_

Gastkommentar: Europa braucht mehr Freihandelsabkommen

Die Euro-Staaten müssen aus ihrer Schuldenspirale ausbrechen. Zugleich brauchen sie neues Wachstum. Um beides miteinander zu vereinen, muss die EU ihre Handelsbeziehungen stärker als bisher ausbauen.

Die Schuldenkrise ist zur tiefsten Vertrauenskrise in der Geschichte der Europäischen Union geworden. Bürger und Anleger fragen sich: Tut Europa genug, um zu verhindern, dass sich die Krise weiter zuspitzt? Überfordern wir Deutschen unsere Partner mit den strengen Bedingungen für mehr Haushaltsdisziplin? Vernachlässigen wir darüber das Thema Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Europa?

Anzeige
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle. Quelle: AFP
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle. Quelle: AFP

Klar ist: Europa krankt an einer über Jahrzehnte eingeschlichenen Verschuldungsmentalität. Einige Länder haben in dieser Zeit auch stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Zusammen wirkt das wie Blei an den Füßen und erschwert die Überwindung der Krise.

Wir sind jetzt auf gutem Weg, die Ursachen der Krise entschlossen anzugehen und das Vertrauen der Bürger und der Märkte zurückzugewinnen. Der in diesen Tagen intensiv verhandelte Fiskalvertrag wird verbindliche Regeln zur dauerhaften Stärkung der Haushaltsdisziplin festschreiben. Die Konsolidierung der Haushalte ist aber nur die halbe Miete. Alle Bemühungen um Solidität könnten vergeblich sein, wenn unsere Volkswirtschaften nicht auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren. Unsere Strategie darf sich deshalb nicht in Austerität erschöpfen, sondern muss gleichzeitig intelligente Impulse für ein gutes, nachhaltiges Wachstum setzen. Der entscheidende Hebel dafür ist die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.

In diesem Jahr muss es darum gehen, neben der notwendigen weiteren Konsolidierung auch eine ehrgeizige Agenda für mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit auf den Weg zu bringen. Europa muss die selbst angelegten Fesseln abstreifen und das enorme Potenzial heben, das sich auf drei Gebieten bietet:

Binnenmarkt: Schon einmal, in den 80er- und 90er-Jahren, wurden durch die Verwirklichung der „vier Freiheiten“ enorme Kräfte freigesetzt. Heute bietet die Ausdehnung des Binnenmarkts auf neue Felder ein weiteres Mal große Chancen. Das gilt besonders für die digitalisierte Wirtschaft und den Internethandel, den Energiebereich, wo mehr Wettbewerb zu günstigeren Preisen und mehr Versorgungssicherheit führen wird, aber auch für die Stärkung von kleinen und mittleren Unternehmen durch den Abbau von Bürokratie und besseren Zugang zu Risikokapital. Für den Ausbau des Binnenmarkts liegen viele Vorschläge der Europäischen Kommission auf dem Tisch; sie müssen jetzt mit Hochdruck umgesetzt werden. Allgemein sollte es einen Wachstumstest für die Auswahl prioritärer Vorhaben und ein beschleunigtes Verfahren für deren parlamentarische Behandlung geben.

  • 26.01.2012, 12:47 UhrAnonymer Benutzer: Machiavelli

    Griechenland muss die Leistungsbilanz in Ordnung bringen.
    Einfach wäre wenn die MwSt. auf Importprodukte auf 30% erhöht wird, so dass weniger importiert wird und mehr in Griechenland produziert wird.
    Bsp. Wenn ich auf einem in Deutschland produzierten Kühlschrank 30% MwSt. zahlen muss und auf dem gleichen in Griechenland produzierten Kühlschrank (Marke und Modell) nur 20% MwSt. zahle, werde ich als Grieche sicherlich den Kühlschrank kaufen der billiger ist und zwar um 10% billiger, vor allem wenn identisch.
    Das würde dem deutschen Steuerzahler nicht kosten da diese extra 10% vom griechischen Verbraucher bezahlt werden.
    Durch den Exportüberschuss exportiert Deutschland gleichzeitig seine Arbeitslosigkeit.
    Wie soll ein Land wie Griechenland, Portugal, sogar Spanien und Italien den Wettbewerb standhalten? In diesen Ländern haben wir eine Jugendarbeitslosigkeit von 30% bis 50%.
    Die Ausgangsvoraussetzungen und Standortvorteile und -nachteile sind dermaßen unterschiedlich dass dies ohne besondere Vorkehrungen unmöglich ist.
    Die Auswanderung von gut ausgebildete Fachkräfte aus diesen Krisenländer nach Übersee ist enorm und nimmt permanent zu.
    Es ist ein Verlust für Europa und am Ende auch für Deutschland, weil Deutschland zu Europa gehöhrt.
    Die Bundeskanzlerin hat geschworen dem deutschen Volk von Schaden zu bewahren, dass könnte sie jetzt tun.
    Guido will ich nur so kommentieren, er spricht im Interesse der deutschen Großkonzerne die gerne die Welt beherrschen würden, kostet es Europa was es wolle. Eigentlich ein Armleuchter!

  • 26.01.2012, 01:25 UhrAnonymer Benutzer: Sirene

    Die Menschen brauchen auch mehr "Frei-Handel-Abkommen" und
    kein Gestapo.

  • 25.01.2012, 21:32 UhrAnonymer Benutzer: Mike22

    Hallo Guido - es ehrt dich, dass du nicht aufgibst und nach gangbaren Wegen suchst. In der Vergangenheit erlebten Länder mit großzügigen Handelsabkommen Frieden und Wohlstand. Reale Werte wurden geschaffen und getauscht. Heute hat sich, gleich einem Krebsgeschwür, die virtuelle, auf reinem Eigennutz basierende, Geldschöpfung (Kreditausgabe und Schuldbriefverkauf) bis in den letzten Winkel der Realwirtschaft hineingefressen. Wir alle sind derartig abhängig vom "wachsenden" Geldstrom, dass wir uns im globalen Wettbewerb zu Maschinen optimieren, im gesuchten Wachstum mehr und mehr zu Schatten selbstbestimmter Menschen entwickeln, die noch den letzten Baum abholzen, damit sie die nächste Nacht überleben. Wir brauchen mit Sicherheit freien Handel, ok, aber wir brauchen vor allem eine Perspektive, die uns nicht unerreichbaren Banker&Promi-Reichtum per Zinsverpflichtung vorgaukelt, sondern die echte Chance auf persönliches Vorankommen und eine gesicherte, lebenswerte Existenz verspricht! Die gegenwärtige Finanzkrise zeigt unerbittlich auf die Schwächen des Geldsystems. Es wird Zeit dort anzusetzen!!!

  • Kommentare
Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Kommentar: Was traurige Bilder nicht erzählen

Was traurige Bilder nicht erzählen

Die ARD nimmt in einer Dokumentationsreihe die Arbeitsbedingungen bei prominenten Konzernen aufs Korn. Damit steigt die Chance auf Besserung der Firmen. Gemachte Fortschritte bleiben oft verdeckt.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.