Gastkommentar
Europa muss im Osten Klinken putzen

Die Euro-Schuldenkrise ist lösbar, glaubt der frühere Nato-Generalsekretär Javier Solana. Die Union solle sich anderen wichtigen Problemen stärker widmen. Sie heißen: Russland, Ukraine und Türkei.
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Das europäische Projekt wankt gerade, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass die derzeitige Schuldenkrise in der Euro-Zone überwunden und dass Europa gefestigt und effektiver aus der Krise hervorgehen wird. Aber um dieses Ziel zu erreichen, reicht es nicht, die Schuldenkrise zu überwinden, sondern es müssen die Beziehungen mit den drei wichtigsten Ländern im Osten Europas - der Türkei, Russland und der Ukraine - auf eine solidere Basis gestellt werden.

Meine Generation hat in Spanien vor vier Jahrzehnten die Übergangszeit zwischen Diktatur und Demokratie miterlebt. Für uns war die Europäische Union ein Traum. Wir zitierten damals Ortega y Gasset: „Wenn Spanien das Problem ist, ist Europa die Lösung.“ Ich glaube fest daran, dass Europa die Lösung ist, insbesondere für Gesellschaften, in denen eine demokratische Tradition noch vertieft werden muss. Engere Beziehungen zwischen Europa einerseits und der Türkei, Russland und der Ukraine andererseits können für diese Länder ähnliche Vorteile bringen, wie wir sie in Spanien immer mit Europa verbunden haben.

Die Türkei ist bereits Kandidat für eine Aufnahme in die EU, aber die Beitrittsverhandlungen schreiten sehr langsam voran, und das ist strategisch unklug, weil die große Autorität der Türkei im Nahen Osten sehr wichtig für Europa ist. Von Syrien bis hin zu den Ländern des arabischen Frühlings besitzt die Türkei einen großen Einfluss. Eine weitere Kooperation mit der EU kann nur positive Auswirkungen haben. Die EU hat zwar einen politischen Kommunikationskanal mit der Türkei eingerichtet. Aber das Endspiel der Beziehung ist noch nicht entschieden. Meine leidenschaftliche Hoffnung ist, dass die Türkei Mitglied der EU wird, weil das muslimische, demokratische und überwältigend junge Land die Union in wichtigen Bereichen stärken kann.

Die Debatte um die Mitgliedschaft der Türkei wird in der zweiten Hälfte dieses Jahres wohl hitziger geführt werden, wenn Zypern die rotierende Präsidentschaft der EU übernimmt. Die Türkei wird Zypern bestimmt nicht als einzigen Repräsentanten der geteilten Insel anerkennen. Eine weitere Komplikation stellt die Entdeckung von Öl nahe der zypriotischen Küste dar.

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Die Ukraine ist eine große Enttäuschung

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  • die beiträge hier lassen mich schon schmunzeln wie unterbelichtet manche leser von handelsblatt.de sind.
    Einerseits einer der auf schlau tut und den Islam eine Ideologie nennt und einfach die gaanz vielen bundeswehrsoldaten mit Migrationshintergrung in kosovo und afghanistan leugnet.
    Andererseits eine/r der/die wohl ganz sicher verschlafen hat, das auch die Türkei geographisch (z.b. zypern auch EU-Mitglied)wie auch historisch zu europa gehört. aber mich nervts einfach nur das man solche sachen 'euch'(Menschen mit Vorurteilen/BILD.DE-lesern)dies jedes mal wieder erklären kann und ihr es doch in eure rechten glatzköpfigen schädel nicht einprägen könnt.
    Ich pflege es auch deshalb zu sagen: Wen interessiert schon die realität, wenn man eine Meinung hat

  • Russland und die Ukraine gehören aufgrund der Geographie , der historischen Entwicklung, der Kultur usw. zu Europa und zur EU.
    Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen und strategischen Aspekten heraus dürfen die West- und Osteuropäer diese Chance nicht verpassen.
    Bei der Türkei habe ich so meine Vorbehalte. Die islamische Kultur liegt mir nicht. Ich finde es nicht nicht o.k, wie Islamisten die Christen und die Frauen behandeln.

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