Gastkommentar
Effizient in die Zukunft

Nach dem Beschluss zum deutschen Atomausstieg schaut die Welt gespannt auf das Großexperiment in Deutschland. Soll die Mission Energiewende gelingen, müssen wir unsere Konsumgewohnheiten grundlegend ändern.
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In Japan redet man vom großen Erdbeben von Ost-Japan. Dieses hat den Tsunami ausgelöst. Und dieser hatte neben anderem schlimme Auswirkungen auf eine Kernkraftanlage. Das Wort Fukushima kommt frühestens im zweiten Satz vor, manchmal gar nicht. Ein bisschen Vertuschung ist auch dabei, weil die Kausalität „draußen“ angesiedelt wird. Aber die Ereignisse im März 2011 haben Japan schwer getroffen. Und man hat fast alle Reaktoren zeitweilig stillgelegt und überprüft sie gründlich auf Sicherheit. Zugleich schaut man in Japan gebannt auf den politischen Tsunami in Deutschland und seine energiepolitischen Sturzwellen.

Es war ein politischer Tsunami bei uns. Grün-Rot gewann die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die CDU war tief geschockt. Die Kanzlerin ergriff die kühne Initiative zum beschleunigten Atomausstieg und das, ohne an den klimapolitischen Verpflichtungen zu rütteln, zumindest offiziell. Energiepolitik basierend auf Ethik, nicht auf Strombedarfsprognosen: eine Umkehrung der bis dahin im wirtschaftsnahen Lager gültigen Logik. Und nun schaut das Ausland gespannt, ja gebannt auf Deutschland. Wenn Deutschland das schafft, kippt weltweit die energiepolitische Geometrie. Und dann widerlegen wir damit auch die in deutschen Kohlekreisen geläufige Entschuldigung, unser Beitrag zur Klimabelastung sei marginal.

Deutschland steht ungeplant im Scheinwerferlicht. Wobei uns die Euro-Krise ohnehin eine absolut ungewollte Zentralrolle zuweist. Umgekehrt: Wenn wir die Euro-Krise und den Atomausstieg stemmen, hat das was Heldenhaftes. Aber Vorsicht mit Übertreibungen. In Wirklichkeit profitieren wir auch von der Gasschwemme, vom Sinkflug der CO2-Lizenzpreise, und vor allem von unserer lange vor „Fukushima“ eindrucksvoll verbesserten Wettbewerbsfähigkeit.

Die energetische Herausforderung ist enorm. Der bisherige Wohlstand ging ja Hand in Hand mit mehr Energieverbrauch. Zwar sinkt die Energieintensität, aber der Gesamtverbrauch nimmt noch zu. Daher richtet sich das Interesse auf Windstrom vom Meer, Sonnendächer, Maisplantagen, Gas- und Dampfturbinen-Kombikraftwerke (GuD) und auf CCS (Carbon Capture Storage), das Vergraben von Kohlendioxid im Untergrund. Und ohne viel Trara gewinnt die klimaschädliche Braunkohle Marktanteile.

So werden wir, das behaupte ich, das Nach-Tsunami-Problem nicht lösen. CCS kommt nicht vom Fleck, unter anderem wegen der abgesackten Preise für CO2-Lizenzen. GuD ist besser als Kohle, aber immer noch eine schwere Klimabelastung. Beim Windstrom fehlen die großen Leitungen; Maisplantagen sind ökologisch scheußlich; und Sonnenstrom teuer und tageszeitlich schwankend.

Kommentare zu " Gastkommentar: Effizient in die Zukunft"

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  • haben Sie schon einmal ausgerechnet, wieviel Fläche man dazu benötigen würde. Die benötigte Fläche kommt an die Größe des Bodensees heran.
    Dann suchen Sie mal diese Flächen.

    Das ganze funktioniert nur in Zusammenarbeit mit Norwegen oder Schweden (Sagen selbst die Grünen! bzw. das Gutachten aus das sie sich berufen)

  • Energieeffizienz ist wichtig, definitiv. So ganz freiwillig wird das aber wohl nicht gehen, schließlich leben viele Menschen in Mietwohnungen, deren Nebenkosten sie selbst zahlen. Gerade in Boom-Städten mit großer Nachfrage kümmern sich die Eigentümer(gesellschaften) deshalb herzlich wenig um Energieeffizienz - wieso sollten sie auch. Aus unternehmerischer Verantwortung, CSR? Auf der anderen Seite (hier in Neuseeland)ist man schon froh wenn man ein Haus mit minimaler Isolierung findet - von vernünftigen Fenstern ganz zu schweigen. Immerhin, für den Wasserverbauch zahlt man hier noch nicht, wobei auch das nicht wirklich nachhaltigkeitsfördernd sein kann...

    Weitere Eindrücke zum Thema nachhaltige Zukunft auf http://sustainablefutures.info

  • Es wird viel zu viel über Windkraft und Photovoltaik geredet. Wirklich effizient ist jedoch die Solarthermie!!!
    Die Idee besteht darin, diese Wäremeenergien im Erdreich zwischenzuspeichern, die in kalten Monaten zurückgewonnen werden.

    Auch diese unsägliche Diskussion über die Leitungen von Nord nach Süd. Man braucht nicht DIE große Leitung, sondern man braucht Pumpspeicherkraftwerke, und zwar im Süden!!! Möglichkeiten gibt es genügend, da Süddeutschland wasser- und hügelreich ist.

    Darüber hinaus könnten, ich nenn das mal so, "Wasserkasskaden" errichtet werden, d.h. große Kanäle mit Schleusen, in denen das Wasser hochgepumpt wird, nach und nach. Z.B. könnte parallel zu Isar - z.B. von München bis zur Donau - entstehen, Höhenunterschied 100 Meter auf eine Länge von 100 Km. Zusätzlich könnte man die Kanäle schiffbar machen. Zusätzlich könnten die Wasserbecken ökologisch oder freizeittechnisch genutzt werden. Zudem wird Wasser zurückgehalten, was bei der enormen Versiegelung wichtig ist. Eine Kasskade könnte auch als Hochwasser-Puffer dienen. Im Norden von München könnte ein großes Becken entstehen, Stadt am Wasser, d.h. es wird Energie dort gespeichert wo sie letztlich gebraucht wird!!! Jede Großstadt in Süddt. hätte ähnliches Potential.

    Meiner Meinung eine win-win-win-win-win-Situation.

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