Gastkommentar: Die Währungsunion ist zum Scheitern verurteilt

Gastkommentar
Die Währungsunion ist zum Scheitern verurteilt

Der ehemalige britische Schatzkanzler Norman Lamont gibt der Euro-Zone keine Überlebenschance, weil er viele Mitglieder für nicht wettbewerbsfähig hält. Schon 1992 hielt er die Währungsunion für ein unmögliches Projekt.
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Als britischer Verhandlungsführer für den Maastricht-Vertrag hielt ich die Währungsunion bereits 1992 für ein unmögliches Projekt. Erstens, weil Europa kein optimaler Währungsraum ist. Die Flexibilität der Arbeitsmärkte reicht dafür nicht aus.

Zweitens, weil ein einheitlicher Leitzins den unterschiedlichen monetären Bedürfnissen und Immobilienmärkten in den einzelnen Mitgliedstaaten nicht gerecht werden kann. Drittens, weil wir die Möglichkeit von notwendigen Wechselkursanpassungen aufgeben würden. Und last, but not least: weil ich der Überzeugung bin, dass eine Währungsunion nur mit einer Fiskalunion funktionieren kann. Diese wiederum verträgt sich nur schwer mit der parlamentarischen Demokratie.

Aus diesen Gründen hat sich Großbritannien damals gegen den Beitritt zum Euro entschieden. Dennoch sind wir von den Ereignissen in der Euro-Zone stark betroffen. Ich kann mich noch gut an die deutsche Position in den Maastricht-Verhandlungen erinnern. Zunächst forderten die Deutschen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach dem Vorbild der Bundesbank gestaltet werden und nur der Preisstabilität verpflichtet sein sollte. Darüber hinaus beharrte Deutschland auf der „Nichtbeistandsklausel“.

Dieses Verbot, für die Verbindlichkeiten anderer Mitgliedstaaten zu haften, erklärt für mich, warum Deutschland in der Euro-Krise aus Sicht seiner Kritiker immer nur das Minimum getan hat. Auch wenn das für den deutschen Steuerzahler anders aussieht.

Die Kritiker halten den Rettungsschirm EFSF nicht nur für zu klein. Sie bemängeln auch, dass eine einseitige Sparpolitik die Situation wie in Griechenland noch verschlechtert hat. Der italienische Ministerpräsident Monti hat deshalb bereits vor sozialen Protesten gewarnt. Kanzlerin Merkel glaubt, dass die Krise noch Jahre andauern kann.

Je länger sie dauert, desto größer ist die Gefahr, dass ein großes Finanzhaus in Konkurs gehen könnte. Das wiederum hätte ernsthafte Konsequenzen für die Währungsunion.

Ich habe viel Sympathie für die deutsche Ablehnung von Euro-Bonds. Diese Gemeinschaftsanleihen wären keine Lösung. Vielmehr hat die Konvergenz der Anleihezinsen erst zu der Schuldenkrise geführt. Der Markt konnte seine Signalfunktion nicht erfüllen.

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Fiskalunion ist eine Gefahr für die Demokratie

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  • Die Antwort der EURO-Wahnsinnigen Politiker:

    "Wir lassen uns doch nicht von Fakten unsere Meinung beeinflussen - und der Wille der Bürger war uns schon immer sowas von egal".

  • Die EU und der Euro sind ein Projekt der City of London mit der Absicht, den europäischen Völkern ihre nationalen Souveränitäten noch möglichst lange nach dem zweiten Weltkrieg vorzuenthalten und sie monetär auszurauben. Die EU konserviert die Entmündigung der europäischen Völker im Sinne der oligarchen Besitzer des monetären Geldsystems. Doch dieses elitäre Knechtschaftssystem hat aufgrund von global peak oil nur noch ein sehr begrenztes Haltbarkeitsdatum. Wenn spätestens um das Jahr 2015 aufgrund der raschen Depletion konventionellen Erdöls die Grundlagen für substanzlose Schuldgeldschöpfung endgültig wegbrechen, wird ein neues selbstbewußtes nationales Zeitalter beginnen. Die Völker werden sich der geldschöpfenden Oligarchie in London entledigen, sich wieder souveräne Verfassungen geben und eigene wertbeständige Währungen editieren. Die Macht der City of London wird mit dem Euro zusammen vergehen.

  • Merkel hat durch negativ ihre wirtschaftliche >Inkompetenz und positiv durch ihre abwartende Haltung die Schwächen des Euro schneller deutlich werden lassen, als es eventuell mit Geld drucken nach dem Modell Barroso/Junker gewesen wäre. Es scheint, dass Merkel heute selbst nicht mehr ihre eigenen Worte glaubt: "Fällt der Euro - fällt Europa"

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