Gastkommentar
EZB-Interventionen sind keine Lösung

Immer wieder war die EZB krisenbedingt gezwungen, massiv zu intervenieren. Eine Lösung ist das freilich nicht. Die Politik darf nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Sie muss die Krisenländer stabilisieren.
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Können Sie es nicht mehr hören? Die Warnungen vor dem bevorstehenden Untergang der Euro-Zone? Sind Sie krisenmüde und überzeugt, Ökonomen (und Ökonominnen) müsse man nicht mehr zuhören? Schließlich ist es ja doch immer irgendwie wieder weitergegangen, und Europa ist eben doch nicht untergegangen. Die Ökonomen streiten ja nur.

Leider kann man leicht zu dieser Haltung gelangen. Aber leider ist auch leicht erkennbar, dass sich viele Warnungen erfüllt haben, dass sich die Krise kontinuierlich verschärft hat, obwohl immer größere „Waffen" aufgefahren und auch eingesetzt wurden.

Schon zum zweiten Mal in den letzten Monaten sah sich die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen, massiv zu intervenieren. Zuerst, um die Liquidität des Bankensystems zu sichern, und zuletzt, um die Refinanzierungskosten von Staaten zu dämpfen. Nun herrscht wieder die Hoffnung, dass es reichen wird, dass die EZB den Zusammenhalt sichert und die Politik weitgehend aus dieser Verantwortung entlässt. Eine Lösung sieht anders aus.

Der vom Institute of New Economic Thinking einberufene europäische Krisenrat aus 17 Ökonomen stand vor der Aufgabe, eine tragfähige Lösung zu präsentieren. Er ließ sich dabei vom Prinzip leiten, nur die ökonomisch minimal erforderlichen Interventionen vorzunehmen und zwischen dem langfristigen Ziel und dem kurzfristig notwendigen Weg zu unterscheiden. Denn es gilt, zwei getrennte Aufgaben zu bewältigen: Erstens sind die Lasten, die aufgrund des verfehlten Regelwerks der Euro-Zone entstanden sind, abzutragen, und zweitens muss das Regelwerk verbessert werden.

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Euro-Zone muss die Zinsen kontrollieren können

Kommentare zu " Gastkommentar: EZB-Interventionen sind keine Lösung"

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  • Die EZB löst keine Probleme, die EZB ist Teil des Problems. Das staatliche und privatbankliche Geld(schöpfungs)monopol ist das Problem. Warum will man mir vorschreiben welches "Geld ich nutze um in Freiheit mit anderen Bürgern handel zu treiben? Freiheit fängt auch und vor allem beim Geld an.

  • 1995, vor dem Euro, waren die Zinsen für Italien und Spanien über 12%.
    Die Konvergenz der Zinsen, die schlagartig mit dem Euro kam, ist ein Fehler. So wurde der Markt als Disziplinierungsinstrument ausgehebelt. Jetzt gibt es wieder unterschiedliche Zinsen für verschiedene Euroländer, was richtig ist. Es ist doch falsch, dass alle Euroländer gleiche Zinsen zahlen müssen, denn der Zins spiegelt das Ausfallrisiko wider, dass nicht für alle Staaten gleich ist. Dahinter steckt die Auffassung der eurokraten: Kein Euroland kann Pleite gehen. Wieder ein arroganter Fehler der Eurokraten, der selbst in Basel III noch nicht behoben ist, denn weiter brauchen Banken für (Schrott)anleihekauf der PIGS kein Eigenkapital hinterlegen.
    Nur kurz: "Hoffnung für Europa". Meinen Sie mit Europa: Schweiz, Norwegen, Ukraine, Polen, GB? Europa bleibt auch ohne Euro bestehen. Sie vermengen - wie alle Euroideologen - immer wieder geschickt Europa/Euro.
    Ihr naiver Glaube an einen Schuldentilgungspakt, der eingehalten wird, geht auf Kosten der (deutschen) Steuerzahler. Nicht mehr Haftung und Verflechtung, sondern weniger ist nötig. Es reicht. Sie hätten besser schon vor ein paar Jahren auf Fehlkonstruktion des Euro insgesamt und auf z.B. der Traget2-Salden, ELA, etc. hinweisen sollen, anstatt den deutschen Normalbürgern immer mehr Tributzahlungen aufzuzwingen mit ihren euroerhaltenen Lösungsvorschlägen.
    Warum raten Sie Monti nicht, endlich die großen Privatvermögen der Italiener anzugehen, oder die Schattenwirtschaft in I/S... abzubauen? ac19n

  • Frau Weder di Mauros Vorschläge zur langfristigen Stabilisierung durchsetzbar? Und was ist mit der Zahlungsbilanz?

    Die gedankliche Trennung in Altlastenbewältigung und Maßnahmen, die die Währungsunion langfristig funktionsfähig machen (was sie jetzt nicht ist), ist sinnvoll. Ich bezweifle aber, dass Frau Weder di Mauros Vorschläge (kein Bail-out von Staaten und Banken, sondern Insolvenzen) durchgesetzt werden können, *selbst* wenn die entsprechenden Verträge unterzeichnet werden würden. Und die Frage, wie Zahlungsbilanzgleichgewichte dauerhaft hergestellt werden können (Lohndiktate aus Brüssel?), ist sie noch gar nicht angegangen. Was ist mit den Target-2-Krediten, die sich z.Zt. jeden Tag erhöhen?

    Einerseits also ein erster gedanklicher Schritt in die richtige Richtung. Andererseits fehlt mir der Glaube, dass die Politik den Willen hat, den notwendigen Weg wirklich zu Ende zu gehen: zu schön ist für die die Transferunion! Solange das so ist, muss die Währungsunion aufgelöst werden.

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