Gastkommentar
Europas Doppelstrategie könnte verheerend enden

Die Staaten der Euro-Zone müssen sich entscheiden, ob sie den Rettungsschirm hochhebeln oder die Banken besser kapitalisieren wollen. Beides zugleich funktioniert nicht.
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Europa verfolgt drei Wege, um die kurzfristigen Auswirkungen der Schuldenkrise zu begrenzen. Erstens wird der Versuch unternommen, über die Hebelung der Mittel im Rettungsschirm (EFSF) Italien und Spanien wenigstens für einige Monate von einer erhöhten Zinslast zu befreien. Zweitens strebt die Europäische Bankenaufsicht (Eba) eine deutliche Erhöhung der Eigenkapitalausstattung der europäischen Banken für Mitte 2012 an. Hierbei sollen die Banken eine Risikovorsorge für Anleihen aus schwachen Euro-Staaten aufbauen. Und drittens hält die Europäische Zentralbank (EZB) über den Ankauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt diese Bonds liquide.

Jede dieser drei Maßnahmen wäre - zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Ausmaß - für sich genommen geeignet, die Auswirkungen eines gleichzeitigen Staatsbankrotts in mehreren Ländern der Euro-Zone abzuschwächen oder einen solchen Bankrott zu verhindern. Nur: Alle drei Maßnahmen zusammen passen zeitlich und inhaltlich nicht zueinander.

Die Politik der Eba setzt falsche Anreize. Ihr präferierter Weg zur Kapitalisierung der Banken geht über den Kapitalmarkt. Dieser Weg wird sich aber schwierig gestalten, da die Bereitschaft gering ist, in Papiere zu investieren, die unmittelbar mit den Risiken einer Staatspleite verbunden sind. Dass die Eba im Zweifel die Zahlung von Dividenden verhindern möchte, stellt ein weiteres Hindernis für Anleger dar, neues Kapital zu zeichnen.

Der freiwillige Gläubigerverzicht im Falle von Griechenland führt zudem dazu, dass die Investoren nun ihre Entscheidungen anhand der Bruttopositionen der Banken gegenüber den Krisenstaaten treffen werden, weil wegen der „Freiwilligkeit“ die Instrumente zur Absicherung wahrscheinlich nicht funktionieren werden.

Andererseits haben die Banken die Möglichkeit, ihre Länderrisiken zu verringern, indem sie sich massiv von Staatspapieren trennen. Dieses Vorgehen würde zwar den Kapitalbedarf nicht verringern, weil der sich an den Daten vom Herbst 2011 bemisst. Aber mit weniger risikoreichen Staatsanleihen könnten die Banken eine breitere Investorengruppe ansprechen.

Alternativ besteht die Möglichkeit, dass der Staat das fehlende Eigenkapital bereitstellt. Befürworter verweisen gern auf die Zwangsrekapitalisierung der amerikanischen Banken nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Allerdings wurde diese zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als die Staatsverschuldung noch nicht im Fokus der Finanzmärkte stand. Heute kann es hingegen für einige Staaten schwierig werden, eine Kapitalisierung der Banken zu finanzieren. Wenn das nicht funktioniert, könnten hierfür zwar Mittel des EFSF verwendet werden. Dies führt jedoch dazu, dass weniger Kapital für das Absichern von Staatsanleihen zur Verfügung steht.

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Signalwirkung der Eba-Politik ist verheerend

Kommentare zu " Gastkommentar: Europas Doppelstrategie könnte verheerend enden"

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  • Schuldgeldsysteme enden immer mit Reset. Ohne wenn und aber. Wer das nicht erkennt, ist blind.

  • Du glaubst auch noch an den Weihnachtsmann ?

  • Press conference following, 12/01/ 2012, ECB,Frankfurt.Press conference following, 03/05/ 2012,ECB Barcelona.etc.
    ..."passen zeitlich und inhaltlich nicht zueinander." Wohl wahr. Passen auch nicht sprachlich und geschichtlich zueinander.
    Warum sollte die Unterscheidung Banken-Politik so schwer fallen? Hat beim Moloch zu Brüssel jemals die Pfandklugheit oder der Tilgungsglaube oder die Überfinanzierung der Nationalstaaten oder zentralistischer Unsinn eine Rolle gespielt? Luxemburg ist die größte Bank Europas. Und übrigens: Die USA haben 20 Banken. Europa hat 5900 Banken. Jeder in seinem Bereich!

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