Gastkommentar
Die verlorene Ehre des Kaufmanns

Der im Jahr 2009 verstorbene Soziologe Ralf Dahrendorf hat kurz vor seinem Tod Ansichten formuliert, die noch heute hochaktuell sind. Er kritisierte den „Pumpkapitalismus“ und empfahl Ludwig Erhards Aufruf: „Maßhalten“
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Die Ursachen der Krise lassen sich auf mancherlei Weise bestimmen. Technisch stand am Anfang eine Finanzkrise, die aus der um sich greifenden Versuchung folgte, Geld nur mit Geld und nicht mit der Wertschöpfung von Gütern und Dienstleistungen zu „verdienen“. Mir scheint auch ein wichtiges Glied in der Ursachenkette zu sein, dass dies mit geborgtem Geld geschah. Allerorten trat an die Stelle des klassischen „Sparkapitalismus“ ein „Pumpkapitalismus“. Viele Sitten des ehrbaren Kaufmanns gingen dabei über Bord.

„Wer ist schuld?“ Es sind eben nicht nur Betrüger mit ihren Pyramidenverkäufen oder auch von hohen Renditen verführte Bankiers mitsamt ihren Beratern, sondern ebenso ihre Kunden, die sich nicht mehr mit Renditen von vier oder fünf Prozent für ihre Ersparnisse begnügen wollten. Dennoch trifft die Verantwortlichen im Finanzsektor und darüber hinaus eine besondere Verantwortung. Es gibt offenbar Mentalitätsmoden mit weitreichenden realen Folgen. Nicht nur tonangebende Gruppen werden von diesen erfasst, sondern breite Schichten der Gesellschaft. Die Krise erweist vor allem das Scheitern einer solchen Mentalität. Das macht Abhilfe zu weit mehr als einem technischen Problem.

Was hat das mit der Wirtschaftsordnung zu tun? Viel. Die soziale Marktwirtschaft ist ja nicht nur Wettbewerb plus Sozialversicherung. Aus gutem Grund hat Ludwig Erhard immer wieder zum „Maßhalten“ aufgerufen. Wohlstand für alle setzt eine Gesellschaft voraus, in der der Beitrag der Einzelnen zum allgemeinen Wohl hoch bewertet wird.

Der Begriff der Marktwirtschaft hat nach wie vor einen guten Klang. Was das Beiwort „sozial“ bedeuten soll, ist allerdings nicht immer klar. Der hier angedeutete Gedanke ist eine Marktwirtschaft im sozialen Kontext, die Nachhaltigkeit und Verantwortung als Leitfaden akzeptiert. Mit ebenso zutreffenden Worten kann man auch von einem verantwortlichen Kapitalismus sprechen. Und was ist die Rolle der staatlichen Instanzen bei der Bewältigung der Krise und vor allem danach? Die Frage ist keineswegs so leicht zu beantworten, wie diejenigen meinen, die behaupten, „jetzt muss der Staat zeigen, was er kann“. Manche nennen das auch noch Keynesianismus.

Tatsächlich dürfte das blinde Vertrauen in den („guten“) Staat vornehmlich negative Folgen haben. Protektionismus, Korruption, Verschuldung, unsachliches (wahlkampfbestimmtes) Handeln sind nur einige mögliche Sünden des Staates. Die folgenden vier Anmerkungen verbinden daher den Sinn für die Tiefe der Krise mit einer gehörigen Portion Staatsskepsis.

Kommentare zu " Gastkommentar: Die verlorene Ehre des Kaufmanns"

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  • super beitrag und alles klingt so vernünftig, aber leider alles am problem vorbei. in einem geldsystem das auf schulden, neuem geld zins und zinseszins bassiert, kann ein staat noch so gut haushalten, irgendwann fliegt einem das system um die ohren. denn wenn neues geld auf den markt kommt auf das zinsen gezahlt werden müssen können diese irgendwann nur noch mit neuem geld bezahlt werden auf das wiederrum zinsen gezahlt werden müssen, also brauchen wir wieder neues geld usw., wir denken schulden sind schlecht (sind sie auch, denn sie führen in die abhängigkeit). supperreiche, banken und politiker finden schulden super, denn sie generieren rendite, abhängigkeit und wachstum und letztendlich bezahlt werden die schulden vom kleinen mann und seinen kindern. da gibts irgendwann eine währungsreform und jeder hausbesitzer hat plötzlich eine zwangshypothek auf seinem haus, jeder aktienbesitzer muss die hälfte seiner aktien abgeben, goldbesitz wird staatlich verboten und geld ist mit einem mal 90 % weniger wert. alles schonmal da gewesen und dann gibts wieder 40 jahre wachstum.

  • Selbstheilungskräfte ?, sollte es die tatsächlich noch geben, so werden die doch nach allen Regeln, nicht nur von Merkel, sondern auch den anderen Linken Typen wie Gabriel, Steinmeier, Lafontaine u.v.a. in einer Art Volksfront bekämpft.

  • Eine Selbstregulierung ist der Staatsregulierung nicht vorzuziehen, weil sie nichts weiter bedeutet als : „Weiter wie bisher !“ Selbstregulierungen haben noch immer zu nichts geführt: Keiner tut was. Alle dürfen weiter machen wie bisher. Selbstregulierung ist eine Erfindung derjenigen, die von den bestehenden Verhältnissen profitieren.

    Wenn die wichtigsten Veränderungen Mentalitäten betreffen, dann sind wir aufgeschmissen. Wir dürfen dann geduldig abwarten, wann die Herren gedenken, ihre Mentalität zu ändern. Solange Gewinn mit der bestehenden Mentalität zu erzielen ist, wird sich da nicht viel tun ! Und bei den gewaltigen Kurssprüngen bei Staatsanleihen, Devisen und Aktien sind die Herren Spekulanten im siebten Himmel. Man konnte noch nie mit fallenden Kursen soviel verdienen wie heute. Dank Ratingagenturen sind diese Spekulationsgewinne auch noch so sicher wie die Verzinsung auf dem Sparbuch.

    Der Inflationsschub, den die kleinen Leute bezahlen, wird es sein, mit dem die Staatsverschuldung abgebaut wird.

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