Gastkommentar
„Energie braucht den Markt“

Mit dem Solar-Ausbau beeinflusst Deutschland die Strompreise in Europa. Das sollte der Politik ein Zeichen sein, weniger planungswütig zu sein, fordert RWE-Chef Terium. Der Wettbewerb brauche wieder eine Chance.
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Die Rettung des Euros beherrscht heute die Debatte in Europa. Das ist notwendig. Gleichzeitig droht darüber die Energiewende zu einem Thema zu werden, das nur innerdeutsch diskutiert wird. Wenn es so bliebe, wäre das fatal. Denn die deutsche Energiewende hat massive Auswirkungen auf unsere Nachbarländer. Und: Sie kann nur gelingen, wenn wir sie als gesamteuropäisches Projekt begreifen.

Schon heute beeinflusst die Photovoltaik in Deutschland die Strompreise in unseren Nachbarländern. Sie kappt Preisspitzen, die für Investitionen in flexible Gaskraftwerke und Speicher notwendig sind. Und das auch in der Schweiz, wo kaum Photovoltaik-Anlagen installiert sind. Polen überdenkt Schutzmaßnahmen vor norddeutschem Windstrom, der das polnische Stromnetz überlastet, wenn er in großen Mengen nach Osten fließt. Europas Strom kennt keine Grenzen mehr. Und gleichzeitig sehen wir 16 deutsche Bundesländer - jedes mit einem eigenen Energiekonzept, viele mit Autarkiezielen für die eigene Versorgung.

Es ist klar, dass die Energiewende nicht mit Kleinstaaterei gelingen wird. Sie wird nur zusammen mit unseren Nachbarn in Europa gelingen. Das erfordert den Mut zu mehr Koordination und Planung über die Grenzen Deutschlands hinaus. Das erfordert auch mehr Vertrauen in den Markt. Man kann ein so gewaltiges Projekt nicht bis ins Kleinste vorab planen. Die großen Linien müssen vorgegeben werden. Die Details - in welches Projekt soll wann, wo und wie viel investiert werden? - müssen sich am Markt entscheiden. Dafür haben wir ihn schließlich.

Dazu passt auch kein kurzfristiger Aktionismus. CO2-Preise etwa sollen eine Planungsgrundlage für Energieprojekte bieten, die oft Laufzeiten von 40 Jahren haben. Da sorgt es nur für Unruhe, aber nicht für eine zielführende Steuerung, wenn die Politik mit einem Zeithorizont von 18 Monaten jetzt den CO2-Preis per Verknappung in die Höhe treiben will.

Mehr Vertrauen in den Markt und in Europa sollte auch die Förderung erneuerbarer Energien durchdringen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat sich bewährt, um die erneuerbaren Energien aus einer Nische herauszuführen. Bei einem stetig wachsenden Marktanteil stößt es heute aber an die Grenze Verträglichkeit. Sonne und Wind kosten zwar nichts, aber EEG-Strom ist dennoch relativ teuer. Das spüren die Bürger bei jeder Stromrechnung.

Kommentare zu " Gastkommentar: „Energie braucht den Markt“"

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  • Seit wann gibt es denn im Energiemarkt Wettbewerb? Extrem hohe Subventionen für die Atomkraft, sehr hohe für Kohle, keine "ökologische" (nachhaltige) Buchführung ... Dass die RWE ihre Macht sichern will und die Politik weiterhin eng "umarmen" möchte ist doch klar. Hier wieder ein Beispiel wie unverhohlen das geht ...

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