützende Hand über Europa hielten, sind vermutlich vorbei. Die US-Politik in der Libyenkrise war eine Vorwarnung, dass unser Schicksal zunehmend in unseren eigenen Händen liegt. Ist die EU hierfür gerüstet, oder drohen wir auf der weltpolitischen Bühne zunehmend marginalisiert zu werden?

Was muss geschehen? Zweierlei: Die Euro-Zone muss die Schuldenkrise hinter sich bringen, und die EU muss den Weg der politischen Integration entschlossen fortsetzen. Was sich mit dem Ziel der Fiskalunion in der Euro-Zone jetzt hoffentlich durchsetzen wird, muss auch politisch und sicherheitspolitisch für die ganze EU gelten: Gemeinsam sind wir stärker. Und Gehör werden wir nur finden, wenn wir mit einer Stimme sprechen. Deshalb muss Großbritannien aktives Vollmitglied der EU bleiben. Wir dürfen London jetzt nicht in der Schmollecke lassen! Aber wie? Jetzt sind kreative Ideen gefragt. Dazu drei beispielhafte Anregungen: Was wäre zum Beispiel, wenn Berlin gemeinsam mit dem EU-Gründungsmitglied Italien eine Initiative zur Vollendung des Binnenmarkts starten würde? Das wäre ein wichtiger Schritt zu mehr EU - aber mit London.

Kommentare zu " Gastkommentar: Die neue Welt(un)ordnung"

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  • kleines PS: Gary Allens "Die Insider" und - wichtiger - Robert A Wilson habe ich übrigens schon Ende der 70er gelesen. Sie glauben immer noch an ersteres, ich finde letzteren definitiv klüger.

  • Oha, "alternative" Medien.

    Dazu zählen dann sicher auch Grimm's Märchen.

    Nur, daß Ihr eben auf dem Schoß von durchgeknallten Amerikanern statt dem einer freundlichen Großmutter sitzt.

    Wobei man Grimms Märchen ja durchaus unter psychologischen Aspekten etwas abwgewinnen kann, das pathologisch paranoide Geschwafel auf "Schwach & Sinn" aber eigentlich nur dazu taugt, das Verhalten hysterisierter Lemminge zu studieren.

    Mag ja sein, daß diese Schmalspur-Verschwörungstheorieen Euch helfen, eine komplexe Welt auf Kindergartenniveau herunterdeklinieren zu können, weil Ihr zu faul seid, sie in ihrer Komplexität verstehen zu lernen - ich empfehle an der Stelle immer gerne die Bücher von Umberto Eco, vor allem sein Standardwerk über die Semiotik (Zeichen in Zeichen, müsste gerade Ihnen gefallen!), in Ihrem Falle aber auch gerne "Das Foucaultsche Pendel" - vielleicht verstehen Sie ja den Witz - und ganz besonders den "Friedhof in Prag", wenn Sie beobachten möchten, wie eine spinnerte Idee an Wucht und Gestalt gewinnt.

    Viel Spaß beim Erkenntnisgewinn und beim Kriegspielen im Sandkasten

  • @hardy (2:02 Uhr)

    1. es wäre sehr schön, wenn Du deine jugendliche Fäkalsprache für Dich behalten könntest

    2. ich bin nicht braun angehaucht und habe lediglich das GG zitiert, das jedoch keine der Marionetten der Finanzelite interessiert!

    3. ich bin strikt gegen ein demokratisch nicht legitimierte EU und eine gewollte NWO (Frau Merkel, usw.)

    "..Nochmal: Gegen wen möchten - oder fürchten Sie denn - dieses Land verteidigen zu müssen? Die Dänen? Die Franzosen? Die Polen?"

    Ich hoffe gegen niemanden. Ich wollte auch nur darauf hinaus, das ich keine rechtliche Grundlage (Art. 115a GG) für Auslandseinsätze der BW sehe, weil sich unsere Stattsgrenzen nicht im Hindukusch befinden (ganz abgesehen vom Erhalt bzw. Förderung der Drogen-Produktion).

    "Wir sind eine Gesellschaft, eine zivile."

    Ja, klar, die jedoch nichts zu sagen hat, weil wir bis dato keine Verfassung haben (siehe Art. 146 GG).

    "Ich denke in der Zeit über die Verteidigung meiner Rechte als Bürger gegenüber "dem Staat" nach .. und der Erhaltung meiner Freiheit gegen Schwafler, die in Kategorieen des vorletzten Jahrhunderts denken."

    Da stimme ich Dir völlig zu, wie auch 98 Prozent der Befragten, die Politiker für unglaibwürdig halten.
    Das Politiker der Finanzelite (1 Prozent) dienen, ist klar und eine erstmalige Verfassung in D. könnte das ändern!



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