Gastkommentar
Europa braucht mehr Freihandelsabkommen

Die Euro-Staaten müssen aus ihrer Schuldenspirale ausbrechen. Zugleich brauchen sie neues Wachstum. Um beides miteinander zu vereinen, muss die EU ihre Handelsbeziehungen stärker als bisher ausbauen.
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Die Schuldenkrise ist zur tiefsten Vertrauenskrise in der Geschichte der Europäischen Union geworden. Bürger und Anleger fragen sich: Tut Europa genug, um zu verhindern, dass sich die Krise weiter zuspitzt? Überfordern wir Deutschen unsere Partner mit den strengen Bedingungen für mehr Haushaltsdisziplin? Vernachlässigen wir darüber das Thema Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Europa?

Klar ist: Europa krankt an einer über Jahrzehnte eingeschlichenen Verschuldungsmentalität. Einige Länder haben in dieser Zeit auch stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Zusammen wirkt das wie Blei an den Füßen und erschwert die Überwindung der Krise.

Wir sind jetzt auf gutem Weg, die Ursachen der Krise entschlossen anzugehen und das Vertrauen der Bürger und der Märkte zurückzugewinnen. Der in diesen Tagen intensiv verhandelte Fiskalvertrag wird verbindliche Regeln zur dauerhaften Stärkung der Haushaltsdisziplin festschreiben. Die Konsolidierung der Haushalte ist aber nur die halbe Miete. Alle Bemühungen um Solidität könnten vergeblich sein, wenn unsere Volkswirtschaften nicht auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren. Unsere Strategie darf sich deshalb nicht in Austerität erschöpfen, sondern muss gleichzeitig intelligente Impulse für ein gutes, nachhaltiges Wachstum setzen. Der entscheidende Hebel dafür ist die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.

In diesem Jahr muss es darum gehen, neben der notwendigen weiteren Konsolidierung auch eine ehrgeizige Agenda für mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit auf den Weg zu bringen. Europa muss die selbst angelegten Fesseln abstreifen und das enorme Potenzial heben, das sich auf drei Gebieten bietet:

Binnenmarkt: Schon einmal, in den 80er- und 90er-Jahren, wurden durch die Verwirklichung der „vier Freiheiten“ enorme Kräfte freigesetzt. Heute bietet die Ausdehnung des Binnenmarkts auf neue Felder ein weiteres Mal große Chancen. Das gilt besonders für die digitalisierte Wirtschaft und den Internethandel, den Energiebereich, wo mehr Wettbewerb zu günstigeren Preisen und mehr Versorgungssicherheit führen wird, aber auch für die Stärkung von kleinen und mittleren Unternehmen durch den Abbau von Bürokratie und besseren Zugang zu Risikokapital. Für den Ausbau des Binnenmarkts liegen viele Vorschläge der Europäischen Kommission auf dem Tisch; sie müssen jetzt mit Hochdruck umgesetzt werden. Allgemein sollte es einen Wachstumstest für die Auswahl prioritärer Vorhaben und ein beschleunigtes Verfahren für deren parlamentarische Behandlung geben.

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Europa braucht mehr Freihandelsabkommen

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Die Bedeutung des freien Handels wird weiter steigen

Kommentare zu " Gastkommentar: Europa braucht mehr Freihandelsabkommen"

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  • Griechenland muss die Leistungsbilanz in Ordnung bringen.
    Einfach wäre wenn die MwSt. auf Importprodukte auf 30% erhöht wird, so dass weniger importiert wird und mehr in Griechenland produziert wird.
    Bsp. Wenn ich auf einem in Deutschland produzierten Kühlschrank 30% MwSt. zahlen muss und auf dem gleichen in Griechenland produzierten Kühlschrank (Marke und Modell) nur 20% MwSt. zahle, werde ich als Grieche sicherlich den Kühlschrank kaufen der billiger ist und zwar um 10% billiger, vor allem wenn identisch.
    Das würde dem deutschen Steuerzahler nicht kosten da diese extra 10% vom griechischen Verbraucher bezahlt werden.
    Durch den Exportüberschuss exportiert Deutschland gleichzeitig seine Arbeitslosigkeit.
    Wie soll ein Land wie Griechenland, Portugal, sogar Spanien und Italien den Wettbewerb standhalten? In diesen Ländern haben wir eine Jugendarbeitslosigkeit von 30% bis 50%.
    Die Ausgangsvoraussetzungen und Standortvorteile und -nachteile sind dermaßen unterschiedlich dass dies ohne besondere Vorkehrungen unmöglich ist.
    Die Auswanderung von gut ausgebildete Fachkräfte aus diesen Krisenländer nach Übersee ist enorm und nimmt permanent zu.
    Es ist ein Verlust für Europa und am Ende auch für Deutschland, weil Deutschland zu Europa gehöhrt.
    Die Bundeskanzlerin hat geschworen dem deutschen Volk von Schaden zu bewahren, dass könnte sie jetzt tun.
    Guido will ich nur so kommentieren, er spricht im Interesse der deutschen Großkonzerne die gerne die Welt beherrschen würden, kostet es Europa was es wolle. Eigentlich ein Armleuchter!

  • Die Menschen brauchen auch mehr "Frei-Handel-Abkommen" und
    kein Gestapo.

  • Hallo Guido - es ehrt dich, dass du nicht aufgibst und nach gangbaren Wegen suchst. In der Vergangenheit erlebten Länder mit großzügigen Handelsabkommen Frieden und Wohlstand. Reale Werte wurden geschaffen und getauscht. Heute hat sich, gleich einem Krebsgeschwür, die virtuelle, auf reinem Eigennutz basierende, Geldschöpfung (Kreditausgabe und Schuldbriefverkauf) bis in den letzten Winkel der Realwirtschaft hineingefressen. Wir alle sind derartig abhängig vom "wachsenden" Geldstrom, dass wir uns im globalen Wettbewerb zu Maschinen optimieren, im gesuchten Wachstum mehr und mehr zu Schatten selbstbestimmter Menschen entwickeln, die noch den letzten Baum abholzen, damit sie die nächste Nacht überleben. Wir brauchen mit Sicherheit freien Handel, ok, aber wir brauchen vor allem eine Perspektive, die uns nicht unerreichbaren Banker&Promi-Reichtum per Zinsverpflichtung vorgaukelt, sondern die echte Chance auf persönliches Vorankommen und eine gesicherte, lebenswerte Existenz verspricht! Die gegenwärtige Finanzkrise zeigt unerbittlich auf die Schwächen des Geldsystems. Es wird Zeit dort anzusetzen!!!

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