Gastkommentar
Die Welt steht kopf

Mohamed El-Erian, der Chef von Pimco, sieht westliche Mächte und Schwellenländer sich einander annähern. Über vertauschte Rollen im Weltwirtschaftssystem.
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Vor unseren Augen entsteht eine neue Ordnung der Weltwirtschaft. Dazu gehört, dass die alten westlichen Mächte und die stärksten Schwellenländer sich in gewisser Weise einander annähern. Aber die Kräfte hinter diesem Trend haben wenig mit dem zu tun, was Generationen von Ökonomen an der alten Weltordnung gestört hat. Und sie könnten unerfreuliche Folgen haben.

Jahrzehntelang haben viele Leute die Vorherrschaft des Westens beklagt. Vom Zuschnitt der internationalen Organisationen bis zur Struktur der globalen Finanzbranche schien alles an westlichen Interessen ausgerichtet zu sein. Es wurde zwar viel von Reformen geredet, aber die westlichen Länder haben alle Veränderungen blockiert, die ihre eigene Position untergraben hätten. Und wenn diese Blockade hin und wieder überwunden wurde, kamen nur sehr kleine Veränderungen dabei heraus. Deswegen haben viele Schwellenländer das Vertrauen in das Weltwirtschaftssystem verloren.

Die Skepsis wurde durch die Finanzkrisen in Asien, Osteuropa und Lateinamerika in den späten 90ern und kurz nach der Jahrtausendwende noch geschürt. Vor allem, weil der Westen aus Sicht der Schwellenländer darauf nicht angemessen reagiert hat. Weil sie das Vertrauen in gegenseitige Hilfen und die großen Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) verloren, verlegten sich die Schwellenländer darauf, ihre eigene Finanzkraft zu stärken. Sie häuften daher Reserven in einem früher unvorstellbaren Ausmaß an. Durch hohe und nachhaltige Exportüberschüsse bauten sie ihre äußere Verschuldung ab. Und sie stärkten ihre heimischen Finanzsysteme, um besser gegen Störungen von außen gewappnet zu sein.

Ganz anders im Westen: Hier wurden unvorstellbare Mengen an Schulden aufgehäuft. Finanzielle Exzesse waren eher die Regel als die Ausnahme, begünstigt durch Finanzinnovationen und den Abbau von Kreditstandards und vernünftiger Regulierung. So stellte sich die Welt auf den Kopf: „Reiche“ Länder ließen große Defizite auflaufen und wurden in einigen Fällen aus Netto-Gläubigern zu Schuldnern. Die „Armen“ dagegen häuften durch ihre Überschüsse hohe Vermögen an, darunter auch Forderungen an die westlichen Länder. Und niemand ahnte, dass dies zu Ungleichgewichten und zu einer Krise führen würde, die die Weltwirtschaft bis in ihre Fundamente erschüttert.

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Die westlichen Realitätsleugner

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  • immer dieser Abgesang auf die westliche Welt.

    Die ach so tollen Schwellenländer sind doch zumeist entweder
    verlängerte Werkbänke des Westens oder schlich nur reich an Rohstoffen - beides relativiert sich wenn es dem Westen schlechter geht.

  • Lieber Peer,

    Sie sprechen wahre Worte gelassen aus. 100% Zustimmung von meimer Seite.

    In diesem Sinne Happy Holidays

  • Dieser Deal birgt Sprengstoff für die Börsen
    Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 11.03.2011 75 Kommentare



    Der grösste Anleihenfonds der Welt hat sämtliche Staatsanleihen der USA abgestossen. Für die Weltkonjunktur und die Aktienmärkte ist das ein dramatisches Alarmsignal.
    Dank der Anlagesumme von einer Billion Dollar hat ihre Stimme auf den Anleihemärkten eine überragende Bedeutung: Pimcos-Chefmanager Bill Gross (links) und der CEO des Fonds, Mohamed El-Erian (rechts).

    Dank der Anlagesumme von einer Billion Dollar hat ihre Stimme auf den Anleihemärkten eine überragende Bedeutung: Pimcos-Chefmanager Bill Gross (links) und der CEO des Fonds, Mohamed El-Erian (rechts).
    Bild: Reuters
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    Stichworte

    Bill Gross
    Pimco

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    Wenn ein Fonds seine Investitionen umschichtet, ist das gewöhnlich keine Schlagzeilen wert. Nicht so im Fall der Pacific Investment Management Company, vor allem bekannt unter der Abkürzung Pimco. Die Gesellschaft verwaltet insgesamt Anleihen im Wert von rund einer Billion (1000 Milliarden) Dollar und nimmt mit diesem Umfang weltweit die Spitzenstellung ein. Was heute allerdings von Pimco bekannt geworden ist, bietet mehr als nur Stoff für Schlagzeilen, sondern Sprengstoff für die Börsen und die wirtschaftliche Entwicklung weltweit.

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