Gastkommentar
Euro-Krise überfordert die USA

Die Euro-Krise breitet sich auf der ganzen Welt aus – und macht auch vor den USA nicht halt. Stephen S. Roach, Ex-Chef der Asien-Sparte von Morgan Stanley, glaubt nicht, dass Amerika die Weltwirtschaft retten kann.
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Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in Asien, im September 1998, übermittelte der damalige Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Alan Greenspan, eine simple Botschaft: die USA seien keine isolierte Oase des Wohlstands inmitten einer krisengeschüttelten Welt. Greenspans Argument trifft heute in noch viel höherem Maße zu als damals. Ja, die amerikanische Wirtschaft befand sich in den letzten drei Jahren auf einem schwachen Erholungskurs. Nicht zuletzt deshalb herrscht heute die weit verbreitete Hoffnung, dass Amerika für den Rest der Welt inmitten der Euro-Krise ein Sicherheitsnetz bieten kann. Falsch gedacht.

Seit dem ersten Quartal 2009, als die US-Wirtschaft nach der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit die Talsohle erreicht hatte, waren Exporte für 41 Prozent der nachfolgenden Erholung verantwortlich. In den vergangenen drei Jahren bewirkten drei Regionen - Asien, Lateinamerika und Europa - gemeinsam sogar 83 Prozent des exportgetriebenen amerikanischen Wachstums.

Mit einem Anteil von 33 Prozent am gesamten US-Exportanstieg der letzten drei Jahre lag Asien wenig überraschend an erster Stelle. Lateinamerika wies den zweithöchsten Anteil am amerikanischen Exportaufschwung aus. Auf diese Region entfielen in den letzten drei Jahren weitere 28 Prozent der gesamten Gewinne aus Amerikas Auslandsverkäufen, wobei Brasilien und Mexiko gemeinsam für 19 Prozent dieses Anstiegs verantwortlich waren.

In beiden Ökonomien verlangsamt sich das Wachstum mittlerweile beträchtlich, ganz besonders jedoch in Brasilien. Schließlich ist da noch der traurige Fall Europas, das in den letzten drei Jahren für 21 Prozent des kumulierten Wachstums der US-Exporte verantwortlich war. Prognosen sind immer gefährlich, aber mit einigen „Was wäre wenn“-Szenarien lässt sich beleuchten, was das für die größte Volkswirtschaft der Welt bedeutet.

Seit dem zweiten Quartal 2009 liegt der Wert des annualisierten realen BIP-Wachstums der USA im Durchschnitt bei 2,4 Prozent. Da ungefähr 40 Prozent dieser Steigerung dem Export zugerechnet werden können, bedeutet dies, dass die restliche Wirtschaft nur um magere 1,4 Prozent gewachsen ist. Unter Annahme stagnierender, nicht weiter steigender US-Exporte und für den Fall, dass auch alles andere unverändert bleibt (immer eine heroische Annahme), würde das reale BIP-Wachstum auf dieses 1,4-Prozent-Schreckgespenst hinauslaufen.

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Kommentare zu " Gastkommentar: Euro-Krise überfordert die USA"

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  • Der Codex Alimentarius ist mir bekannt, auch wenn ich die Doku nicht gesehen habe. Ich arbeite schon seit geraumer Zeit für mich selbst gegen die negativen Effekte. Ist mir auch egal ob man mich als Spinner bezeichnet.

    Ich weiß aus ganz persönlicher Erfahrung was natürliche Heil- und Preventionsmasnahmen schaffen. Aber das ist denke ich hier und heute erstmal nicht unser Hauptproblem.

  • @malvin

    Da täuschen Sie sich aber.

    Zitat:
    "1. Keine Kriegseinsätze mehr, Militärausgaben schrumpfen!!"

    --> Der Dollar ist (noch) Weltleitwähung. Ohne Kriege nicht machbar. Das einzige Instrument warum die USA noch den Status haben den Sie haben. Ist die Weltleitwährung weg herrscht in den USA Bürgerkrieg.

    Zitat:

    "2. Zwangsanleihen für all die Giga-Mega-Milliardäre/Millionäre, in den USA ist die SChere zwischen Arm und Reich gigantisch geworden. Nur die Mittelschicht ist für Wachstum brauchbar; die Reichen können gar nicht soviel konsumieren wie sie auf der Kante haben."

    ---> Völlig nutzlos da der Dollar nichts wert ist. Da kann genauso gut die FED weiter drucken.

    Zitat:

    "3. China ist ja nur ein Scheinmotor der Wirtschaft. China ist ja quasi die Fabrik der Welt, d.h. dort werden Waren hergestellt, die eigentlich - unter normalen Währungsbedingungen - in USA oder Europa hergestellt werden sollten."

    ---> Falsch. Es lohnt sich nicht einfachste Produkte in Hochentwickelten Wirtschaftsräumen zu Produzieren. Da wird nur Technologie hergestellt welche durch das Know-How und damit die Löhne gerechtrfertigt werden.

    Die USA sind auf die Sicht der nächsten 20 Jahre unrettbar, solange sie nicht weiter auf kosten anderer leben.

  • @Siggi40.de

    Bravo!

    Nach meiner Erkenntnis hat England nur noch 7% Industriequote. Bei den USA wird es real wohl kaum anders aussehen. Ok noch viel Rüstungsindustrie. Danach kommt praktisch nichts mehr.

    Zitat:

    "Bei einem weiter so wie bisher ... haben die westl. Ind.staaten erst mal ein Jahrzehntelanges Siechtum vor sich, mit den entsprechenden Folgen wie explodierende Arbeitslosigkeit, innere Unruhen bis zu Bürgerkriegen."

    Glaube ich nicht. In 4-5 Jahren denke ich ist schluß.

    Reset, wie Sie es sagen, und alles auf Null! Tut ertsmal weh aber es dauert maximal 4 Jahre und es rockt wieder richtig.

    Und in dieser Zeit ist Zeit für echte Politik und Neuordnung, ses Wirtschafts-, Finanz- und politischem Systems.

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