Gastkommentar: „Green Economy“ funktioniert nicht als realdemokratische Marktwirtschaft

Gastkommentar
„Green Economy“ funktioniert nicht als realdemokratische Marktwirtschaft

Die Arme der Grünen sind zurzeit weit geöffnet, sehr weit. Alle sollen kommen: FDP-Wähler, desillusionierte CDUler, bürgerliche SPDler, die das linke Bürgertum stärken wollen. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ hat der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir jetzt besonderen "Hunger" auf ökologiebewusste FDP-Wähler erkennen lassen. Gelockt werden sollen sie mit "Green economy".
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Die Arme der Grünen sind zurzeit weit geöffnet, sehr weit. Alle sollen kommen: FDP-Wähler, desillusionierte CDUler, bürgerliche SPDler, die das linke Bürgertum stärken wollen. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ hat der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir jetzt besonderen "Hunger" auf ökologiebewusste FDP-Wähler erkennen lassen. Gelockt werden sollen sie mit "Green economy".

„Lieber Cem“, möchte ich meinem früheren Mitbewohner aus gemeinsamen Brüsseler WG-Tagen zurufen, „das mag ein geschickter Schachzug sein.“ Die „Green economy“ der Grünen hört sich gut an, aber beim Lesen des Interviews wird klar, um was es geht: Um eine demokratisch-politisch, also staatlich gelenkte Wirtschaft mit ideologischen Planzielen vorbei an der wirtschaftlichen Vernunft. Nachhaltige Politik funktioniert nicht als „realdemokratische Marktwirtschaft.“

„Green economy“ à la Grüne: Die Einführung von Elektromotoren soll mit Subventionen herbeigeführt werden, Kfz-Steuern sollen erhöht werden, ganze Branchen sollen mit dem Bannstrahl belegt werden, obwohl sie noch auf absehbare Zeit als Brückentechnologie gebraucht werden.

Diesen Weg können echte Liberale, nicht mitgehen auch wenn er ihnen grünliberal angehaucht präsentiert wird. Insofern bin ich skeptisch, ob die Signale der Grünen Erfolg haben werden. Würde Lord Dahrendorf, den Cem Özdemir als Vorbild angibt, heute wirklich grün wählen?

Im Mai 2008 merkte Dahrendorf während des Festaktes anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Friedrich-Naumann-Stiftung an, dass Freiheit ein "Minderheitsideal" geworden sei. Die Mehrheit rede eher von Gerechtigkeit und gleite so allzu rasch von der Sprache der Gerechtigkeit über zur Sprache der Gleichheit: „Dabei gerät dann die Freiheit – auch die zum Spiel auf dem freien Markt – leicht aus dem Blick. Das ist nicht nur ein Denkfehler, sondern es kann zu falschem Handeln führen“.

Die so genannte „Green Economy“ ist geprägt von der Sprache der Glücksforschung und vermeintlichen Gerechtigkeit. Sie bleibt jedoch abstrakt, was zum aktuellen Zulauf der Grünen führt. Wenn die Menschen verunsichert werden - wie etwa durch die anhaltenden Ausläufer der Finanzkrise und wenn Politik darauf nicht angemessen reagiert, dann flüchtet man sich ins Metaphysische. Das ist der große Moment der Grünen - aber nicht der Weg der Vernunft und hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Nachhaltige Politik in Umwelt- wie Finanzfragen ist ein klassisches liberales Erbe, das wir durch das Steuermantra in den vergangenen Jahren zu sehr vernachlässigt haben. Einige FDP-Abgeordnete haben deshalb Anfang 2011 den „Dahrendorfkreis“ gegründet. Ziel ist die Verwirklichung einer ökologischen Wirtschaft und eine intensivere liberale Europa-, Bildungs- und Integrationspolitik.

Der Kreis steht allen offen, die sich zu Dahrendorf bekennen. Wir wollen das Begriffspaar Freiheit und Verantwortung zurück ins Gleichgewicht bringen – in Bezug auf den Einzelnen, wie auch in Bezug auf den Staat. Wer Nachhaltigkeit in Verbindung mit Freiheit will, der ist hier herzlich willkommen: Mit ganz weit offenen Armen.

Kommentare zu " Gastkommentar: „Green Economy“ funktioniert nicht als realdemokratische Marktwirtschaft"

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  • Orange? blau? Weiss?

    Da ist mindestens noch Luft für 3 weitere Gruppierungen, die wohl auf Anhieb 70% bekämen.

    Gelb hat ja schon liberalerweise alle Wahlversprechen gebrochen!
    Schwarz wählen und Du wirst nicht nur mehr schwarz sehen sondern auch zur Ader für EU gelassen!
    Rot ist Käse- und Lachplatte schlechthin - Partei in Sinn- und Seinkrise!
    Grün ist auch völlig unglaubwürdig, weil klein beigegeben im Atomausstieg!

    Wer zweimal lügt... es ist schon mathematisch bewiesen, dass das eine unendliche Reihe ergibt!

  • Die Grünen sind für Liberale nicht wählbar. Die FDP ist keine liberale Partei mehr. Das ist die große Katastrophe!

  • "Gleichgewicht von Freiheit und Verantwortung" - ein ziemlich nichtssagender begriff.
    Wie verantwortungsbewußt "die Wirtschaft" ist, wird uns anhand der regelmäßg auftretenden "Skandale" eindrucksvoll vorgeführt.

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