Gastkommentar
Haftungsunion gefährdet Deutschlands Wohlstand

Ex-BDI-Präsident und Chef der SMS Group, Heinrich Weiss, hält eine Haftungsunion in der Euro-Zone für unverantwortlich. Er sieht den jahrzehntelang erarbeiteten Wohlstand in Deutschland in Gefahr.
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Die drei Jahre andauernden Versuche, die Euro-Zone zu stabilisieren, entzweien nicht nur Volkswirte und Politiker, sondern auch die deutsche Wirtschaft. Mit Erstaunen haben viele die opportunistischen Positionen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zur Kenntnis genommen, der die Etablierung einer Gemeinschaftshaftung für die Staatsschulden in Europa entgegen jeder ordnungspolitischen Vernunft unterstützt und die Familienunternehmer für ihre strikte Ablehnung kritisiert.

Für angestellte Unternehmenschefs, die heute vielfach nur noch in Fünfjahreszeiträumen denken wie die meisten Politiker, mag die Haltung des BDI zur Euro-Krise opportun sein. Für selbstständige Unternehmer, die in Generationen denken, ist eine Haftung ohne Schadensbegrenzung unverantwortlich. Bereits vor Abschluss des Maastricht-Vertrags habe ich auf die Gefahren einer verfrühten Gemeinschaftswährung hingewiesen.

Als ich 1991 als BDI-Präsident mit meinem französischen Kollegen, dem Chef des Patronats, das Thema besprach, wies dieser mich in aller Offenheit darauf hin, dass Deutschland hier den Preis für die französische Zustimmung zur Wiedervereinigung zu bezahlen habe: „Wir möchten die Deutschen langfristig an der Finanzierung der riesigen ungedeckten Pensionslasten im französischen Staatshaushalt beteiligen."

Also verspätete Reparationsleistungen? Bei allen gelungenen Währungsunionen in der Geschichte kam erst der Handel, dann die politische Einigung und zum Schluss die gemeinsame Währung. Der Euro wurde gegen alle Erfahrungen als ein Hebel für die politische Einigung eingeführt. Inzwischen sehen wir, dass die dadurch entstandene Krise eher zur Spaltung als zur beschleunigten Einigung Europas führt.

Die vor allem von Theo Waigel durchgesetzten Konvergenzkriterien sollten den Deutschen Vertrauen in den Euro geben und Fehlentwicklungen vorbeugen. Schnell wurde aber deutlich, dass ein Währungssystem mit 17 Staaten ohne einen „CEO" an der Spitze führungslos ist.

Spätestens mit den nicht sanktionierten Vertragsverletzungen Deutschlands und Frankreichs wurde das Vertragswerk ausgehebelt, die Glaubwürdigkeit der europäischen Institutionen beschädigt und der Weg zu weiteren Gesetzesbrüchen geebnet.

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Deutschland drohen riesige Haftungsrisiken

Kommentare zu " Gastkommentar: Haftungsunion gefährdet Deutschlands Wohlstand"

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  • Das ist auch nur ein Statement: Wenn wir uns Europäer als globalen Partner in der Welt installieren wollen, muß Europa mit einer Stimme sprechen. Es ist wie in der Familie, intern streiten, nach aussen einig. Jedes Mitglied gibt einen Teil seiner Eigenständigkeit auf damit Gemeinsames wachsen kann. Mahnen und warnen, ohne Optionen bzw. Lösungsansätze anzubieten, ist äußerst fragwürdig.
    Wenn wir Europa wollen, dann sollten wir dazu stehen und auch Opfer bringen. Die Lasten müssen verteilt werden. Fatal wäre, wenn jedes Mitglied nur seinen eigenen Vorteil suchen würde.
    MfG
    Hermann Krieg

  • ...............ist das die Lösung ?
    Strafanzeige

    gegen die Mitglieder der Bundesregierung, Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates der Bundesrepublik Deutschland

    welche dem ESM-Vertrag zugestimmt haben

    wegen Hochverrates und Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens

    gemäß §81 – §83 StGB

  • @SIRENE
    Sehr guter ausgearbeiteter Kommentar mit sehr viel
    Sachverstand. Die meisten Blogteilnehmer müssten mehr
    Lösungsansätze schreiben, dann wäre der Blog noch interessanter als überwiegende Statements. Mischen Sie sich
    weiter ein.
    MfG
    Walter Schmid

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