Gastkommentar
Europas Zukunft entscheidet sich am Arbeitsmarkt

Der Chef des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus F. Zimmermann, fordert eine grundlegende Reform des Arbeitsmarktes in der Euro-Zone. Ein gemeinsamer Währungsraum setze leistungsfähige Arbeitsmärkte voraus.
  • 10

Die Zukunft Europas entscheidet sich auf den Arbeitsmärkten. Auf keinem anderen Gebiet ist das Wirtschafts- und Wohlfahrtsgefälle zwischen den Ländern heute so dramatisch. Während Deutschland, Österreich und die Niederlande Vollbeschäftigung ansteuern, wächst in Spanien, Griechenland und Italien eine Jugend ohne berufliche Perspektive auf. Deshalb ist nur zu begrüßen, dass Europas Regierungschefs auf ihrem nächsten Gipfel am 30. Januar die Beschäftigungspolitik in den Mittelpunkt stellen wollen. Eine europäische Agenda für mehr Beschäftigung muss das Ziel sein.

Zwar ist eine Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts auf den Weg gebracht worden, um ihn effektiver zu machen. Doch dieses Reformpaket konzentriert sich auf die fiskalpolitischen Defizite und ist kaum in der Lage, dem Arbeitsmarkt die notwendigen Impulse zu geben. Dieser muss zugleich auf den demografischen Wandel und den globalen Wettbewerb reagieren können.

Dies gelingt nur mit einem hinreichend flexiblen, offenen Arbeitsmarkt mit wettbewerbsfähigen Strukturen. Eine wichtige Konsequenz wäre deshalb, im neuen Regelwerk des Stabilitäts- und Wachstumspakts nicht nur bessere Kontroll- und Sanktionsmechanismen für ausgeglichene Haushalte zu verankern, sondern ebenso Parameter für die Beschäftigungsentwicklung, für Innovation und Wachstum.

Die EU-Kommission braucht überzeugende Instrumente, damit die Euro-Staaten ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig verbessern und ihre Arbeitsmärkte reformieren, vor allem liberalisieren. Ein Anreizsystem sollte geschaffen werden, das insbesondere in den Krisenländern erkennbare und messbare Fortschritte beim Aufbau neuer Beschäftigung prämiert.

Dabei muss jedes Land seine eigene Reformstrategie entsprechend seinen spezifischen Bedingungen wählen. So ist in den Euro-Krisenländern der Dienstleistungsanteil sehr hoch, und entsprechend abhängig ist die Wirtschaft von der Beschäftigungsnachfrage. Die deutsche Exportindustrie hingegen ist wegen ihrer Kapitalintensität nicht so abhängig vom Arbeitsmarkt. Andere Länder müssen vor allem ihre agrarischen Strukturen überwinden.

Seite 1:

Europas Zukunft entscheidet sich am Arbeitsmarkt

Seite 2:

Mobilität muss deutlich erhöht werden

Kommentare zu " Gastkommentar: Europas Zukunft entscheidet sich am Arbeitsmarkt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Du meine Güte. Alle Menschen völlig dem Markt unterwerfen, sie entwurzeln, immer schneller im Hamsterrad rennen lassen, schwächere Staaten ausbluten lassen - tolles Konzept! Wie wäre es stattdessen mit www.bandbreitenmodell.de/kurzversion ? Auszug:

    Kann man Arbeitslosigkeit und Niedriglohne beseitigen? Das halten die angeblichen "Experten" für unmöglich, ist jedoch ganz simpel. Man kann den ökonomischen Mechanismus von Angebot und Nachfrage im Sinne der Menschen anwenden. Das heutige Überangebot an Arbeitskräften kann man in ein Überangebot an Arbeitsplätzen drehen. Dazu muß man bei den Arbeitgebern für eine zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften sorgen. Wie erreicht man das?
    1.Die zusätzlichen Mitarbeiter müssen für alle Unternehmen existentiell wichtig sein.

    2.Was ist die Existenzgrundlage von Unternehmen?
    Ein möglichst hoher Umsatz/Marktanteil, um im Wettbewerb zu überleben.

    3.Wie erzielt man einen möglichst hohen Umsatz/Marktanteil?
    Vor allem durch möglichst niedrige Verkaufspreise.

    4.Wie kann der Gesetzgeber Einfluss auf die Verkaufspreise nehmen?
    Durch den Satz der Umsatzsteuer.

    5.Wie kann der Gesetzgeber also Einfluss auf die Zahl der Beschäftigten nehmen?
    Indem er den Satz der Umsatzsteuer jedes einzelnen Unternehmens mit dessen
    Beschäftigungsintensität (= Verhältnis von Mitarbeiterzahl zum Umsatz) verknüpft.

  • Du meine Güte. Alle Menschen völlig dem Markt unterwerfen, sie entwurzeln, immer schneller im Hamsterrad rennen lassen, schwächere Staaten ausbluten lassen - tolles Konzept! Wie wäre es stattdessen mit www.bandbreitenmodell.de/kurzversion ? Auszug:

    Kann man Arbeitslosigkeit und Niedriglohne beseitigen? Das halten die angeblichen "Experten" für unmöglich, ist jedoch ganz simpel. Man kann den ökonomischen Mechanismus von Angebot und Nachfrage im Sinne der Menschen anwenden. Das heutige Überangebot an Arbeitskräften kann man in ein Überangebot an Arbeitsplätzen drehen. Dazu muß man bei den Arbeitgebern für eine zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften sorgen. Wie erreicht man das?
    1.Die zusätzlichen Mitarbeiter müssen für alle Unternehmen existentiell wichtig sein.

    2.Was ist die Existenzgrundlage von Unternehmen?
    Ein möglichst hoher Umsatz/Marktanteil, um im Wettbewerb zu überleben.

    3.Wie erzielt man einen möglichst hohen Umsatz/Marktanteil?
    Vor allem durch möglichst niedrige Verkaufspreise.

    4.Wie kann der Gesetzgeber Einfluss auf die Verkaufspreise nehmen?
    Durch den Satz der Umsatzsteuer.

    5.Wie kann der Gesetzgeber also Einfluss auf die Zahl der Beschäftigten nehmen?
    Indem er den Satz der Umsatzsteuer jedes einzelnen Unternehmens mit dessen
    Beschäftigungsintensität (= Verhältnis von Mitarbeiterzahl zum Umsatz) verknüpft.

  • Der liebe Herr Zimmermann strebt Vollbeschäftigung an, was ja ganz einfach ist: Mehr drei-Euro-Jobs und die Überproduktion ist wieder voll am Laufen. Weshalb nicht mal fürs Nichtstun zahlen, damit die Leute leben können und zufrieden sind, weil sie tun und lassen können, was sie wollen? Der Rechnungshof hat ja schon bestätigt, dass dies möglich wäre, aber zu feige sind alle für solchen Versuch, weil die eingefrorenen Denkmuster der Studierten einfach nichts anderes zulassen, als dass alle gleich Ausgebildeten auch die gleichen Einfaltspinsel sind, was ein Studium als Gleichrichter der Meinungen eigentlich arg infrage stellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%